Experten-Einschätzung

Impfstoff gegen Omikron-Mutation wohl erst ab Herbst – bringt's das noch?

1. Februar 2022, 20:05 Uhr
Die Impfstoffhersteller Biontech und Moderna arbeiten momentan an einem spezifischen Impfstoff gegen die Omikron-Mutation. Doch: Kommt dieser nicht zu spät? Wir haben beim Immunologen des Kantonsspitals Aarau nachgefragt.
Die Impfung gegen Omikron soll erst ab Herbst in der Schweiz verfügbar sein.
© Keystone/DPA/MORITZ FRANKENBERG

Die Corona-Neuinfektionen steigen schweizweit immer weiter an. Verbreiten tut sich momentan vor allem die Omikron-Variante. Zwar hilft der Corona-Impfstoff auch gegen die schlimmsten Folgen der Mutation, Moderna und Pfizer/Biontech arbeiten aber trotzdem an einem spezifischen Impfstoff (ArgoviaToday berichtete). Laut Christoph Fux, Immunologe am Kantonsspital Aarau, könnte es jedoch noch eine Weile dauern, bis dieser in der Schweiz zum Einsatz kommt.

Omikron-Impfung könnte erst im Herbst kommen

Impfstoffhersteller, in diesem Fall Moderna und Pfizer/Biontech, sind in der Lage, innerhalb von sechs Wochen einen Impfstoff gegen eine neue Virus-Mutation herzustellen. Trotzdem soll laut Fux der neue Impfstoff erst ab Herbst in der Schweiz verabreicht werden können: «Dieser muss zuerst getestet und für gut befunden werden. Erst dann erfolgt der Antrag auf eine Zulassung.» Wo und wann ein Zulassungsantrag gestellt wird, entscheidet der Anbieter basierend auf dem epidemiologischen Verlauf. «Im Frühling ist die Omikron-Welle bei uns Geschichte. Damit wird die Schweiz wohl nicht erste Priorität für eine Zulassung haben», erklärt Fux. Zum Einsatz würde der spezifische Impfstoff also erst in Erwartung einer weiteren Welle mit Beginn der kalten Jahreszeit kommen, um Personen mit Risikofaktoren zu schützen. Lohnt es sich also überhaupt, sich mit dem neuen Impfstoff piksen lassen?

Obwohl es noch einige Zeit dauern könnte, bis der Omikron-Impfstoff in der Schweiz verabreicht werden kann, sei dieser notwendig, so Fux: «Wir dürfen nicht vergessen, dass Omikron zwar selten, aber eben auch schwerste Lungenschädigungen verursachen kann, die einen Patienten an die Beatmungsmaschine bringen.» Die derzeit verabreichte Impfung biete guten Schutz vor der Mutation. Wie lange dieser aber anhält, sei ungewiss. Es sei durchaus denkbar, dass der Schutz nach einer spezifischen Omikron-Booster-Dosis länger anhalten würde.

Leute werden immer impfmüder

Mittlerweile sind die Aargauerinnen und Aargauer nach zwei Corona-Impfungen und einem Booster allerdings impfmüde geworden. Das bestätigen auch die Zahlen, denn diese sind laut Fux «förmlich eingebrochen». Dabei gebe es Tausende, deren Geimpft-Zertifikat wegen der Verkürzung der Gültigkeit von 12 auf 9 Monate nun abläuft. Dass die Zertifikatspflicht verschwindet, darauf deutet bisher noch nicht viel hin. Das hatte Bundesrat Alain Berset bei seinem Besuch in Aarau am vergangenen Freitag im Hinblick auf Reisen ins Ausland bereits klargemacht. BAG-Experte Patrick Mathys bliess an der Medienkonferenz am Dienstag ins gleiche Horn: Trotz des ausgebliebenen «Omikron-Tsunamis» solle man es mit der Aufhebung der 2G-Zertifikatspflicht nicht zu eilig haben. "Die Aufhebung von Massnahmen heisst automatisch auch eine Zunahme des Infektionsgeschehens.» Über den Sinn einzelner Massnahmen müsse man aber natürlich diskutieren.

(ova/mbr)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 2. Februar 2022 06:06
aktualisiert: 2. Februar 2022 06:06
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