Hot Mission

Schweizer Kampfjets fangen Flugzeug ab – was wir über den Einsatz wissen

17. Juni 2022, 12:37 Uhr
Zwei Kampfjets der Schweizer Luftwaffe haben am Donnerstagabend mit Überschall ein Flugzeug abgefangen und zum Flughafen Zürich begleitet. Die Swiss-Maschine kam laut Medienberichten aus der kosovarischen Hauptstadt Pristina. Die Redaktion hat bei der Luftwaffe nachgefragt, wie es zu einem solchen Einsatz kommt und was dabei wichtig ist.
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Aufregung am Donnerstagabend in der Zentralschweiz: Zwei Kampfjets der Schweizer Luftwaffe fingen im Rahmen einer sogenannten «Hot Mission» ein laut Medienberichten aus Pristina kommendes Swiss-Flugzeug notfallmässig ab und begleiteten es anschliessend zum Flughafen Zürich. Wie die Kantonspolizei Zürich sagt, sei eine Drohung gegen den Ursprungsflughafen eingegangen. Da die Jets dabei sehr schnell sein mussten, machten die beiden F/A-18-Jets mit Überschallknallen auf sich aufmerksam.

Was ist passiert?

Die Schweizer Luftwaffe bekam von den zivilen Luftfahrtbehörden den Auftrag, das betreffende Flugzeug zu überprüfen, wie Armeesprecher Daniel Reist auf Anfrage der Today-Zentralredaktion sagt. Dies beinhaltete die Identifikation und Begleitung an den am besten geeigneten nächsten Flugplatz. Das Flugzeug landete schliesslich sicher auf dem Flughafen Zürich.

Warum kam es dabei zum Knall?

Fliegen mit Überschall bedeutet, dass die Fluggeschwindigkeit grösser als die Schallgeschwindigkeit ist. Dies ist bei rund 1200 km/h der Fall und wird als «Mach 1» bezeichnet. Nähert sich ein Kampfjet dieser Geschwindigkeit, kommt es zu Stosswellen an verschiedenen Teilen des Flugzeuges. Dadurch steigt der aerodynamische Widerstand erheblich an, bis die «Schallmauer» überwunden ist. Der Überschallknall ist die hörbare Auswirkung dieser Stosswelle.

Wo fand der Kontakt zwischen den Abfangjägern und dem Swiss-Flugzeug statt?

Im Grossraum Luzern. Also auch dort, wo die Überschallknalle gut zu hören waren.

Wie erreichte der Auftrag zur Hot Mission die Luftwaffe?

Der Auftrag gelangte direkt von den zivilen Luftfahrtbehörden an das Air Operation Center der Schweizer Luftwaffe in Dübendorf. Dieses löste dann den Start der beiden Kampfjets vom Militärflugplatz Payerne aus.

Video einer Luftpolizei-Übung der Luftwaffe im Jahr 2012.

Welche Handlungsoptionen haben Piloten in einer solchen Hot Mission?

Der Handlungsspielraum sei relativ gering und von der jeweiligen Mission abhängig, sagt Reist. Manchmal gehe es darum, das Flugzeug zu identifizieren, ein anderes Mal um eine technische Hilfeleistung. Etwa, wenn keine Funkverbindung besteht. Sollte sich bei der Überprüfung herausstellen, dass etwas Illegales vorliegt, kann es im Extremfall auch zum Waffeneinsatz kommen.

Welche Anforderungen stellt so ein Einsatz an die Piloten?

«Das ist ihr normales Handwerk», sagt Armeesprecher Reist. «Sie müssen gut und schnell reagieren können. Die Annäherung muss perfekt sein. Vor Ort müssen sie dann die Lage beurteilen und richtig handeln.»

Früher gab es gefühlt mehr Überschallknalle am Schweizer Himmel. Sind Kampfjet-Flüge seltener geworden?

Dieser Eindruck lässt sich zum einen darauf zurückführen, dass die Schweizer Luftwaffe heute über weniger Flugzeuge verfügt als früher. Zum anderen versuche die Armee mit Rücksicht auf die Lärmbelastung der Bevölkerung, möglichst wenig Überschallknalle zu produzieren, so Reist weiter. Es gebe aber immer wieder solche, die sein müssten. Zum Beispiel nach jeder grossen Wartung eines Flugzeugs oder beim Luftkampftraining.

(osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 17. Juni 2022 11:27
aktualisiert: 17. Juni 2022 12:37