«Schweiz Tipp»

Biken und Wandern auf den Spuren der Schmuggler

Manuel Wälti, 22. Juni 2022, 11:49 Uhr
In Livigno gibt es kilometerweise Wanderwege und Bike-Trails. Es sind Pfade mit einer speziellen Vergangenheit. Sie wurden nämlich von Schmugglern benutzt.
Früher Schmugglerpfad, heute Bike-Trail: Die Pfade in Livigno könnten viele Geschichten erzählen.
© Getty Images

Livigno liegt mitten in den Alpen der Lombardei in der Nähe zur Schweizer Grenze. Der beliebte Wintersportort war früher ein sehr armes Bergdorf. Bis in die 50er Jahre war das Tal im Winter monatelang von der Aussenwelt abgeschnitten. Erreichen konnte man es über die verschneiten Pässe nur mit dem Pferd oder zu Fuss.

Im Dorf gab es viele junge Männer, die sich ihr Guthaben etwas aufbessern wollten. Zum Beispiel mit Schmuggeln. Der örtliche Kaufmann lieferte die Waren und die jungen Burschen trugen es bei Dunkelheit über die Grenze in die Schweiz.

Früher wurden über diese Pfade Zigaretten und Kaffee geschmuggelt.

© zVg

Die jungen Schmuggler («Contrabbandieri») mussten sich aber gewaltig anstrengen: Zigaretten, Zucker, Kaffee, manchmal Alkohol, wurden auf eine «Bricolla», einem Holzgestell,  gestapelt. Diese waren meistens um die 30 Kilo schwer. Die Schmuggler packten ihr Bündel auf den Rücken und trugen sie in der Nacht über den Berg.

Schmuggler erhielten «göttliche» Hilfe

Wurden sie doch mal von den Grenzwächtern geschnappt, bekamen sie Hilfe von ungewohnter Stelle, nämlich vom findigen Dorfpfarrer Don Alessandro Parenti. Er war der Überzeugung: Die Dorfbewohner seien so arm, dass sie auf das Schmuggeln aus Überlebensgründen nicht verzichten könnten. Und ausserdem seien die Grenzen menschengemacht, nicht von Gott gegeben, also könne er als Pfarrer den Schmuggel nicht verurteilen. Der Pfarrer war so berühmt, dass er später die Vorlage für die Romanfigur «Don Camillo» lieferte.

Heute ist Livigno ein Zollausschlussgebiet der EU. Das heisst: Benzin, Alkohol, Zigaretten, Parfüms sind in Livigno von Zollabgaben und Mehrwertsteuer befreit. Sie sind aus diesem Grund viel billiger als in Rest-Italien oder in der Schweiz. Touristen decken sich deshalb gern mit allem Möglichen ein. An der Hauptstrasse von Livigno reiht sich Shop an Shop.

Im Sommer und Herbst kommen die Touristen zum Wandern, Biken, Bergsteigen und Shoppen, im Winter für Ski und Snowboard (115 km Pisten), Langlauf (30 km Loipen), Schneeschuhwandern oder Schlitteln. Das schneesichere Tal von Livigno auf rund 1800 Metern wird wegen den umliegenden Dreitausendern auch «Klein Tibet» genannt.

Quelle: ArgoviaToday / Travelcontent
veröffentlicht: 22. Juni 2022 15:34
aktualisiert: 22. Juni 2022 15:34
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