Verurteilt

Lehrerin ohrfeigt Schüler zweimal – sie darf weiterhin unterrichten

Corinne Bürki, 21. Januar 2023, 19:01 Uhr
An einer Schule in Lengnau bekam ein 13-Jähriger von seiner Lehrerin zwei Ohrfeigen, weil er zu viel Lärm machte. Eine Anzeige der Mutter des Schülers folgte. Nun wurde die Frau verurteilt, darf aber weiterhin unterrichten. Die Schule hat eine Stellungnahme abgegeben.

Quelle: Tele M1

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An der Kreisschule Surbtal in Lengnau hat im letzten November eine Lehrerin einen 13-jährigen Schüler mit zwei Ohrfeigen bestraft, weil dieser beim Auftrag, etwas auszumessen, zu viel Lärm machte.

Direkt nach dem Vorfall hat die Lehrerin die Mutter des Jungen angerufen und ihr davon erzählt. Als diese ungläubig nachfragte, habe die Lehrerin mit «was hätten sie in dieser Situation getan? Sie hätten ihm sicher auch eine Ohrfeige gegeben», geantwortet, berichtet das Tele M1.

Daraufhin hat die Mutter des 13-Jährigen Anzeige gegen die Lehrperson erstattet. Mittlerweile wurde diese rechtskräftig wegen mehrfacher Tätlichkeit zu einer Geldstrafe von über 1000 Franken verurteilt.

Die verurteilte Lehrerin darf weiter unterrichten

Markus Wopmann ist ehemaliger Leiter der Kinderschutzgruppe am Kantonsspital Baden und kämpft seit Jahren gegen Gewalt in der Erziehung. «Es ist sozial auch einfach nicht mehr akzeptiert, dass eine Lehrperson physische oder verbale Gewalt anwenden darf oder soll», erklärt er.

Dennoch hat er Verständnis dafür, dass die Lehrerin ihrem Beruf nach wie vor nachgehen darf: «Ich gehe jetzt mal davon aus, dass es die erste Fehlhandlung war. Denn sonst dürfte sie in der Schule auch nicht mehr beschäftigt werden. Damit schätze ich das Wiederholungsrisiko als sehr sehr gering ein, weil diese Frau permanent unter Beobachtung steht – bei den Schülern und den Eltern.»

Kontaktaufnahme scheiterte

Warum die Frau wegen einer einfachen Ruhestörung die Kontrolle verloren hat, bleibt auch nach dem Strafbefehl weiterhin unklar. Kontaktversuche seitens Tele M1 blieben ohne Erfolg. Die Kreissschule Surbtal antwortete mit einer Stellungnahme: «Der Vorfall wurde unverzüglich den Erziehungsberechtigten gemeldet, ebenso wurde die Schulleitung, die vorgesetzten Schulbehörden und die Schulsozialarbeit informiert und involviert. Unsere Priorität ist es, dem betroffenen Jugendlichen möglichst schnell einen geregelten Schulalltag zu bieten und eine weitere Eskalation zu vermeiden, was aus unserer Sicht auch gelang. Schulintern wurden kurz- und langfristige Massnahmen aufgegleist.»

Corinne Bürki
Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 21. Januar 2023 18:56
aktualisiert: 21. Januar 2023 19:01