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Abstimmungen

Fast 70 Prozent unterstützen «Ehe für alle»

20. August 2021, 06:21 Uhr
Rund sieben Wochen vor der Abstimmung stehen die Chancen der «Ehe für alle» gut: Wäre Anfang August abgestimmt worden, hätten sich gemäss einer Umfrage 69 Prozent für die Vorlage ausgesprochen.
Liebe kennt keine Grenzen – das sehen 69 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer gemäss Hochrechnung auch so.
© (KEYSTONE/Christian Beutler)

Einen schwereren Stand dürfte die «99-Prozent-Initiative» haben. Zwar wäre die Initiative «Löhne entlasten, Kapital gerecht besteuern» der Jungsozialisten am 7. August mit 46 Prozent knapp angenommen worden, wie die erste Welle der SRG-SSR-Trendbefragung durch das Forschungsinstitut gfs.bern zeigt, die am Freitag veröffentlicht wurde. Doch gleichzeitig sprachen sich 45 Prozent der Befragten gegen die Vorlage aus.

Im Normalfall verlieren Initiativen im Verlaufe des Abstimmungskampfes an Zustimmung. Gleichzeitig waren zum Zeitpunkt der Befragung 9 Prozent noch unentschieden, was gemäss gfs.bern ein «verhältnismässig hoher Anteil ist».

Diese Wählerinnen und Wähler neigten am Schluss des Meinungsbildungsprozesses eher dem Nein zu. Eine Initiative aber, die aus einer Minderheitsposition in den Abstimmungskampf starte, habe «wenig Erfolgschancen», schreibt gfs.bern.

Klare Mehrheit für «Ehe für alle»

Deutlicher präsentieren sich gemäss der Umfrage die Verhältnisse bei der Abstimmung über die Änderung des Zivilgesetzbuches, mit der die «Ehe für alle» - unabhängig vom Geschlecht oder der sexuellen Orientierung - ermöglicht werden soll. 69 Prozent der Befragten hätten vor rund zwei Wochen dafür bestimmt, nur gerade 29 Prozent äusserten sich dagegen, 2 Prozent waren unentschieden.

Die Zustimmung ist vor allem bei den Parteien links der Mitte sehr hoch, mit 94 Prozent bei den Grünen und 92 Prozent bei der SP. Aber auch politisch rechts davon gibt es klare Mehrheiten - ausser bei der SVP. So hätten die Sympathisantinnen und -Sympathisanten der Mitte mit 63 Prozent Ja gestimmt, diejenigen der FDP mit 67 Prozent und diejenigen der GLP mit 88 Prozent.

In Bezug auf die Pro-Argumente ist die «Ehe für alle» für 72 Prozent der Befragten ein «überfälliger Schritt in Richtung Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare». 65 Prozent finden, dass auch gleichgeschlechtliche Ehepaare Kinder adoptieren dürfen, weil Fürsorge keine Frage der Familienform sei.

SVP und Freikirchen dagegen

Opposition kommt von Angehörigen christlicher Freikirchen und der SVP. Aber auch bei den Anhängerinnen und Anhängern der Volkspartei sind die Gegner der «Ehe für alle» mit 50 zu 49 Prozent nur knapp in der Mehrheit. Klar ist die Ablehnung hingegen bei den «anderen christlichen Glaubensgemeinschaften» mit 76 Prozent, während sich sowohl die Reformierten (66 Prozent) als auch die Katholiken (67 Prozent) für die Vorlage aussprechen.

Zwar könne eine Ablehnung der Vorlage noch nicht ganz ausgeschlossen werden, weil die Vorlage das Potenzial habe, noch zu polarisieren, schreibt gfs.bern. Trotzdem dürfte «im Normalfall der Meinungsbildung» die Ehe für alle am 26. September deutlich angenommen werden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 20. August 2021 06:05
aktualisiert: 20. August 2021 06:21