Gefährlicher Trend

Influencer werben in den sozialen Medien für Trinkmahlzeiten

27. Januar 2022, 16:14 Uhr
Von Schokolade bis Kaffee, alle Geschmäcker sind bei den Trinkmahlzeiten vertreten. Ein Lächeln zaubern diese vor allem den Influencerinnen und Influencer ins Gesicht, welche in den sozialen Medien für die flüssigen Nahrungsmittel werben. Doch wie gesund ist dieser neue Trend wirklich?
Mit solchen Posts wird in den sozialen Medien für Trinkmahlzeiten geworben.
© Instagram/yfood

Wenn man im Stress ist, dann muss es am Mittag schnell gehen. Lange in der Küche stehen und eine ausgewogene Mahlzeit zu brutzeln liegt oft nicht drin. Lieber geht man schnell in einen Laden und kauft sich etwas, dass man am besten auch noch rasch und unkompliziert verzehren kann. In der heutigen Zeit scheint für viele eine Flüssignahrung für dieses Problem die Lösung zu sein. Das Gute daran ist, dass diese Flüssigmahlzeiten auch so gut wie alle Nährstoffe beinhalten, die der Körper braucht. Mit diesem Nahrungsersatz werben auch Influencerinnen und Influencer in den sozialen Medien. Doch wie gesund ist es wirklich, sich aus Flüssignahrungsmittel zu ernähren? Experten sehen diesen Trend als eher kritisch an.

«Wir haben Zähne, um zu beissen.»

Erdbeere, Vanille oder Schokolade. Jede Menge dieser Trinkmahlzeiten sind in Onlinestores und in Lebensmittelläden erhältlich. Besonders bekannt wurden aufgrund der sozialen Medien Brands wie Huel, Drink Mana, yfood und Saturo Foods, doch der Markt wächst immer weiter. Trotz des grossen Angebots sind diese Trinkmahlzeiten, nicht zu empfehlen, wie Beatrice Conrad-Frey, BSc Ernährungsberaterin, erklärt. Zwar sind flüssigen Mahlzeiten in der Medizin seit langem bekannt, Menschen, welche keine körperlichen Beschwerden haben, sollten jedoch die Finger davon lassen oder sie nur selten konsumieren: «In der Medizin werden die benötigten Nährstoffe mit den Trinkmahlzeiten gezielt eingesetzt. Ein Produkt aus dem Onlineshop kann das nicht», so Conrad-Frey.

Weshalb man die Finger lieber von dem Mahlzeiten-Ersatz lassen sollte, erklärt Philipp Schütz, Chefarzt Allgemeine Innere und Notfallmedizin am KSA: «Eine Ernährung sollte ausgeglichen sein. Dies mit einer physischen Zusammensetzung aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweissen, sowie Fasern, Mikronährstoffen und Vitaminen und Flüssigkeit.» Eine einseitige Ernährung, welche über längere Zeit von diesen Prinzipien abweicht, bringt gefahren, dass wichtige Nährstoffe fehlen. Längerfristig kann dies sogar ungesund sein.

So kann eine ausschliessliche Ernährung durch Flüssignahrung zu Zahnproblemen wie Karies führen oder sogar den Verdauungstrakt beeinflussen. Doch auch Heisshungerattacken kann eine Flüssigernährung herbeiführen: «Wir haben Zähne, um zu beissen. Nicht um flüssige Nahrungsmittel zu uns zu nehmen. Die müssen etwas zu tun bekommen.»

«Essen ist mehr als nur eine Nährstoffaufnahme.»

Neben den körperlichen Folgen kann es laut Conrad-Frey aber auch zu sozialen und psychologischen Problemen kommen: «Essen ist mehr als nur eine Nährstoffaufnahme. Wenn wir Essen, dann machen wir das meistens im Beisein von anderen Personen. Fällt das weg, dann fehlt uns der soziale Kontakt.» Zudem kommt, dass man in den Mittagspausen von der Arbeit abschalten sollte. Und wie kann man das besser, als während dem Essen?

Ausserdem enthalten die Trinkmahlzeiten oft auch Inhaltsstoffe, welche alles anderer als klimaneutral sind. So beispielsweise Kokosfett.

Trend bringt grosse Risiken mit sich

Wenn es eine Influencerin oder ein Influencer hat, dann muss ich das auch haben. Das denken sich laut Conrad-Frey viele Personen, vor allem diejenigen in einem jungen Alter. «Es ist mit mehreren Studien belegt, dass sich vor allem Jüngere von den sozialen Medien beeinflussen lassen. Diese verstehen meist nicht, dass die Influencer Werbung für ein Produkt gegen Bezahlung machen.» Oft führt dieses Verhalten der Influencerinnen und Influencer zu Diäten, welche laut Conrad-Frey alles andere als hilfreich sind: «Diäten machen dick oder führen zu Essstörungen. Mann muss seine Ernährung umstellen, dass man an sein Ziel kommt.»

(mbr)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 30. Januar 2022 06:43
aktualisiert: 30. Januar 2022 06:43
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