Fachkräftemangel Detailhandel

«Die grösste Schwierigkeit ist, Metzger für die Theke zu finden»

Maarit Hapuoja, 5. Januar 2023, 10:28 Uhr
Keine neuen Lehrlinge, viele Abgänge und unbefriedigende Arbeitsbedingungen. Im Detailhandel fehlen die Fachkräfte – die Branche muss reagieren. Nun wird über kürzere Öffnungszeiten und die Schliessung von Fleischtheken diskutiert.
Anzeige

Das vergangene Jahr war das Jahr der grossen Krisen – auch für den Detailhandel. Viele Produkte waren nicht mehr lieferbar, alles wurde teurer und man musste sich um ausreichend Energie für den Winter fürchten. Der Schweizer Detailhandel hat sich aber erstaunlich gut halten können, die Spätfolgen der Pandemie sind dennoch spürbar. Die Umsätze im Schweizer Detailhandel sind im Jahr 2022 wieder gesunken. Dies geht aus einer Studie der Credit Suisse und des Beratungsunternehmens Fuhrer & Hotz hervor.

Mangelnder Nachwuchs und fehlende Brancheneintritte

Der Personalmangel bleibt für den Detailhandel ein grosses Problem, die Rekrutierungsschwierigkeiten seien «überdurchschnittlich», sagte Meret Mügeli, Detailhandelsspezialistin der Credit Suisse am Mittwoch bei der Präsentation der Studie.

«Ursachen finden sich in den erhöhten Branchenabgängen, die nicht durch die Brancheneintritte kompensiert werden können. Branchenaustritte werden besonders durch die unbefriedigenden Arbeitsbedingungen angetrieben», sagt Mügeli. In der Studie ist zudem festgehalten, dass insbesondere Lehrlinge im Detailhandel schwierig zu finden seinen.

Die Rekrutierungsschwierigkeiten führen zu allfälligen Anpassungen im Geschäft: Jetzt diskutieren grosse Händler über verkürzte Öffnungszeiten und Einschränkungen bei den bedienten Theken in Supermärkten, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet.

Martin Hotz des Beratungsbüros Fuhrer & Hotz erklärt gegenüber «SRF»: «Die grösste Schwierigkeit ist derzeit, in Supermärkten Chefmetzger für die Theke zu finden.» Dabei sei die bediente Fleischtheke ein Profilierungsfaktor für jeden Supermarkt.

Im Moment sind die Theken noch da

«Der Nachwuchsmangel bei den Metzgerinnen und Metzgern ist leider Realität», sagt Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands, zur «Aargauer Zeitung». Gemäss seiner Schätzung werden im Jahr 2023 rund 250 bis 300 ausgebildete Fleischfachleute fehlen  – etwa die Hälfte des Bedarfs.

Noch habe man bei Migros und Coop keine Theken schliessen müssen. Die Migros spricht aber von «Mehrbelastungen» wegen fehlenden Personals, Coop hat einige Stellen für die Fleischtheke ausgeschrieben.

Problem bleibt

Der Fachkräftemangel dürfte für den Detailhandel bestehen bleiben. Wie die Branche darauf reagieren will, weiss sie laut CS-Studie noch nicht. Wichtig seien bessere Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungsmöglichkeiten und die richtige Führungskultur.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 5. Januar 2023 10:29
aktualisiert: 5. Januar 2023 10:29