Bundesrat

Das Ende der Maskenpflicht ist so gut wie sicher

Vroni Fehlmann, 30. März 2022, 16:16 Uhr
Am Mittwoch berät der Bundesrat erneut über die Corona-Lage. Schon vor über einem Monat hat er per Ende März die Rückkehr in die normale Lage in Aussicht gestellt. Doch lässt das die aktuelle Situation überhaupt zu?
Die Schutzmaske ist immer seltener Pflicht – wer will, darf sie aber weiterhin tragen.
© KEYSTONE/TI-PRESS/ELIA BIANCHI

Schon die Lockerungen von Mitte Februar liessen viele aufatmen: Die Zertifikatspflicht wurde abgeschafft, die Maskenpflicht wurde auf wenige Institutionen und den ÖV beschränkt. Auch die Quarantäne entfiel – ein grosser Schritt Richtung normales Leben. Doch wegen der hohen Fallzahlen und der Isolationspflicht während fünf Tagen kämpfen noch immer viele Unternehmen mit Personalmangel. Gibt ihnen der Bundesrat nun mehr Spielraum? Am Mittwoch trifft er sich wieder zu einer Sitzung. Schon im Februar hatte er angekündigt, dass die aktuellen Massnahmen nur noch bis Ende März gelten, also noch bis Donnerstag. Danach soll auch die Task Force aufgelöst werden. Bedingung war, dass sich die Lage nicht verschlechtert.

Doch die hohen Fallzahlen sind nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Spitäler nicht überlastet sind, genauer genommen die Intensivstationen. Und das ist aktuell der Fall. Ein Blick auf die Daten des BAG zeigt: Die Zahl der laborbestätigten Hospitalisationen ist am Sinken.

Die Zahl der Hospitalisationen sinkt.

© BAG

Auch die Intensivstationen haben noch Kapazität. Zwar sind in den Kantonen Freiburg, Solothurn, Zürich, Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen über 80 Prozent der Betten belegt, jedoch handelt es sich beim Grossteil der Patienten auf den Intensivstationen nicht um Covid-Erkrankte. Ein Beispiel: Im Kanton Zürich sind von 185 Betten noch 25 frei. 44 Betten sind durch Covid-Patientinnen und -Patienten belegt, 116 durch andere Hospitalisierte. Lediglich im Kanton Solothurn überwiegt die Zahl der Covid-Erkrankten auf der Intensivstation. Allerdings gibt es hier nur 15 Betten, acht davon sind von Corona-Patientinnen und -Patienten belegt.

Die Zahlen zeigen also: Die Rückkehr in die normale Lage wäre möglich. Experten gehen deshalb auch davon aus, dass die Maskenpflicht im ÖV nun fallen wird. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie in Gesundheitseinrichtungen wie Pflegeheimen beibehalten wird, um vulnerable Personen zu schützen. Sie machen noch immer den Grossteil der Corona-Hospitalisationen aus.

Die Zahlen des BAG zeigen: Die meisten Hospitalisationen betreffen Menschen über 80 Jahre.

© BAG

Nicht ganz so klar sind die Meinungen bei der Isolationspflicht. Grundsätzlich gilt: Wer krank ist, bleibt zu Hause. Ob jedoch asymptomatische Personen unter Umständen die Isolation verkürzen oder umgehen können, dürfte ein zentraler Diskussionspunkt des Bundesrats werden. Mitte Februar hatte Gesundheitsminister Alain Berset angekündigt, dass die Isolation bis Ende März gelte. Dies aufgrund einer Prognose: «Wir gehen davon aus, dass alle Menschen, die in der Schweiz leben, bis Ende März irgendwie mit dem Virus in Kontakt gekommen sind», sagte Berset damals. Ob dies tatsächlich schon der Fall ist, muss der Bundesrat nun entscheiden.

Geplant ist auch, dass auf Freitag von der besonderen in die normale Lage übergegangen wird. Danach wären die Kantone für Massnahmen zuständig. Firmen könnten selbständig Schutzmassnahmen erlassen. Natürlich darf auch jeder und jede, der oder die möchte, weiterhin eine Hygienemaske tragen. Das gilt schon heute in Läden oder an Veranstaltungen und wird auch genutzt.

Bundesrat muss nichts tun, um Massnahmen aufzuheben

Die meisten Kantone rechnen mit der Aufhebung der Masken- und Isolationspflicht. Einige haben deshalb bereits reagiert. So hat zum Beispiel der Kanton Aargau am 11. März angekündigt, die Krisenorganisation per 1. April aufzuheben und Angebote zu reduzieren. Gleichzeitig bedeutet ein Ende der einschneidendsten Massnahmen nicht auch ein Ende des Virus. Experten rechnen mit einer neuen Welle im Herbst. Deshalb bereiten sich die Kantone auch jetzt schon darauf vor. So dürfte beispielsweise eine erneute Auffrischimpfung zum Thema werden.

Entscheiden muss der Bundesrat an seiner Sitzung eigentlich nicht. Greift er nicht ein, endet die besondere Lage wie vorgesehen und damit kann er auch keine Isolations- oder Maskenpflicht mehr verordnen. Derzeit deute alles darauf hin, dass der Bundesrat die Massnahmen nicht verlängere, schreibt das «SRF». Klar sein wird dies jedoch erst nach der Bundesratssitzung. Gemäss dem «Blick» plant der Bundesrat am Mittwoch tatsächlich schon viel weiter. Demnach soll er bereits mögliche Szenarien für den Herbst ausarbeiten, die dann den Kantonen vorgeschlagen werden. Damit will er verhindern, dass die Schweiz eine neue Corona-Welle verschläft und die Kantone rasch reagieren können.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 30. März 2022 05:52
aktualisiert: 30. März 2022 16:16
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