Psychische Gesundheit

Weniger Suizide – doch die Zahl der Beratungen steigt rasant

rec, 3. Oktober 2022, 18:01 Uhr
Seit kurzem sind die neusten Zahlen des Bundes bekannt: Die Suizidzahlen in der Schweiz haben stetig abgenommen. Doch Hilfsorganisationen warnen: Die Zahlen trügen.
«Es ist in der Tat so, dass Beratungen bei Suizidgedanken in den letzten zwei Jahren um das doppelte zugenommen haben», sagt Jan Schlink, Leiter Kommunikation & Marketing bei Pro Juventute
© KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE
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In der Schweiz hat es im Pandemie-Jahr 2020 so wenig Suizid-Fälle gegeben, wie seit 50 Jahren nicht mehr. Das schreibt das Bundesamt für Statistik in einer Mitteilung. Trotz dieser positiv stimmenden Statistik hat die Hilfsorganisation «Dargebotene Hand» im Kanton Aargau immer mehr Menschen am Telefon, die Suizidgedanken haben. Aus diesem Grund sollte man laut Christina Hegi Kunz, Stellenleiterin der Dargebotenen Hand Aargau-Solothurn aufpassen, Vergleiche zu ziehen: «Die Gespräche mit dem Thema Suizid sind bei uns zunehmend und das nicht nur seit ein, zwei Jahren, sondern über eine längere Phase».

Beratungen zu Suizidgedanken haben zugenommen

Seit dem Höhepunkt in den 1980er Jahren sind die Suizidzahlen in der Schweiz stetig zurückgegangen. Im Jahr 2020 sind es zum ersten Mal weniger als 1000 Personen im Jahr, die sich das Leben genommen haben. Das erstaunt – da Hilfsorganisationen wie die «Dargebotene Hand» immer mehr mit Suizidgedanken konfrontiert werden. Diesen Eindruck bestätigt auch Jan Schlink, Leiter Kommunikation & Marketing bei Pro Juventute: «Es ist in der Tat so, dass die Beratungen von Suizidgedanken in den letzten zwei Jahren um das doppelte zugenommen haben. Vor der Pandemie haben ungefähr drei Jugendliche pro Tag mit Suizidgedanken angerufen. Heutzutage sind es sieben junge Leute». Vor allem mit Zukunftsängsten hätten die jungen Menschen zu kämpfen.

Reden hilft!

Gründe dafür, warum die Suizidrate abnehmend ist, die Anfragen an die Hilfeleistenden sich aber häufen, sieht Jan Schlink wie folgt: «Das ist sicher ein gesamtgesellschaftlicher Effekt, dass sich das Äussern von psychischen Problemen auswirkt und dass es so nicht immer zum schlimmsten Ereignis kommt.» Man könne sich heute leichter Hilfe holen, das Reden über Probleme falle ausserdem vielen leichter als früher.

Auch Radio Argovia hat über die Suizidrate im Aargau berichtet. Den Beitrag kannst du hier nachhören:

(adi)

rec
Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 3. Oktober 2022 18:31
aktualisiert: 3. Oktober 2022 18:31