Schweiz

Handwerker im Haus bringen Kundschaft oft in Verlegenheit

«Wo soll ich hin?»

Handwerker im Haus bringen Kundschaft oft in Verlegenheit

12.01.2023, 17:11 Uhr
· Online seit 12.01.2023, 13:53 Uhr
Viele Kundinnen und Kunden wissen nicht, was mit sich anzufangen, sind Handwerkerinnen und Handwerker zu Besuch. Auf Tiktok fragen sie sich etwa, ob sie zugucken oder reden müssten. Vorsicht geboten ist laut einem Verband beim Fragenstellen.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

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Ist etwas in der Wohnung oder im Haus kaputt, wollen wir den Schaden lieber heute als morgen repariert haben. Doch so dringend Handwerkerinnen und Handwerker gefragt sind, so unwohl fühlen sich ihre Kundinnen und Kunden offenbar, während diese in den eigenen vier Wänden herumwerkeln.

In verschiedenen Tiktok-Videos demonstrieren Userinnen und User, was sie in diesen Situationen tun oder denken (siehe Video oben).

Tausende Fragen

«POV: Wenn du Handwerker zuhause hast und nicht weisst, wohin du oder was du machen sollst», schreibt Tiktokerin Sabrina Lina Bottesi in ihrem Video. Dabei stellt sie ihr Verhalten in Form eines Alpakas nach, das leicht verlegen und misstrauisch zugleich hinter dem Türrahmen hervorguckt.

In Videos mit dem Titel «Wenn du einen Handwerker zuhause hast ...» zeigen Userinnen und User, welche Fragen ihnen durch den Kopf gehen. «Wo soll ich hin? Vielleicht braucht er Hilfe? Muss ich mit ihm reden?», lauten diese etwa. Einige fragen sich aber auch: «Was ist, wenn er was klaut?»

«Als wäre man fremd in seiner eigenen Wohnung»

Zahlreichen Userinnen und Usern kommt die Situation bekannt vor, wie unzählige Kommentare zeigen. So schreiben einige, sie hätten gedacht, die Einzigen zu sein, die so fühlten. Eine Userin beschreibt es so: «Das Gefühl, als wäre man fremd in seiner eigenen Wohnung.» Eine weitere berichtet, sich «direkt irgendwie unwohl und unbeholfen» zu fühlen.

«Boah immer. Ich steh dann doof rum und guck durch die Gegend», platzt es aus einer Userin heraus. Eine Leidensgenossin verrät: «Ich räume dann immer sinnlos was auf.» Andere Betroffene greifen zu speziellen Methoden. Jemand kommentiert: «Hab 20 Minuten meinen Hund gestreichelt.» Eine Userin schreibt: «Habe einfach mal random angefangen, Knöpfe nach Farben zu sortieren und dabei Kaffee getrunken.»

Einige Leidensgenossinnen und Leidensgenossen sind der Meinung, dass man sich über sein Verhalten nicht weiter den Kopf zerbrechen muss, sofern man einen Kaffee angeboten hat und nachher verschwindet.

Bedürfnisse müssten klar kommuniziert werden

Welches Verhalten wünscht sich zum Beispiel der Elektroinstallateur von der Kundschaft? Die Today-Zentralredaktion hat bei EIT.Swiss nachgefragt, dem Verband der Elektrobranche.

Wichtig sei, dass die Kundschaft ihre Bedürfnisse klar kommuniziere, sagt Michael Tschirky, Präsident von EIT.Swiss. «So kann die Kundin den Handwerker zum Beispiel darauf hinweisen, dass er die Schuhe ausziehen oder Überzieher anziehen soll». Dann führe die Kundschaft die Handwerkerin oder den Handwerker zum Arbeitsort und erläutere das Problem wie zum Beispiel die Reparatur eines Geräts oder einer Installation.

Einige störe es nicht, andere würden nervös

Manche Kundinnen und Kunden verschwinden danach, andere gucken den Profis über die Schulter. Was ist besser? «Wenn die Kundschaft den Handwerkerinnen und Handwerker bei der Arbeit zuschauen möchte, wäre es gut, wenn sie diese fragt, ob das in Ordnung geht», sagt Tschirky. Einige Handwerkerinnen und Handwerker arbeiteten lieber in Ruhe und erklärten der Kundschaft danach, was genau sie gemacht hätten. «Einige stört es überhaupt nicht, wenn die Kundschaft bei der Arbeit zuschaut, andere werden nervös.»

Vorsichtig sollte die Kundschaft aber beim Fragenstellen sein. Es gebe Arbeiten, bei der die Profis höchst konzentriert arbeiten müssten, erklärt Tschirky. Dies sei etwa bei einer Störungssuche der Fall. «Zu viele Fragen können die Konzentration der Handwerkerinnen und Handwerker stören. In solchen Fällen ist es besser, sie in Ruhe arbeiten zu lassen und sich die Arbeit danach erklären zu lassen.»

Kaffee anbieten oder nicht?

Mit einem Kaffee braucht auch niemand aufzuwarten, um als höflich zu gelten. «Nein, Handwerkerinnen und Handwerker erwarten nicht, dass man ihnen etwas zu trinken anbietet», sagt Tschirky. «Sollten sie ihnen aber etwas zu trinken anbieten, dann wird das sehr geschätzt.»

Weitere Tipps für den Handwerkerbesuch gibt es hier.

veröffentlicht: 12. Januar 2023 13:53
aktualisiert: 12. Januar 2023 17:11
Quelle: Today-Zentralredaktion

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