Umfrage zeigt

Darum stressen uns die Ferien während Corona

18. August 2021, 06:20 Uhr
Corona nervt – und diesen latenten Dauerstress scheinen wir auch in den Ferien nicht ablegen zu können. Das zeigt zumindest eine jüngst veröffentlichte Umfrage einer grossen deutschen Krankenkasse. Warum ist das so und was hilft gegen Stress im Urlaub?
Studie zeigt: Jede und jeder fünfte Deutsche nicht erholt von den Ferien.
© Getty

Die Sehnsucht nach Sonne und Strand, danach, den Corona-Stress zuhause abzulegen, ins Flugzeug zu steigen und einfach zu vergessen, dass wir uns noch immer mitten in einer Pandemie befinden, ist gross. Anders als im letzten Sommer stand es dieses Jahr dank Impfung deutlich besser um die Ferien am Strand. Aber: Der Entspannungsmodus setzt nicht bei allen ein. Das zeigt das Ergebnis des Urlaubsreports 2021 der DAK-Gesundheit.

Demnach hat sich in diesem Sommer jede und jeder fünfte Deutsche nur wenig oder gar nicht erholt. Der Hauptgrund für die fehlende Entspannung ist die Unfähigkeit abzuschalten, wie ebenfalls aus der Umfrage klar wird. Auf Platz zwei der Negativliste stehen mit 31 Prozent gescheiterte Reisepläne wegen der Corona-Krise; über schlechtes Wetter klagen 23 Prozent der Befragten und 21 Prozent hatten im Urlaub Stress mit der Familie oder Freunden. Auch interessant: 88 Prozent der Befragten empfinden es als wichtig, sich auch in den Ferien an die Corona-Massnahmen zu halten; das sind fünf Prozent weniger als letztes Jahr.

Die Umfrage wurde in Deutschland durchgeführt aber: «In der Schweiz würden die Ergebnisse wohl ähnlich ausfallen», sagt der Psychologe Thomas Spielmann. «Beim Reisen während Corona entsteht zusätzlicher, oft nicht voraussehbarer Stress.» Dabei würden zwei Aspekte besonders ins Gewicht fallen: Die Unsicherheit und die Ungewissheit, die beim Reisen während der Pandemie zusätzlich anfallen.

So wisse man oft bis kurz vor der Abreise nicht, ob es die epidemische Lage überhaupt zulasse,  in ein anderes Land reisen zu können, welche Vorschriften wo gelten und wie sich die Situation allgemein entwickelt. Zudem sei bei vielen die Angst grösser, im Ausland zu erkranken als zuhause. Spielmann fasst zusammen: «Konstante Unsicherheit ist für den Menschen belastender als eine schlechte Gewissheit.»

Eine entspannte Mehrheit  

Und nun zur guten Nachricht: Die Mehrheit der Deutschen (81 Prozent) konnte die Ferien geniessen - dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent gesteigert. Die meistgenannten Gründe für einen gelungenen Urlaub lassen sich mit 81 Prozent auf die Sonne und die Natur am Urlaubsort zurückführen.

Ebenfalls aus der Umfrage geht hervor, dass deutlich mehr Frauen (acht Prozent) als Männer (drei Prozent) die Ferien überhaupt nicht geniessen konnten. Auch das wundert den Psychologen nicht. Er nennt zwei wesentliche Erklärungen dafür: Seit Beginn der Pandemie mieten insbesondere Familien mit kleinen Kindern vermehrt ein Ferienhaus, statt ins Hotel zu gehen. «Und wer hat da in der Regel die Verantwortung für die Kinder, den Haushalt und das Essen?», fragt Spielmann suggestiv und beantwortet die Frage im gleichen Atemzug: «Die Mütter.»

Zudem können Frauen gemäss Spielmann vernetzter denken und sind oft verantwortungsbewusster im Umgang mit der Pandemie – mögliche Risiken oder Gefahren würden sie daher oft näher an sich ran lassen.

Stressfreier Urlaub trotz Corona? Das geht!

Aber was kann man tun, um trotz Covid-Zertifikat, unsicherer epidemiologischer Lage und der Angst vor einer Infektion den Urlaub zu geniessen? «Reist nicht zu weit weg, bleibt in der Schweiz», so der Psychologe. Im eigenen Land sei man vertrauter mit der Sprache, den Bestimmungen und der Kultur. Wenn man es aber nicht lassen kann, ins Ausland an den Strand zu reisen, rät Spielmann: «Bereitet euch gut vor und geht gar nicht erst mit der Erwartung in die Ferien, entspannt wieder zurückzukommen.»

(noë)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 18. August 2021 06:20
aktualisiert: 18. August 2021 06:20
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