Versteigerung

Für fast 9 Millionen Franken: Maradona-Trikot hat neuen Besitzer

Maurus Held, 4. Mai 2022, 17:37 Uhr
Ein Fussballtrikot wird für eine Millionensumme ersteigert: Tönt absurd, ist in diesem Fall aber nachvollziehbar. Der Dress trug kein Geringerer als Diego Maradona während der besten Halbzeit seiner Karriere. Über ein blaues Stück Stoff und dessen einzigartige Geschichte.
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Quelle: youtube.com / Maradonas «Tor des Jahrhunderts» 1986 gegen England

«Ich will weinen, heiliger Gott, es lebe der Fussball!» Dieser Satz des legendären Kommentators Victor Hugo Morales vom 22. Juni 1986 steht auch heute noch wie kein zweiter für die grenzenlose Bewunderung, die Millionen von Fussballfans weltweit für Diego Armando Maradona verspüren. Einer von ihnen hat nun am Mittwochabend, rund 36 Jahre später, sein Fan-Sein gekrönt, und wie: Maradonas Original-Trikot vom damaligen WM-Viertelfinal gegen England wurde vom Londoner Auktionshaus Sotheby's für umgerechnet sage und schreibe 8’773’423 Franken versteigert.

Eine irre Summe – bedenkt man aber, wie viel (Fussball-)Geschichte mit diesem vermeintlichen Stück Stoff mit der Nummer 10 verbunden ist, wird nachvollziehbar, warum es einen solchen Wert hat. Es war in jenem Spiel gegen England, als Maradona sein Team mit der «Hand Gottes» in Führung brachte. Heute würde das Tor vom Videoschiedsrichter aberkannt, doch seis drum. Vier Minuten später setzt er an der Mittellinie zum Sololauf an, dribbelt sechs Engländer aus. Das «Tor des Jahrhunderts» entsteht, Morales will weinen, die Legende ist perfekt.

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Quelle: youtube.com

«Das da. Darin werden wir siegen»

Dass zwei der berühmtesten Tore in der Geschichte des Fussballs in einer einzigen Halbzeit vom selben Spieler geschossen werden, ist schon verrückt genug. Aus argentinischer Sicht hatte der daraus resultierende 2:1-Sieg aber auch eine politische Bedeutung: England, das Mutterland des Fussballs, hatte vier Jahre zuvor den Krieg gegen Argentinien um die Falkland-Inseln im Atlantik gewonnen, über 600 argentinische Soldaten starben dabei. Maradona sagte nach dem Spiel: «Es war, als ob wir ein Land besiegt hätten, nicht eine Fussballmannschaft.»

Auch das Trikot selbst hat eine interessante Geschichte: Nach dem Sieg gegen Uruguay im Achtelfinale hatte der argentinische Trainer den Eindruck, dass die Baumwolltrikots in der drückenden Hitze zu schwer waren. Deshalb schickte er einen seiner Mitarbeiter auf die Suche nach einer leichteren Alternative. Als dieser eine fand, konnten sie sich offenbar doch nicht auf eine der beiden Optionen einigen. Da erschien Maradona und zeigte auf das neue Trikot: «Das da. Darin werden wir England schlagen.» Er sollte Recht behalten.

Maradonas Trikot vom WM-Spiel gegen England wurde am Mittwochabend versteigert.

© Sotheby's/Screenshot

Die Legende geht weiter

Und nun ist es versteigert worden. Möglich gemacht hat dies ausgerechnet ein Engländer: Nach dem Spiel fragte der Mittelfeldspieler Steve Hodge, der den Ball bei der «Hand Gottes» unabsichtlich zu Maradona spielte, nach dessen Trikot. Maradona willigte ein. Hodge behielt das Trikot bis 2002 im Privatbesitz, dann lieh er es dem National Football Museum in Manchester, wo es sich aktuell noch befindet.

Maradona, dieser geniale Fussballer, der neben dem Platz immer wieder für einen Skandal gut war, führte Argentinien 1986 schliesslich zum WM-Titel, im Final gegen Deutschland gelang ihm allerdings kein Tor. Mittlerweile ist der «Goldjunge» verstorben, 2020 erlag er einem Herzinfarkt. Seine Legende aber, die lebt weiter, genauso wie dieses blaue, sagenumwobene Trikot. Wer es sich ergattert hat, liess Sotheby's nicht verkünden, doch nun ist auch diese Person ein Stück weit Teil einer einmaligen Fussballgeschichte.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 4. Mai 2022 17:02
aktualisiert: 4. Mai 2022 17:37
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