Der Kritik gestellt

So hat sich Alain Berset in der «Arena» geschlagen

28. August 2021, 11:14 Uhr
Bundesrat Alain Berset hat sich am Freitagabend in der SRF-TV-Sendung «Arena» den kritischen Fragen von zwölf Personen aus der Schweizer Bevölkerung gestellt. Dabei ging es mehrheitlich gesittet zu, das Polizeiaufgebot im Voraus war trotzdem gross.

Quelle: SRF

Anzeige

So fand die Diskussion unter Polizeischutz statt. Vor und während der Sendung standen Elitepolizisten in Zivil der Zürcher Sondereinheit Skorpion im Einsatz. Zudem war in einer Nebenstrasse ein Einsatzwagen positioniert. Erwartet wurde, dass es zu Demonstrationen kommen könnte. Doch bei der Ankunft des Bundesrats Alain Berset zeigte sich ein anderes Bild. Der Gesundheitsminister wurde zwar von Personenschützern begleitet, musste sich jedoch nicht vor Attacken fürchten, sondern wurde um Autogramme gebeten.

Quelle: Pascal Ritter

In der Sendung hatten dann zwölf Personen Gelegenheit, Kritik an Berset zu üben und ihm kritische Fragen zu stellen. Dabei ging es um das Covid-Zertifikat, die Impfung sowie die präventive Corona-Tests, die kostenpflichtig werden.

Kein Verständnis für Ungeimpfte vom Experten

Beispielsweise warf Dominic Wächter, Beruf Metallbauer, dem Bundesrat ein faktischer Impfzwang vor, weil die Tests nun kostenpflichtig werden sollen. Berset entgegnete, dass die Impfung freiwillig bleibe und fragte: «Ist es zu einem Zeitpunkt, wo Zweidrittel der Erwachsenen geimpft sind, fair, wenn diese Kosten die Allgemeinheit berappen muss?»

Während der Bundesrat auf Vermittlung und Verständnis setzte, konnte sich einer nicht zurückhalten: der Infektiologe Huldrych Günthard der Universität Zürich, der als Experte in die Sendung eingeladen wurde. «Gerade von Leuten in Ihrem Alter haben wir sicher vier oder fünf derzeit im Spital, die verdammt krank sind», sagte er dem 37-jährigen Metallbauer, der sich nicht impfen lassen möchte. «Das ist etwas, was mir als Mediziner nicht in den Kopf geht!» Er habe deshalb wenig Verständnis für Leute wie ihn.

Kantone stehen in der Pflicht

Ein anderes Thema war der Schutz der Kinder vor Corona. Dort sieht Gesundheitsminister Alain Berset die Kantone in der Pflicht. Für die Schulen seien die Kantone zuständig. Der Bund habe klare Empfehlungen etwa für regelmässige Tests abgegeben, so der Bundesrat. Man solle flächendeckend in den Schulen regelmässig testen, so könne man Virus-Ausbrüche kontrollieren, sagte Berset am Freitagabend. Die Kantone müssten hier mehr tun. Die Empfehlung des Bundes sei klar. Wenn das Virus weniger zirkuliere, zirkuliere es auch weniger für Kinder unter 12 Jahren, die sich bislang nicht impfen lassen könnten.

Keine Alternativen geboten

Nebst den Fragen der Bevölkerung musste sich Gesundheitsminister Berset auch dem Streitgespräch mit Marcel Dettling, SVP-Nationalrat aus dem Kanton Schwyz und Mitglied der SVP-Parteileitung, stellen. Dabei diskutierten sie vor allem über die Handhabung an der Grenze. Während Dettling strengere Kontrollen und sogar Grenzschliessungen forderte, wies Berset darauf hin, dass es kurzsichtig wäre, die Grenzen zu schliessen.

Zum Schluss der Debatte sagte Berset zum SVP-Nationalrat: «Wenn Sie nicht mit den Massnahmen einverstanden sind, dann geben Sie mir taugliche Alternativen, die umsetzbar sind. Bislang habe ich noch keine gehört.»

(red.)

Quelle: sda/ PilatusToday
veröffentlicht: 28. August 2021 06:53
aktualisiert: 28. August 2021 11:14