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Wegen Recherche

Geharnischter Brief – Kroatien attackiert das SRF

13. Oktober 2021, 07:20 Uhr
Kroatien attackiert das Schweizer Fernsehen aufgrund eines Beitrags in der Rundschau über sogenannte Push-Backs von Flüchtlingen. Gemäss der Recherchen des SRF würden Flüchtlinge an der kroatischen Grenze zurückgeschoben. Das würde gegen die Genfer Flüchtlingskonvention und gegen das EU-Recht verstossen.
Eine SRF-Recherche über Push-Backs von Flüchtlingen nach Bosnien veranlasste die kroatische Botschafterin in der Schweiz zu einem geharnischten Brief
© KEYSTONE/Peter Schneider

Die SRF-Sendung Rundschau berichte irreführend, voreingenommen und verbreite eigene Wahrheiten, schreibt die kroatische Botschafterin in der Schweiz Andrea Bekić nun in einem Brief, der dem Tagesanzeiger vorliegt.

Implizit wirft sie SRF sogar vor, sich an einer politisch motivierten Kampagne gegen Kroatien zu beteiligen, berichten Tamedia-Zeitungen. Die Rundschau weist die Beschuldigungen als absurd zurück. Das Schreiben beinhalte klare Falschaussagen, und die Tonalität sei irritierend, wird «Rundschau»-Redaktionsleiter Mario Poletti zitiert.

Gemäss Recherchen der Rundschau zusammen mit ARD, Spiegel und weiteren Journalistinnen und Datenspezialisten, werden Migranten an der EU-Aussengrenze in Kroatien zurückgetrieben. Die Rundschau zeigte Aufnahmen von kroatischen Polizisten, die Flüchtlinge und Migranten mit Schlagstöcken traktierten und sie wieder nach Bosnien zurückschickten.

Dabei gilt: Wer an einer Grenze um Schutz ersucht, darf nicht zurückgewiesen werden ohne Möglichkeit, ein Asylgesuch zu stellen. Das würde gegen die Genfer Flüchtlingskonvention und gegen das EU-Recht verstossen. Unter anderem sagt eine Afghanin in dem Bericht, sie sei geschlagen und wieder ausgeschafft worden, zudem sei ihr Mobiltelefon gestohlen worden.

Die Sendung wurde bereits letzte Woche ausgestrahlt.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 13. Oktober 2021 06:27
aktualisiert: 13. Oktober 2021 07:20