Nisthilfe für Wildbienen

Das brauchst du für ein Bienenhotel

Joelle Maillart, Maarit Hapuoja, 7. Mai 2022, 13:00 Uhr
Naturnaher Gartenbau und Biodiversität sind im Trend. Der Balkon oder der Garten soll grün und lebendig sein. Zu den beliebten Projekten gehört auch ein Bienenhotel. Willst du dir auch eines zu tun, musst du allerdings ein paar Dinge beachten.

Wildbienen lassen deinen Garten neu aufleben. Willst du die kleinen gelbschwarzen Insekten anziehen, musst du das Heim am richtigen Ort platzieren, gut pflegen und Gefahren vorbeugen. Ungeeignete Materialien und Bauweisen können den Bienen nämlich schaden.

Karma lässt grüssen

Mit einem Bienenhotel hilfst du der Natur ein Stück weit. Auch wenn es mehr eine schöne Geste sei, habe so ein Häuschen auch etwas Positives, sagt Sabine Oertli, Biologin und Wildbienenspezialistin, aus Wiesendangen: «Das Beobachten von einem Bienenhotel kann das Verständnis und das Bewusstsein, dass man diese Arten unterstützen muss, fördern.»

Damit werde die Notwenigkeit von Schutzmassnahmen im grösseren Rahmen, also der gesamten Natur, verständlicher. «In unserer intensiv genutzten und ausgeräumten Landschaft gibt es für Wildbienen nur noch wenig natürliche Nistplätze, wie zum Beispiel herumliegendes Totholz oder Stängel von abgestorbenen Pflanzen. Die Bienenhotels sollen hier als Ersatz dienen», so Oertli.

Wähle das passende Material

Wie bei den Menschen ist auch für Wildbienen die Bauart und die Ausstattung ihres Zuhauses wichtig. Die angebotenen Häuschen in Baumärkten seien oft von ungenügender Qualität. «Holz mit Bohrlöchern muss aus Hartholz bestehen – Eiche, Buche, Esche und nicht aus Fichte oder Tanne. Die Bohrlöcher müssen sauber sein, ohne vorstehende Fasern, damit sich die Wildbienen nicht verletzen», sagt die Fachfrau.

Zudem sollten die Löcher einen Durchmesser zwischen drei und zehn Millimeter haben, vorne eine saubere Schnittfläche, nicht zerquetscht und im hinteren Teil verschlossen sein.

Auch wenn Glasröhrchen zur Beobachtung der Nistaktivitäten im Inneren praktisch sind, solltest du darauf verzichten. Diese lassen Wasserdampf durch und verpilzen möglicherweise die Wildbienenbrut in den Röhrchen.

Der passende Roomservice

Montieren solle man Bienenhotels an einem vor Regen geschützten, aber sonnigen Ort. Am besten gegen Süden bis Südosten ausgerichtet. Wichtig sei, dass man die Häuschen das ganze Jahr im Freien lasse und im Winter nicht reinnehme. « Sonst schlüpfen die Larven, da sie von der Wärmeumstellung meinen, das Frühling ist», so die Biologin.

Die Pflege besteht darin, dass bei Bedarf defekte Stängel oder Röhrchen ausgetauscht werden. Nicht aus allen Nestern schlüpfen Bienen, die Brut könne auch einmal absterben. Um solche Löcher zu identifizieren, kann man mit Farbmarkierungen arbeiten und so erkennen, ob sich etwas verändert.

Biete Schutz und Futter 

Allgemein sei das Anbringen von Bienenhotels nur sinnvoll, wenn auch für ausreichend Nahrung, wie Wald oder Blumenwiese, in der Umgebung gesorgt sei. Ansonsten kann man sich auch Wildpflanzen auf dem Balkon oder der Terrasse anpflanzen.

Damit sich die Wildbienen in ihrem Zuhause sicher fühlen, kann ein Netz um die Nisthilfe angebracht werden. So sind sie vor Fressfeinden wie Vögel geschützt. So ein nettes Häuschen lockt aber auch mal andere Insekten, wie Spinnen, Wespen oder Ameisen, an. Für Sabine Oertli ist in dem Fall klar: «Die stören nicht. Es ist ja auch wichtig, solche Insektenarten zu schützen.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 7. Mai 2022 13:02
aktualisiert: 7. Mai 2022 13:02
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