Medienkonferenz BAG

«Die Vermeidung von Schulschliessungen hat oberste Priorität»

4. Januar 2022, 17:08 Uhr
Rund zwei Drittel der Corona-Ansteckungen gehen derzeit bereits auf die Omikron-Variante zurück. Die Experten des Bundesamtes für Gesundheit haben am Dienstag über die aktuelle Lage informiert. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.
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Quelle: CH Media Video Unit / Katja Jeggli

Was kommt mit der Omikronwelle auf uns zu?

In den kommenden Wochen rechnet Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit einer starken Zunahme der Spitaleintritte in Zusammenhang mit Covid-19, allerdings nicht unbedingt mit höherer Belegung auf den Intensivstationen. Der Grund: Die Omikron-Variante führe nach bisherigen Beobachtungen zu weniger schweren Krankheitsverläufen. Die relative Stabilität bei der Zahl der Spitaleinweisungen aufgrund einer Coronavirus-Infektion ist nach Einschätzung des BAG wohl nur ein vorübergehendes Phänomen. Man rechne mit mehr Hospitalisationen in den kommenden Wochen.

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Welche Altersgruppe ist bei den Ansteckungen am stärksten betroffen?

Zusammen mit Frankreich, Dänemark, Spanien und Grossbritannien gehöre die Schweiz zu jenen Ländern in Europa mit den höchsten Corona-Fallzahlen. Die 20- bis 29-Jährigen bildeten dabei die am stärksten durch Infektionen betroffene Gruppe.

Sind Masken in den Schulen überhaupt nötig?

Alain Di Gallo von der COVID-19-Science-Taskforce erläutert, dass Kinder stark von der Omikron-Welle getroffen sein werden. Die Verhinderung von erneuten Schulschliessungen habe die höchste Priorität. Deshalb sollen an Schulen die Massnahmen strikt eingehalten werden. Dazu gehören unter anderem repetitive Tests, gutes Lüften und das Tragen von Masken.

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Drohen weitere Massnahmen?

Die Frage einer Journalistin, ob die derzeitigen Massnahmen vor diesem Hintergrund ausreichten, beantwortete Mathys nicht direkt. Man könne Verschärfungen nicht ausschliessen, sagte er. Zugleich verwies Mathys darauf, dass die Schweiz schon heute ein gutes Stück weiter wäre, würden längst bekannte Regeln wie Abstand halten, Maske tragen oder Kontakte reduzieren von allen konsequent eingehalten.

Kommt es dank Omikron zu einer Herdenimmunität?

Theoretisch schon. Aber Mathys warnt, das Prinzip einer Durchseuchung wäre nur sehr schwer kontrollierbar.

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Quelle: CH Media Video Unit / Katja Jeggli

Sind Grossveranstaltungen wie Skirennen überhaupt noch durchführbar?

Grossveranstaltungen sind nach Ansicht des BAG in der gegenwärtigen Lage grundsätzlich problematisch. «Von jedem solchen Anlass geht ein Risiko aus», sagte Patrick Mathys.

Angesprochen auf die bevorstehenden Ski-Weltcuprennen in Adelboden und Wengen im Berner Oberland und die jüngsten Absagen in der Eishockey-Meisterschaft betonte Mathys, er hoffe, dass solche Veranstaltungen weiterhin stattfinden könnten.

Wie sieht die Situation in den Spitälern aus?

Der starke Anstieg der Neuansteckungen mit dem Coronavirus schlägt sich zwar bei den Hospitalisationen noch nicht nieder. Trotzdem führt die Omikron-Variante zu einer zusätzlichen Belastung des Gesundheitswesens. Grund seien Personalausfälle in den Spitälern, wenn Mitarbeitende in Isolation oder in Quarantäne müssten, sagte VKS-Präsident Rudolf Hauri.

Werden die Fallzahlen noch weiter ansteigen?

«Die Fallzahlen sind sehr hoch», betonte der Zuger Kantonsarzt. Und man müsse damit rechnen, dass diesmal die Festtage einen weiteren Anstieg nach sich ziehen würden – anders als im Vorjahr. Man sehe, dass wegen Omikron zunehmend auch Geimpfte infiziert würden oder ins Spital müssten, so Hauri weiter.

Macht ein Flickenteppich bei den Quarantäneregeln Sinn?

Bei den Quarantäneregeln bemühen sich die Kantone gemäss Hauri um möglichst einheitliche Regelungen. Die jüngsten Anpassungen führten auch zu einer leichten Entlastung bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten – dem sogenannten Contact Tracing. Denn es habe sich gezeigt, dass Infizierte zunehmend schwer erreichbar seien.

In den vergangenen Tagen hatten die meisten Kantone nicht nur die Quarantänedauer von zehn auf sieben Tage verkürzt, sondern auch Ausnahmen für Personen eingeführt, die keinen engen Kontakt zu Infizierten hatten und nicht im gleichen Haushalt leben.

Wie verlässlich sind die Coronatests bei der Omikron-Variante?

Bei einem negativen Corona-Test-Ergebnis ist Vorsicht geboten, weil dieses nicht zu hundert Prozent zuverlässig ist. «Positiv» hingegen bescheinigt immer eine Ansteckung mit dem Coronavirus, sagte Mathys. Zwei Drittel der Neuansteckungen würden derzeit von der hochansteckenden Omikron-Variante verursacht.

(sda/red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. Januar 2022 16:41
aktualisiert: 4. Januar 2022 17:08
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