Daniel Koch

«Mister Corona» blickt auf zwei Jahre Pandemie zurück

Maarit Hapuoja, 16. März 2022, 09:23 Uhr
Daniel Koch hat die Ausbreitung und Wahrnehmung der Pandemie massgebend beeinflusst. Vor zwei Jahren, am 16. März 2020, rief der Bundesrat die ausserordentliche Lage aus. Wie denkt der pensionierte Daniel Koch heute über Corona? Seine Antworten im Interview.
Daniel Koch war zu Beginn der Pandemie Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim Bundesamt für Gesundheit.
© Keystone
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Daniel Koch fällt es nicht leicht, zu beschreiben, wie er an das einschneidende Datum 16.03.2020 zurückdenkt: «Intensiv wurde es, als wir entscheiden mussten, dass Geschäfte und Restaurants schliessen müssen. Es war aber nicht ganz der Anfang für uns». Der ehemalige Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» beim Bundesamt für Gesundheit hatte sich über zehn Jahre täglich mit Epidemien befasst. Corona war beim Experten ein grosses Thema, schon bevor dies in der Bevölkerung zu solch einem wurde.

Viel Aufmerksamkeit

Als Corona in der Schweizer Bevölkerung präsenter wurde, wurde diese auch auf neue Exponenten der Gesundheitsbranche aufmerksam. Plötzlich wurde das BAG viel bekannter. Plötzlich trat Kochs Abteilung ins Rampenlicht. Und plötzlich kannten alle den Mister Corona: Daniel Koch.

Die starke öffentliche Präsenz sei für ihn gewöhnheitsbedürftig gewesen, aber am Anfang hätte er das gar nicht so gemerkt. «Wir waren sehr beschäftigt und mussten entscheiden, welche Massnahmen wir treffen und wie weit wir gehen. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Leute nicht wie in Frankreich eingeschlossen werden», so Koch.

Eine Kunst, die richtigen Massnahmen zu erlassen

Koch war es wichtig, der Bevölkerung die persönliche Freiheit zu lassen, sich zu bewegen und nur die zwingend nötigend Massnahmen zu ergreifen. Mit der schnellen Auflösung fast aller Massnahmen im Februar – zu der Zeit als Koch bereits eine Weile pensioniert war – sei er definitiv einverstanden gewesen. «Es ist eine Kunst, nur diese Massnahmen aufrechtzuerhalten, die absolut nötig sind. Ich denke die Schweiz ist mehr oder weniger einen guten Weg gegangen», so der Epidemie-Experte.

Daniel Koch klingt zufrieden und bestätigt, dass es ihm gut gehe. «Ich habe mich impfen und boostern lassen und mich hat das Virus auch mal erwischt. Ich habe wohl damit das durchgemacht, was die allermeisten Schweizerinnen und Schweizer auch erlebt haben», sagt Mister Corona. Er beschäftige sich heute noch stark mit dem Coronavirus, da er häufig für Vorträge angefragt werde und «am Ball bleiben möchte».

Ein Ende in Sicht?

Bereits in der Anfangsphase der Pandemie sagte Koch, dass die Pandemie zwei Jahre später vorbei sein werde. Ob wir nun wirklich an diesem Punkt sind? «Wir sind noch nicht ganz am Ende, aber es sieht relativ gut aus», sagt Koch. Da lag er mit seiner Aussage von 2020 also gar nicht mal so falsch.

Daniel Koch mit seinen Hunden auf dem Titelblatt der «Schweizer Illustrierten».

© Schweizer Illustrierte

Das wahrscheinlichste Szenario für die Entwicklung des Virus sei, dass es sich «wie ein anderes Erkältungsvirus etabliert und am Anfang eine Erkrankung noch mit Fieber und Schnupfen verbunden ist», sagt der pensionierte Arzt. Dann aber würde es sich mit der Zeit zu einem gewöhnlichen Schnupfenvirus entwickeln. Offiziell ist die Pandemie dann vorbei, wenn die WHO das Ende erklärt.

Pandemien kommen und gehen und vorbereiten könne man sich nicht gut. «Es wird auch bei einem nächsten Mal zu unschönen Überraschungen kommen, das liegt in der Natur der Sache. Aber wir müssen jetzt untersuchen, was gut und weniger gut gelaufen ist und so unsere Lehren ziehen».

Die Situation in China beschäftigt

Koch mache sich nun etwas Sorgen um den asiatischen Raum. «Wir haben im Moment keine Möglichkeit, das Virus so zu eliminieren, dass es nicht zirkulieren wird.» Laut dem Epidemiologen wäre es gut, wenn China die Strategie ändern würde. Das Ziel sollte sein, auf die Existenz des Virus richtig zu reagieren.

Man sieht: Koch ist auch nach seiner Pensionierung noch voll in der Materie. Und wenn du ein schlechtes Gewissen hast, dass du zwischendurch abschalten musstest und nichts mehr von Corona wissen wolltest, weg damit! Auch Mister Corona gönnt sich ab und zu eine Auszeit: «Ich mache auch immer wieder ein paar Tage frei, an denen ich sage, ich schaue praktisch nichts an.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 16. März 2022 07:01
aktualisiert: 16. März 2022 09:23