Coronavirus

Verschläft die Schweiz wieder die nächste Corona-Welle?

17. Mai 2022, 11:54 Uhr
Ja, die Schweiz bräuchte unbedingt schon im Sommer einen Booster, sagt der Moderna-Chefarzt Paul Burton in einem «Blick»-Interview. Wir haben mit Gesundheitspolitikern gesprochen, wie die Schweiz auf den Herbst vorbereitet ist.

Derzeit herrscht in der Schweiz weitgehend Ruhe und etwas Normalität in Bezug auf Corona. Seit April gibt es hierzulande keine Massnahmen mehr. Paul Burton, Chefarzt des Impfstoffherstellers Moderna, hatte die Schweiz in einem «Blick»-Interview allerdings gewarnt, erneut eine Corona-Welle zu verschlafen.

Ziel ist die endemische Lage

Bereits im Sommer sei ein Booster als Vorbereitung auf den Herbst nötig, um den endemischen Zustand zu erreichen. Denn die Pandemie sei noch lange nicht überstanden.

Um den endemischen Zustand zu erreichen, wären drei Dinge wichtig, so Burton. Das Einhalten der Hygieneregeln und das Tragen einer Maske gehöre zur Eigenverantwortung und diene der Solidarität. Darüber hinaus brauche es zuverlässige Daten, die Leute und Behörden wissen teilweise nicht, ob und wie man Fälle meldet sowie wer die Fälle anschliessend verfolgt. Das wichtigste sei allerdings der Booster. Darum sei eine zweite Booster-Impfung dringend nötig und sei allen ans Herz gelegt – ob jung oder alt, mit oder ohne Vorerkrankung.

Was sagt die Politik zur Warnung? 

«Ein erneuter Booster bereits im Sommer ist übertrieben», sagt die Zürcher Gesundheitspolitikerin und Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber. Man müsse sicher aufpassen, fügt Prelicz-Huber an, «und die Lage auch beobachten, aber bitte nicht schon wieder hyperventilieren. Dazu finde sie es auch recht fragwürdig, dass die Warnung gerade vom Chefarzt des Impfstoffherstellers Moderna kommt.» Sie seien dran und beobachten die Lage. Ihrer Meinung nach sei die Schweiz auch vorbereitet.

Ein bisschen vorsichtiger ist die Aargauer Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel. Sie habe schon vor Wochen einen Vorstoss eingereicht, so Humbel gegenüber CH Media. «Damit wollte ich herausfinden, wie die Schweiz bei einer weiteren Corona-Welle vorgehen wird. Ich bezweifle nämlich, dass die Schweiz aus den früheren Wellen gelernt hat», erklärt sie.

Des Weiteren ist auch falsch, dass der Bund bei den Massnahmen die Kantone in die Pflicht nimmt. «In Hinblick auf den Sommer ist es wichtig, dass der Bund dann wieder die Zügel in die Hand nimmt – zum Beispiel bei der Maskenpflicht», berichtet die Mitte-Nationalrätin auf Anfrage. Das sei nämlich etwas, was man unmöglich kantonal angehen könne.

(sib)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 17. Mai 2022 11:56
aktualisiert: 17. Mai 2022 11:56
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