Unfall oder Absicht?

Pfeilbogen-Schuss verletzt Rentner bei Spaziergang in Sempach

Sven Brun, 17. November 2022, 20:00 Uhr
Während eines Spaziergangs in Sempach am vergangenen Dienstag wurde Willy Baumeler von einem Pfeil getroffen. Der Schütze habe womöglich auf seine Hündin Nora gezielt, dabei jedoch seine Wade getroffen, meint der Luzerner Rentner. Der 76-Jährige wurde verletzt ins Spital gebracht und notfallmässig operiert.

Quelle: TeleM1

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Am vergangenen Dienstagnachmittag spazierte der Neuenkircher Willy Baumeler wie gewohnt mit seiner Hündin Nora im Sempacher Allmendwald. Als er seine Route fast beendet hatte, spürte er aus dem Nichts einen starken, stechenden Schmerz. «Ich war etwa 100 bis 150 Meter von meinem Auto entfernt. Plötzlich gab es einen Chlapf und ich hatte einen Pfeil in meiner linken Wade», sagte der fassungslose Rentner im Gespräch.

«Wie der Blitz versuchte ich dann, den Pfeil aus meiner Wade zu reissen», erklärt Baumeler. Der Schütze hätte sich etwa 15 Meter neben der Waldstrasse, hinter einem Gebüsch versteckt. «Er hatte eine gelbe Kappe und einen Tarnanzug an. Auch ein langes Messer hatte er angehängt. Er sah so ‹gfürchig› aus mit seinem Kampfanzug und dem modernen, grossen Pfeilbogen.» Baumeler hätte dann dem Schützen zugerufen: «Chom före, ech gse dech scho!» Der Schütze sei dem Rentner hinterhergelaufen. Baumeler drehte sich um und konnte, wohl vollgepumpt mit Adrenalin, ein Foto vom Schützen machen.

Dieses Bild schoss Willy Baumeler vom Schützen.

© zVg

Mit Müh und Not sei Baumeler zu seinem Auto gelaufen. «Ich war einfach froh, dass er mir nicht zu nahe kam. Ich hatte grosse Schmerzen und panische Angst.» Mit letzter Kraft habe er seine Hündin Nora im Kofferraum in Sicherheit gebracht und die Polizei angerufen. «Dann wurde mir schwarz vor Augen und ich konnte mich nicht mehr an alles genau erinnern.»

Unfall oder Absicht?

Dass es sich beim ganzen um einen Unfall handeln könnte, kommt für Willy Baumeler nicht in Frage. «Der Schütze hat auf meine Hündin Nora und mich gezielt. Es kann ja nicht sein, dass jemand mitten im Wald einen Pfeil in Richtung Fussgängerweg schiesst. Das ist sicherlich kein Zufall!» Seine Jack Russel-Hündin Nora würde stets sehr nahe bei ihm laufen. «Womöglich zielte er auf Nora, traf dann aber meine Wade.»

Auf Anfrage von PilatusToday und Tele 1 sagt die Luzerner Polizei, dass man sich aufgrund von laufenden Ermittlungen momentan nicht konkret zum Vorfall äussern könne. «Das Opfer und der Schütze sind uns bekannt», sagt Mediensprecher Urs Wigger. Die Staatsanwaltschaft wird nun entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet wird.

Baumeler nimmt sich einen Anwalt

Willy Baumeler wurde am Dienstagabend notfallmässig im Spital Sursee operiert. Er stehe noch immer unter Schock, meint er. «Ich muss dauernd an diesen Typen denken. Ich habe diese Bilder vor mir, wie er aus dem Gebüsch herauskommt.» Dennoch: Baumeler ist der Meinung, er und seine Hündin hätten Glück im Unglück gehabt:

Nun konzentriere er sich auf seine Heilung. «Das Bein wird sicher wieder gut», gibt sich Baumeler positiv gestimmt. Am Donnerstagnachmittag konnte er das Spital verlassen. «Jetzt werde ich mir einen Anwalt nehmen und den Schützen auf Schmerzensgeld verklagen. Das lasse ich sicher nicht auf mir sitzen.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 17. November 2022 17:07
aktualisiert: 17. November 2022 20:00