Stress vor den Prüfungen

Psychologische Beratungsstellen an Hochschulen bemerken Nachfrage-Anstieg

6. Mai 2022, 16:50 Uhr
Viele Studierende stecken momentan mitten in den Vorbereitungen für die Prüfungsphase. Doch nicht alle Studierenden kommen gleich gut damit klar. Neben dem hohen Druck macht ihnen auch der Stress zu schaffen.
Studierende kämpfen vor den Prüfungen oft mit grossem Stress.
© Keystone/dpa/Uwe Anspach

Steigender Druck und viel Stress vor den Prüfungen. Dass Studierende angespannt sind, spüren auch die psychologischen Beratungsstellen an den Hochschulen. Mehrere Unis und Fachhochschulen bestätigen gegenüber ArgoviaToday, dass die Nachfrage nach ihren internen Angeboten kurz vor den Prüfungen jeweils zunimmt.

«Studierende holen sich meist zu spät Hilfe.»

In der Regel melden sich rund 3 Prozent der Studierenden an der ZHAW bei der psychologischen Beratungsstelle. «Dies entspricht in etwa dem Durchschnitt, wie bei den anderen Hochschulen in der Deutschschweiz auch», wie Natasha Pochetti, Mediensprecherin der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sagt. Vor allem in den letzten paar Jahren soll die Nachfrage zugenommen haben. «Dies kann mehrere Gründe haben, so beispielsweise die steigende Anzahl der Studierenden.» Die Gründe für das Aufsuchen einer psychologischen Beratung sind vielfältig. Sie gehen von privaten Angelegenheiten bis hin zu Anliegen im Zusammenhang mit dem Studium. Häufig geht es um Stresssymptome wie Herzrasen, Kreislaufbeschwerden, Schweissausbrüche oder Konzentrationsstörungen.

Dass die Studierenden mit dem grossen Druck der Prüfungen nicht mehr zurechtkommen, bemerken einige eher spät, wie Stefanie Feuz, Leiterin der Beratungsstelle Berner Hochschulen, erzählt: «Diese Studierenden versuchen die Stresssituation zuerst lange selbst zu bewältigen und bemerken dann aber irgendwann, dass sie dazu professionelle Hilfe brauchen.» Weiter erzählt Feuz: «Zu dieser Zeit haben die Studierenden bereits das Messer am Hals und die Prüfungen stehen kurz bevor.»

Früh anfangen zu lernen

Wenn sich Studierende dazu entschieden haben, sich aufgrund des hohen Drucks und Stresslevels an die psychologische Beratungsstelle zu wenden, dann wird bei jedem Studierenden individuell nach einem Lösungsansatz gesucht. «Wir führen mit unseren Studenten zuerst ein Gespräch, um dem Problem auf den Zahn zu fühlen und wie sie den Stress abbauen können», so Pochetti. So können sie herausfinden, wie sie im Rahmen der aktuellen Möglichkeit für einen Ausgleich sorgen können. «Das kann mit Sport sein, Lernen zu zweit oder sonstigen Aktivitäten.» Wichtig sei es, dass die Studierenden sich in der nächsten Prüfungsphase früh genug hinter die Bücher setzen: «So kommt man gar nicht erst in die Stresssituation und hat genügend Zeit sich auf die Prüfungen vorzubereiten», wie Feuz erzählt. Hilfreich sei eine gute Planung der anstehenden Wochen: Wann lernt man was, wo kann man sich gut konzentrieren und wichtig sei es auch, Pausen zu machen.

Zeit gut einteilen

Ein weiterer Tipp, welcher die Universität Bern ihren Studierenden mit auf den Weg gibt, ist, dass man sich nicht überschätzt. «Neben einem Vollzeitstudium zu arbeiten, ist insbesondere in der Prüfungszeit oft mit erhöhter Belastung verbunden», so Feuz. Oftmals ist es laut Feuz der Fall, dass sich die Studentinnen und Studenten auch selbst einen grossen Druck machen: «In einer Hochschule ist es oft schwieriger eine gute Note zu schreiben, als noch in der Kantonsschule. Es wird viel mehr Selbständigkeit und Selbstorganisation verlangt und die Stoffmenge ist oftmals viel grösser.»

Grösseres Verständnis seit Corona

Die Toleranz gegenüber psychischen Problemen soll seit der Corona-Pandemie laut den Hochschulen stark zugenommen haben. «Dadurch, dass man vermehrt über die psychische Befindlichkeit, unter anderem wegen der ständigen Isolation während dem Distance Learning gesprochen hat, bekam man auch ein grösseres Bewusstsein dafür», so Feuz. Dies bemerkt man nicht nur bei den Studierenden, sondern auch bei den Dozierenden: «Sie achten sich darauf, wie es den Studierenden geht. Wenn ihnen auffällt, dass es einer Studentin oder einem Studenten über eine längere Zeit nicht gut geht, dann sprechen sie dies vermehrt an.» Die Beratungsstelle nimmt laut Feuz an den Berner Hochschulen in letzter Zeit ein erhöhtes Bewusstsein bezüglich der Wichtigkeit psychischer Gesundheit war.

(mbr)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 6. Mai 2022 08:17
aktualisiert: 6. Mai 2022 16:50
Anzeige