Lohngespräche

So verhandelst du richtig, wenn du mehr Lohn möchtest

13. August 2021, 11:42 Uhr
Alle brauchen ihn, niemand redet gerne über ihn – den Lohn. Am Donnerstag präsentierte der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse seine Lohnforderungen für das kommende Jahr. Wie aber gehe ich es am besten an, wenn ich mehr Lohn möchte? Und wie spreche ich es schon beim Bewerbungsgespräch richtig an? Eine Expertin erklärt's.
Einfach zum Chef gehen und mehr Lohn verlangen, führt laut der Expertin nicht zum Ziel. (Symbolbild)
© KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

«Entscheidend ist die Vorbereitung», erklärt Laufbahncoach Fabienne Willi von der Consilias Partner GmbH. Schliesslich muss man die Arbeitgeberin davon überzeugen, dass man das Geld wert ist. «Wenn ich das will, muss ich mir über die eigenen Ziele, die eigene Leistung, meine Kompetenzen und die persönlichen Entwicklungsfelder im Klaren sein.»

Einfach zum Chef gehen und sagen: «ich will jetzt mehr Geld», bringt einen nicht zum gewünschten Ziel. Vielmehr soll man mit den Punkten, die man sich im Vorhinein überlegt hat, auf den Chef zugehen. «Meine Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten stehen nicht mehr im Verhältnis zu meinem momentanen Lohn – so argumentiert man», erklärt Willi.

Fabienne Willi, Senior Consultant, Consilias Partner GmbH
© Consilias Partner GmbH

Sei kein Erpresser

Mit einem Vertrag oder mit einem Lohnversprechen einer anderen Firma vor den Vorgesetzten zu treten und zu sagen, «hier verdiene ich mehr – zahl mir mehr oder ich gehe» hält Willi für ein absolutes No-Go. «Das ist Erpressung. Und die Erfahrung zeigt, wer das macht, hat innerlich sowieso schon gekündigt. Das ist kein Umgang und wirkt sich kontraproduktiv aus. Man trifft sich immer zweimal im Leben – das sollten Menschen nicht vergessen.»

Ganz wichtig ist gemäss Willi auch ein Perspektivenwechsel. Vor einer Lohnverhandlung sollte man sich unbedingt in die Rolle des Arbeitgebers versetzen. Das hilft zum Verständnis – denn nicht immer liegt eine Lohnerhöhung vonseiten der Firma drin.

Lohn ist mehr als Cash

Sollte das der Fall sein, muss man nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Denn für die Expertin ist klar: Sich nur über den Lohn zu definieren ist eine Möglichkeit, sicher aber nicht die beste. «Vielleicht lässt sich auch über bezahlte Weiterbildungen, eine zusätzliche Ferienwoche oder über spannende Projekte diskutieren». Bestandteil vom Lohn ist nicht nur, was Ende Monat auf dem Konto liegt.

«Das ist auch, was viele Leute auf Jobsuche vergessen. Zum Lohn gehört mehr als nur Cash», so Willi. Zum Lohn gehören auch der 13. Monatslohn, Benefits (Ermässigungen), ein leistungsabhängiger Bonus oder die Pensionskassenbeiträge. Diese Punkte sind schon bei einem Einstiegs- oder Bewerbungsgespräch wichtig.

Kein Tabuthema

Die Vorbereitung sieht bei Bewerbungsgesprächen anders aus, als wenn man bereits in einem Angestelltenverhältnis ist. Man sollte sich unbedingt informieren, was andere in dieser Branche und vergleichbaren Funktionen verdienen – dazu gibt es zum Beispiel Online-Tools, mit denen man einen möglichen Lohn berechnen kann. Oder noch besser: Man aktiviert sein Netzwerk.

Fragen rund ums Geld dürfen gestellt werden, so Fabienne Willi. Schliesslich habe man Anrecht auf faire Bezahlung. Wird es aber von der Interview-Person nicht im ersten Gespräch angesprochen, so sollte man sich selbst auch noch zurückhalten. Die Lohnfrage sollte zuerst vom Arbeitgeber gestellt werden – und dazu dient eben auch die Vorstellung, womit man rechnen kann.

Spricht der mögliche Chef den Lohn nicht im ersten Gespräch an, so kann man bei einem zweiten Treffen selbst nachfragen. «Ein Lohngespräch ist aber kein Streitgespräch. Es geht hier nicht um einen Schlagabtausch zwischen zwei Parteien. Es geht darum, respektvoll und überzeugend zeigen zu können, was man kann und warum der Lohn gerechtfertigt ist». Der Ton macht also die Musik.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. August 2021 15:57
aktualisiert: 13. August 2021 11:42
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