Schweiz

Weniger Touch, mehr Sicherheit: Crashtester Euro NCAP will Sicherheitspunkte bei Autos anpassen

Sicherheit

Schluss mit Touch – Crashtester fordern technischen Rückschritt beim Auto

· Online seit 09.03.2024, 14:47 Uhr
Blinken über das Lenkrad, Warnblinker über Touchscreen – die Technologie der Automobilindustrie entwickelt sich immer weiter. Nun will das europäische Fahrzeugbewertungsprogramm Euro NCAP aber Sicherheitspunkte für solche Funktionen abziehen.
Linda Hans
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Die Automobilindustrie hat in den letzten Jahrzehnten riesige Fortschritte im Bereich der Effizienz und Sicherheit gemacht. Obwohl die Fortschritte viele Verbesserungen mit sich gebracht haben, geben gewisse Veränderungen zu denken. Nun fordert der europäische Crashtester Euro NCAP die Rückkehr zu mehr physischen Tasten und will künftig in seinen Sicherheitsbewertungen Punkte für zu viel Touch-Funktionen abziehen.

Touchscreens sorgen für Ablenkung

Viele Automobilhersteller haben in den letzten Jahren an minimalistischen Innenraumdesigns ihrer Fahrzeuge gearbeitet. Was eigentlich unproblematisch klingt, sorgt aber bei Sicherheitsforschern sowie Endverbrauchern für Kopfschütteln, und zwar wegen der weitverbreiteten Einführung von Touchscreen-Bedienfeldern und -Schnittstellen.

Aus Sicht der Forschung führen solche Touch-Bedienungen zu beträchtlicher Ablenkung. Auch von Verbraucherseite wird dies bemängelt. Ausserdem vermissen viele Verbraucher die traditionellen Bedienelemente, welche intuitiv genutzt werden konnten, ohne die Augen von der Strasse nehmen zu müssen.

Wie «Der Standard» berichtet, hat die europäische Organisation European New Car Assessment Programme (Euro NCAP) ebenfalls Bedenken geäussert. Euro NCAP führt Crashtests mit neuen Autos durch und erstellt dann strenge Sicherheitsbewertungen der neuen Modelle.

Die Organisation mit Sitz in Brüssel ist keine staatliche Aufsichtsbehörde und kann somit keine Vorschriften an die Automobilbranche stellen. Ihre Fünf-Sterne-Sicherheitsbewertungen sind aber ein sehr starkes Verkaufsargument. Daher ist gemäss «Der Standard» eine Reaktion der Automobilbranche auf den Druck von Euro NCAP zu erwarten.

Punkteabzug für zu viel technischen Schnickschnack

Um dem «Touch-Trend» entgegenzuwirken, will Euro NCAP ihr Bewertungssystem ab 2026 anpassen. Es sollen Sicherheitspunkte abgezogen werden, wenn bestimmte Funktionen nicht mehr als physische Bedienelemente vorhanden sind. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Blinker, Scheibenwischer, Hupe, Warnblinklicht sowie SOS-Features wie das eCall-System. Wenn diese Funktionen keine physische Taste haben, dann gibt's keine 5-Sterne-Bewertung des Crashtesters mehr.

Gemäss Matthew Avery, Direktor für strategische Entwicklung bei Euro NCAP, ist die übermässige Verwendung von Touchscreens ein branchenweites Problem. «Da fast alle Fahrzeughersteller die wichtigsten Bedienelemente auf zentrale Touchscreens verlagern, sind Fahrerinnen und Fahrer gezwungen, ihre Augen von der Strasse zu nehmen», kritisiert Avery. Um die Fahrsicherheit zu erhöhen, müsse das oberste Ziel, die Reduktion der Zeit sein, in welcher Fahrerinnen und Fahrer ihre Augen von der Strasse nehmen.

Autobranche bemerkt die Unzufriedenheit

Die Unzufriedenheit der Kundinnen und Kunden mit den Touch-Elementen ist auch bei den Herstellern angekommen. Der deutsche Autohersteller VW reagiert mit seinem neuen Konzept auf die Kritik der Kundschaft. Dadurch gibt es in künftigen VW-Modellen wieder mehr physische Tasten und Schalter.

Gegenüber «Autocar» sagte der Volkswagen-Chef Thomas Schäfer, dass die Verwendung von berührungsempfindlichen Bedienelementen der Marke VW definitiv sehr geschadet habe. Weiter versprach er, in künftigen Autos einfachere und funktionalere Innenräume einzuführen.

Hersteller wie Tesla, der neuerdings Blinker im Lenkrad verbaut und nicht mehr als Kontrollhebel dahinter, werden von diesen neuen Richtlinien besonders betroffen sein. Auch eine Umfrage von JD Power aus den USA vom letzten Jahr zeigt, dass viele Autofahrerinnen und Autofahrer die Nase voll haben von zu viel Technik im Fahrzeug.

Laut der Studie nutzen immer mehr Personen viele Funktionen des Infotainmentsystems nicht mehr. Dafür sind unter anderem neue Smartphone-Funktionen wie Apple Carplay und Android Auto verantwortlich.

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veröffentlicht: 9. März 2024 14:47
aktualisiert: 9. März 2024 14:47
Quelle: FM1Today

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