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Fragen und Antworten

Booster, Kinder, Langzeitfolgen: Das musst du über Corona-Impfungen wissen

René Rödiger, 27. Oktober 2021, 20:23 Uhr
Die Booster-Impfung ist in der Schweiz für Personen ab 65 Jahren zugelassen. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es noch keine Impfempfehlung. Wir haben dir die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung zusammengestellt.
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Quelle: TeleM1

Booster-Impfungen

Was ist eine Booster-Impfung?
Beim Booster handelt es sich um eine Auffrischimpfung. Eine solche gibt es bereits bei einigen anderen Impfungen, gegen das Coronavirus kann sie ebenfalls nötig werden. Betroffen sind insbesondere jene Menschen, die trotz doppelter Impfung keinen genügenden Impfschutz (Antikörper) aufbauen können.

Wer bekommt die Booster-Impfung?
In sehr seltenen Fällen können Personen, vor allem ältere und solche mit Vorerkrankungen, trotz doppelter Impfung schwer am Coronavirus erkranken und sogar sterben. Für diese Personen könnte eine Booster-Impfung nötig werden.

Wann kommt die Booster-Impfung?
Der Antrag für die Zulassung wurde in der Schweiz im September eingereicht. Swissmedic hat am Dienstag das OK gegeben. Zugelassen und empfohlen ist die Impfung derzeit nur für Personen über 65 Jahren und für Risikogruppen.

Wieso dauerte die Zulassung so lange? Immerhin sind die Impfstoffe von Moderna und Pfizer/Biontech schon länger zugelassen.
Diese Impfstoffe waren nur für die zweimalige Anwendung zugelassen. Bei der dritten Dosis handelt es sich um eine neue Anwendung und musste deshalb erneut geprüft werden. Dazu mussten die Pharmafirmen erneut Unterlagen und Studien einreichen.

Gibt es schon Erfahrungen mit Booster-Impfungen?
Im «New England Journal of Medicine» sind Daten zu Auffrischungsimpfungen aus Israel erschienen. Laut diesen gibt es nach einem Booster-Shot sehr deutlich weniger Infektionen und schwere Erkrankungen. In der Schweiz wurden ebenfalls bereits dritte Impfungen verabreicht, gut 7700 Personen haben einen solchen Booster vor der Zulassung erhalten. Es handelt sich um Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist.

Impfungen für Kinder

Ok. Aber was hat es mit der Impfung für Kinder auf sich?
Laut den Pharmaunternehmen ist ihr Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren sicher und wirksam. In der Schweiz ist er jedoch erst ab zwölf Jahren zugelassen. Bis hierzulande ein Impfstoff gegen Corona für Kinder unter zwölf zugelassen werden wird, dürfte es noch dauern, die Rede ist von Anfang 2022.

Brauchen Kinder überhaupt eine Impfung? Die haben doch kaum schwere Verläufe.
Das stimmt. Aber es geht hier vor allem darum, die Infektionsketten zu unterbrechen. Sind Kinder zum Beispiel an Schulen geimpft, bringen sie das Virus weniger stark unter den Rest der Bevölkerung, da man sich mit einer Impfung weniger schnell ansteckt. Ausserdem schützt die Impfung auch das Kind vor seltenen schweren Verläufen, dem PIMS-Syndrom (Multi-Organversagen) oder Long Covid.

Hat es nicht bei Moderna Probleme bei der Impfung von Jugendlichen gegeben?
Ja, in Schweden und Dänemark wurde die Impfung mit Moderna bei jüngeren Menschen ausgesetzt. Es gab Hinweise, dass es ein erhöhtes Risiko für Herzmuskelentzündungen geben könnte. Bei der Absetzung handelt es sich um eine Vorsichtsmassnahme. Die Mehrheit der Betroffenen erkrankte jedoch nur leicht und erholte sich schnell wieder. Noch immer geht man davon aus, dass die Vorteile der Impfung die Risiken überwiegen.

Langzeitfolgen und Nebenwirkungen

Es gibt halt noch keine Studien zu Spätfolgen der Impfung.
Weltweit wurden fast 7 Milliarden Impfdosen verabreicht. Bisher sind keine ungewöhnlichen Nebenwirkungen aufgetreten. Bei Impfstoffen würden diese Nebenwirkungen innert Stunden, einigen Tagen oder höchstens wenigen Wochen auftreten. Und siehe da: Es gibt keine Langzeitfolgen.

Aber die könnten doch auch Jahre später auftreten?
Nein. Impfstoffe lösen eine immunologische Reaktion aus. Danach ist Schluss, sie sind nicht mehr im Körper. Sie verändern auch keine DNA oder so.

Das war aber bei Pandemrix gegen die sogenannte Schweinegrippe 2009 oder bei der Pockenimpfung in den 1970er Jahren anders.
Das stimmt nicht ganz. Bei Pandemrix trat die Narkolepsie innert weniger Wochen oder bis vier Monate später auf. Man bemerkte diese Nebenwirkung einfach erst später, weil man den Zusammenhang spät erkannte. Das gilt auch bei der Pockenimpfung und der Gehirnhautentzündung. Bei der Corona-Impfung hätte man einen Zusammenhang längst erkannt, schliesslich wurden schon über viel längere Zeit viel mehr Menschen damit geimpft und die Nebenwirkungen analysiert.

Ich habe aber von diesem Fall gelesen, bei dem jemand kurz nach der Impfung verstorben ist.
Menschen sterben. Es gibt übrigens auch ganz viele Todesfälle bei Menschen, die erst einen Impftermin hatten. Dass es Menschen gibt, die Stunden, Tage oder Wochen nach der Impfung sterben, ist Zufall und passiert nun mal, wenn man Milliarden von Menschen impft.

Es gibt halt schon viele gefährliche Nebenwirkungen bei der Impfung.
In der Schweiz gibt es bisher fast 3000 Meldungen von schwerwiegenden Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung. Ob bei all diesen Meldungen auch wirklich ein Zusammenhang mit der Impfung selbst besteht, ist dabei noch nicht geklärt. So gab es in seltenen Fällen eine Entzündung des Herzmuskels, meistens konnte diese gut behandelt werden. Die Zahl der gemeldeten Nebenwirkungen ist im Vergleich der verabreichten Impfdosen klein.

Klein?
Ja. Machen wir doch einen Vergleich. Die Wahrscheinlichkeit einer Blutverklumpung nach einer Corona-Impfung liegt bei 1:123'000 (beim Impfstoff von Astrazeneca, der in der Schweiz deshalb auch nicht zugelassen ist). Bei Aspirin kommt es in einem von 10'000 Fällen zu einer schwerwiegenden Blutung, zum Beispiel einer Hirnblutung. Das ist einiges gefährlicher. Bei praktisch jedem Medikament, das man im Badezimmerschrank hat, gibt es häufigere und gefährlichere Nebenwirkungen als bei einer Corona-Impfung. Und: Die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung und Langzeitschäden ist bei einer Corona-Erkrankung noch viel höher als bei einer Impfung.

Der Impfstoff

Wie konnte der Impfstoff so rasch entwickelt werden?
Die verschiedenen Phasen der klinischen Studien wurden parallel und nicht nacheinander durchgeführt (Quelle). Es gab sehr rasch viele Freiwillige für Studien. An mRNA-Impfstoffen wird schon seit Jahrzehnten geforscht. Swissmedic hat die Daten laufend überprüft und nicht erst, nachdem alle Studien abgeschlossen waren. Es gibt also ganz viele Gründe, wieso es so rasch ging. Mangelnde Sicherheit oder Sorgfalt gehören nicht dazu.

Geimpfte können sich trotzdem mit dem Virus infizieren.
Ja, das stimmt. Keine Impfung dieser Welt ist zu 100 Prozent wirksam. Die Infektionen bei geimpften Personen sind aber meist mild und kurz. Nur ganz selten kommt es zu einem schweren Krankheitsverlauf.

Wieso steigt denn die Zahl der geimpften Covid-Patienten auf den Intensivstationen?
Da immer mehr Personen geimpft sind, nimmt natürlich auch der Anteil der Geimpften in den Spitälern zu. Die Gesamtanzahl der Infektionen geht jedoch zurück. Wenn 100 Prozent der Personen im Auto Sicherheitsgurte tragen, hatte auch plötzlich jeder tödlich verunfallte Autoinsasse einen Sicherheitsgurt an. Das heisst nicht, dass die Gurte nicht funktionieren. Es gibt insgesamt weniger tödliche Unfälle.

Hast du noch weitere Fragen? Schreib sie uns in die Kommentare und wir beantworten sie in einem nächsten Artikel.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Oktober 2021 06:05
aktualisiert: 27. Oktober 2021 20:23