Neues Curling-Team

Die Weltmeisterinnen haben ihre zwei neuen Trümpfe gefunden

12. Mai 2022, 07:43 Uhr
Skip Silvana Tirinzoni und Alina Pätz mussten sich nach dem dritten WM-Titel in Serie von ihren beiden Mitspielerinnen verabschieden. Jetzt ist klar, dass Carole Howald und Briar Hürlimann neu zur Weltnummer 4 stossen.
Carole Howald (ganz links), beim WM-Titel im April als Ersatzspielerin dabei, stösst als eine von zwei neuen Spielerinnen zum Team von Skip Silvana Tirinzoni.
© KEYSTONE

Besser geht nicht. Mit 14 Siegen in Serie und ungeschlagen feierte das Team des Curlingclubs Aarau mit Skip Silvana Tirinzoni im April seinen dritten Weltmeistertitel in Serie. Eine Wohltat für Herz und Seele nach der Olympia-Enttäuschung. Auch in Peking spielte das Schweizer Quartett überzeugend auf, zog aber ausgerechnet bei der Medaillenvergabe eine kurze Schwächephase ein. So blieb der undankbare vierte Rang.

Die Monate nach den Olympischen Winterspielen sind nicht nur die Zeit, in welcher viele Sportstars heiraten, sondern häufig auch der Moment von Veränderungen. So gab das Weltmeisterinnen-Team Mitte April bekannt, dass es 50 Prozent seiner bewährten Schlagkraft verliert. Esther Neuenschwander und Melanie Barbezat, die Spielerinnen auf Position 1 und 2, waren nicht mehr bereit, alles dem Sport unterzuordnen.

Überraschend schnell und unverhofft verheissungsvoll gestaltet sich nun die Nachfolgeregelung. Skip Silvana Tirinzoni, die 2019 nach sieben Jahren als Vermögensberaterin ihre Stelle bei einer Bank kündigte und seither voll auf Curling setzt, und Alina Pätz, die nervenstarke Spielerin der letzten zwei Steine, haben zwei neue Teammitglieder gefunden.

Carole Howald und Briar Hürlimann neu im Team

Mit Carole Howald wird jene Spielerin quasi befördert, die zwar bislang im Team von Langenthal spielte, aber bei den zwei vergangenen WM-Titeln wie auch bei Olympia als Ersatzspielerin bereits Bestandteil der Tirinzoni-Equipe war.

Die 29-jährige Oberaargauerin blickt auf eine bemerkenswerte Karriere. Sie gewann nicht weniger als fünf WM-Titel als Ersatzspielerin – so auch 2015 im damaligen Team von Alina Pätz. «Wir kennen sie schon sehr gut, bei ihr braucht es definitiv keine Massnahmen zum Teambuilding», sagt Alina Pätz.

Das zweite neue Gesicht bei den Weltmeisterinnen ist Briar Hürlimann. Auch die 28-jährige Tochter von Patrick Hürlimann, dem Olympiasieger von 1998, hat eine gemeinsame Vergangenheit mit Alina Pätz. Sie bestritt 2016 mit der Limmattalerin einige internationale Turniere. Danach begegnete man sich vor allem als Gegnerinnen auf dem Eis. Hürlimann spielte bis vor einem Jahr beim Team Oberwallis, das sich 2020 gegen Tirinzoni für die WM qualifizierte. Diese fiel wegen Corona aber aus.

Nun spielt man nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander. Alina Pätz freut sich auf die neue Konstellation. «Ich mache mir gar keine Sorgen, dass es menschlich nicht passt», sagt sie. Und spielerisch erhofft sie sich von den Zuzügen viel, vorab auch neue Impulse zur Weiterentwicklung des gesamten Teams. «Das ist auch nötig, denn wir gehen davon aus, dass das Niveau bei den nächsten Olympischen Spielen nochmals höher sein wird».

Auch die beiden Ehemänner spielen im gleichen Team

Wie familiär es im Curling zugeht, zeigt gerade das Beispiel von Pätz und Hürlimann. Letztere heiratet im Juli Yannick Schwaller. In dessen Team spielt mit Sven Michel der Lebenspartner von Alina Pätz.

Wie genau das Programm und die Spielphilosophie aussehen werden, diskutiert das neu zusammengestellte Team des CC Aarau am 24. Mai bei seinem ersten Meeting. Vorerst werden Silvana Tirinzoni als Third und Alina Pätz mit den letzten zwei Steinen ihre Positionen beibehalten. Im Wissen, dass man punkto Aufstellung fortan sehr flexibel ist, denn Carole Howald (Third bei Langenthal) und Briar Hürlimann (Zuletzt Fourth bei Zug) haben auch in diesem Bereich Erfahrung und Stärken.

Wegen des Mammutprogramms in dieser Saison wird das in der Weltrangliste aktuell auf Platz 4 liegende Team eine etwas längere Pause zur Regeneration machen und erst im August aufs Eis zurückkehren. Danach folgt aber sogleich die Bewährungsprobe. Für die EM im November qualifiziert sich das Schweizer Team mit den besten drei Turnierresultaten im Herbst. Wo die EM stattfindet, ist übrigens noch nicht bekannt. Ursprünglich war sie in Russland geplant.

Langfristiges Ziel des Teams sind die Olympischen Spiele 2026 in Cortina. «Bis dahin kann noch viel passieren, aber der Plan unserer Zusammenarbeit ist schon, bei den Winterspielen eine Medaille zu gewinnen», sagt Pätz. Einer der wenigen Erfolge, die im Palmarès noch fehlen. Alina Pätz nennt noch ein anderes Ziel. Die 32-Jährige darf sich inzwischen zwar bereits fünffache Weltmeisterin nennen. Europameisterin hingegen war sie noch nie.

(Rainer Sommerhalder, Aargauer Zeitung)

Quelle: Aargauer Zeitung
veröffentlicht: 12. Mai 2022 07:43
aktualisiert: 12. Mai 2022 07:43
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