Nachhaltigkeit

Ist der Fisch bei Coop und Migros wirklich nachhaltig?

Maarit Hapuoja, 22. Februar 2022, 11:29 Uhr
Laut einer Studie sind nur drei Prozent der Fischprodukte in den grössten Lebensmittelläden der Schweiz nachhaltig. Denn ihr Siegel MSC erfüllt die Nachhaltigkeitskriterien nur ungenügend.
Das Preisschild an der Fischtheke einer Coop-Filiale weist auf MSC-Fisch hin. Doch das Siegel täuscht
© Keystone/Christian Beutler

Die Migros wirbt mit dem Slogan «Ohne Bedenken einkaufen - Bei uns können Sie guten Gewissens Fisch essen.» Konkurrent Coop verspricht, dass sie das Fisch-Sortiment «zu 100 Prozent aus nachhaltigen Quellen» führt. Damit wiegen Coop und Migros die Kundschaft jedoch in falsche Sicherheit. Eine studentische Arbeit des Centre for Development and Environment der Universität Bern zeigt auf, dass nur etwa drei Prozent des Fischsortiments von Coop und Migros die Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen.

Migros und Coop promoten «nachhaltigen» Fisch

Die beiden grossen Unternehmen Migros und Coop stützen sich in ihrer Nachhaltigkeitsbewertung hauptsächlich auf das von WWF und Unilever gegründete Siegel MSC. Das führende Label übergeht jedoch die Kriterien der Fischbestandsuntersuchungen und der Prüfung von Fangmethoden. So zertifiziert MSC etwa die Fischerei mit Grundschleppnetzen, obwohl sie massiven Schaden am Bodenökosystem anrichtet und enormen Beifang generiert, wie ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Tierschutzorganisation fair-fish zeigt.

Auch der Einsatz von Langleinen ist bei MSC erlaubt, bei dem Fische je nach Leinenlänge eine Stunde bis viele Stunden lang am Haken hängend durchs Wasser geschleppt werden. Zudem werden Fischbestände nicht lokal untersucht, sondern über grössere Fanggebiete und teils auch über Fischereimethoden beurteilt. Zusammengefasst bedeutet das: MSC schneidet bei der genauen Nachhaltigkeitsbewertung schlecht ab. Aus diesem Grund können auch die Strategien von Coop und Migros bezüglich Fisch aus Wildfang nicht als nachhaltig gelten.

Überfischung nimmt zu

In der Fischzucht gelten bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit und der anschliessenden Vergabe eines Labels Regeln. In der Fischerei hingegen ist das nicht so einfach, wie der Tierschutzverein fair-fish in seinem Bericht festhält. Geringste Standards verursachen grosses Leid und die Anzahl betroffener Tiere ist riesig. Seit Beginn der industriellen Fischerei sind 90 Prozent der grossen Raubfische aus dem Meer verschwunden, und die globalen Fischbestände wurden um 80 Prozent dezimiert. Spätestens seit der Netflix-Doku «Seaspiracy» erreichte die Überfischung grössere Aufmerksamkeit.

Auch wenn weltweit keine einheitlichen Nachhaltigkeitskriterien für Fisch aus Wildfang existieren, stechen in der Arbeit der Universtität Bern zwei zentrale Punke heraus, auf welche sich Organisationen und wissenschaftliche Artikel beruhen: Erstens, der Zustand des Fischbestands und zweitens, die Auswirkungen der Fangmethoden auf das Ökosystem und andere Spezies.

Was darf man noch kaufen?

Wer weiterhin Fisch essen, dabei aber sicher nur nachhaltige Produkte auf dem Teller haben möchte, der fängt diesen am besten selbst. Denn der mit der Angel gefangene Fisch kommt in Bezug auf Nachhaltigkeit natürlich am besten weg. Strategien, welche die Verbindung von Fangmethoden und Nachhaltigkeit ignorieren, sind in Anbetracht des heutigen Wissensstands nicht mehr tragbar. Es gilt also, die Versprechen von Nachhaltigkeit und gutem Gewissen gründlich zu überdenken, wenn man Fisch bei Coop und Migros einkauft.

Bist du selber ein fleissiger Fischer? Hier gehts zum Fischtest von fair-fish.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 16. Februar 2022 14:47
aktualisiert: 22. Februar 2022 11:29
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