Nach der Leere

Nur Mut!

Lorenz Barazetti, 23. Mai 2022, 13:22 Uhr
Der Tag danach ist angebrochen. Der Tag, nach dem der FC Aarau im letzten Spiel der Saison den Aufstieg aus der Hand gegeben hat und mindestens ein weiteres Jahr in der Challenge League bleiben muss. Trösten kann nur ein Blick über das Spiel vom Samstag hinaus.
Volle Hütte, gute Stimmung. Liebe FCA-Fans, die Köpfe gehören trotz Niederlage nach oben.
© ArgoviaToday

Kein Jubel, kein Platzsturm. Keine Pokal-Präsentation auf dem Balkon des Regierungsgebäudes, kein Fest in der Innenstadt. Der FC Aarau verliert nach der traumatischen Barrage 2019 ein weiteres «Spiel der Spiele». Und bleibt eine weitere Saison in der Challenge League. Für den Moment herrscht im Aarauer Fussballfan so grosse Leere wie auf dem Aargauerplatz, wo man am Samstagabend endlich hätte feiern wollen. Die Totenstille im Stadion in den Minuten nach dem Abpfiff werde ich wohl nicht mehr vergessen. Schock.

Doch heute Morgen macht mir als eingefleischtem FCA-Fan etwas Mut: Einige Szenen nach der ersten inneren Leere. Beispiele? Vor den Buden hinter der Tribüne im Brügglifeld kehrte bald wieder eine gelassene, sogar heitere Stimmung ein. Man diskutierte angeregt, machte sich gegenseitig Mut, (fast) nirgends war Lethargie zu sehen. Auch die Innenstadt war nicht einfach leergefegt, man rappelte sich bereits wieder auf und weitete den Blick über das gerade gesehene Spiel hinaus: Mit Kevin Spadanuda, Donat Rrudhani oder Randy Schneider hat Trainer Stephan Keller Talente in dieser Saison zu spektakulären Spielern gemacht. Klar, ob man sie alle zusammenhalten kann, steht auf einem anderen Blatt. Aber meine Güte, haben die drei Spass gemacht!

Oder der Präsident, Philipp Bonorand, der nur Minuten nach dem Spiel den Satz in unsere Kamera sagte: «Das ist Fussball. Da müssen wir jetzt durch. Morgen geht es weiter und dann greifen wir wieder neu an!»

Dieser Satz – wenn auch vielleicht Ausdruck von Zweckoptimismus – dieser Satz lässt zu, dass man schon wieder den Blick nach vorne richten kann. Weg von dieser grossen Enttäuschung. Schliesslich steht der Club im Gesamten gut da, auch wenn wegen Corona harte Zeiten hinter ihm liegen und man sich für das ausgegebene und nun verpasste Saisonziel Aufstieg finanziell schon zur Decke streckte. Bonorand und Sportchef Sandro Burki haben eine neue Ära beim FC Aarau eingeläutet. Eine Ära, die auf Nachhaltigkeit fussen soll, die auf Jugend setzt. Die die Bodenständigkeit dieses Clubs und seiner Fans repräsentiert.

Im Rahmen der Aufstockung der Super League werden nächste Saison auch andere Challenge-League-Clubs zusätzliche Mittel locker machen. Der FCA hat aber ein konkurrenzfähiges Team, das trotz absehbarer Veränderungen auch dort um den Aufstieg mitspielen können wird.

Meine Trauer und innere Leere war jedenfalls von kurzer Dauer. Ich freue mich einfach jetzt schon wie ein kleines Kind auf die kommende Saison. Ich wünsche mir nur, dass die Menschen, die am Samstag das erste Mal diese Saison im Brügglifeld waren, ab Juli 2022 einigermassen regelmässig ins Stadion pilgern. Dann kriegt der FC Aarau auch die Kulisse, die er verdient. Denn dieser FC Aarau macht Spass!

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 22. Mai 2022 11:26
aktualisiert: 23. Mai 2022 13:22
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