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Bargeldloses Zahlen stösst in der Schweiz auf Widerstand

25. Juni 2022, 08:32 Uhr
In diversen Restaurants und Clubs sowie an Festivals ist es bereits Standard – auf Bargeld wird verzichtet. In der Schweiz stossen Veranstalter mit dieser Taktik jedoch immer wieder auf Widerstand.
Viele Schweizerinnen und Schweizer setzen noch auf Bargeld. In Schweden und England ist dies seltener zu sehen.
© SNB

Schwere Münzen in der Hosentasche und zerknitterte Noten im Portemonnaie – das soll gefälligst so bleiben, fordern «Cashless»-Gegnerinnen und Gegner, die das Bargeld nicht aus der Hand geben wollen. Zahlreiche Festivals fahren bereits mit der bargeldlosen Taktik und ernten jedes Jahr aufs neue Kritik dafür. Erst kürzlich wurden die Veranstalter des Luzerner Stadtfests für wegen der bargeldlosen Bezahlung in die Mangel genommen. Als Reaktion auf die Kritik führten die Veranstalter Wertbons, die via Barzahlung erhältlich sind, in das Angebot ein.

Ältere Menschen und Jugendliche werden ausgeschlossen

Die «Cashless»-Gegnerinnen und Gegner argumentieren, dass die bargeldlose Bezahlung nicht nur ältere Menschen, sondern auch Kinder und Jugendliche ausschliessen würden. Diese verfügten oftmals nicht über digitale Zahlungsmittel, heisst es beispielsweise. Studien in Deutschland zeigen, dass ausserdem die Mehrheit dem mobilen Bezahlen noch nicht trauen. Ganze 60 Prozent scheinen Sicherheitsbedenken zu haben, wie eine Studie des Branchenverbandes Bitkom zeigte.

Rechtlich erhält die «Cashless»-Strategie vom Bundesrat Rückhalt: Im Jahre 2018 schrieb dieser als Reaktion auf eine Interpellation, dass, solange die Veranstalter die potenziellen Käuferinnen und Käufer im Voraus in Kenntnis setzen, die Barbezahlung ausgeschlossen werden darf.

International ein Schlusslicht

In Ländern wie England, Schweden und China ist das Bargeld hingegen bereits Nebensache. Gemäss einer Studie des Beraters Boston Consulting macht das Bargeld nur noch etwa ein Prozent der schwedischen Wirtschaftsleistung aus. In Indien wird sogar bereits über die Abschaffung des Bargeldes diskutiert. Laut der Studie hinken Länder wie die Schweiz, Deutschland, Italien und Spanien in diesem Modernisierungsprozess hinterher. Laut einer Studie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aus dem Jahre 2020 sind besonders Personen aus der italienischsprachigen Schweiz, aus der Altersgruppe über 55 Jahre sowie aus Haushalten mit tiefen und mittleren Einkommen überdurchschnittlich bargeldaffin.

Weg mit Noten und Münzen

Trotz starkem Widerstand in der Schweiz scheint sich der Prozess jedoch in vielen Bereichen in Richtung «Cashless» zu bewegen. Wurden laut der ersten SNB-Umfrage im Jahr 2017 noch 70 Prozent der «unregelmässig getätigten» Zahlungen mit Bargeld beglichen, waren es 2020 nur noch 43 Prozent. Laut der Umfrage im Jahre 2020 ziehen sich die Verschiebungen vom Bargeld zu bargeldlosen Zahlungsmitteln in unterschiedlicher Intensität durch alle Bevölkerungsgruppen hindurch. Eine Mehrheit der Befragten geht zudem davon aus, dass der Trend hin zu verstärktem bargeldlosen Zahlen in den kommenden Jahren anhalten wird.

(zoe)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 20. Juni 2022 05:55
aktualisiert: 25. Juni 2022 08:32
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