FIFA-Kongress

Infantino will FIFA-Präsident bleiben

31. März 2022, 16:48 Uhr
Am Tag vor der WM-Gruppenauslosung findet in Doha der 72. FIFA-Kongress statt. Der WM-Gastgeber wird offen kritisiert, ein Video aus der Ukraine wird eingespielt, aber auch Russland ist zu Gast.
Gianni Infantino rief indirekt Russland auf, den Krieg in der Ukraine zu beenden.
© KEYSTONE/EPA/NOUSHAD THEKKAYIL

FIFA-Präsident Gianni Infantino wandelte auf dem schmalen Grat zwischen Menschenrechten im WM-Gastgeberland Katar und dem Krieg in der Ukraine – und sprach am Schluss über sich selbst. «Ich werde zur Wiederwahl antreten», sagte der 52-jährige Walliser am Ende eines bemerkenswerten Kongresses.

Harsche Kritik wegen Katar

Kurz zuvor hatte der Schweizer deutliche Kritik an seinen katarischen «Brüdern» mit starrer Miene verfolgt. «Die FIFA muss als Vorbild agieren», forderte die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness am Rednerpult des grossen Saals. Die 40-Jährige sprach die Missstände in Katar in Menschenrechtsfragen klar an. Die WM 2022 sei im Jahr 2010 unter «inakzeptablen Umständen und mit inakzeptablen Konsequenzen» vergeben worden, sagte Klaveness und stellt infrage, ob die FIFA aktuell überhaupt als Vorbild agiere.

Infantino verwies wie auch Organisationschef Hassan Al-Thawadi auf die grossen Fortschritte in Katar, das von Menschenrechtsorganisationen erst in dieser Woche wieder scharf kritisiert worden war. «Frau Präsidentin kommt in unser Land und hat nicht versucht, uns zu kontaktieren und hat nicht versucht, einen Dialog zu starten», sagte Al-Thawadi mit scharfem Ton. Und Infantino fügte an: «Alle Fortschritte, die es in Katar gab, hätten ohne die Projektionsfläche der WM niemals stattgefunden.»

Infantino wünscht sich Dialog

Auch der Krieg in der Ukraine wurde thematisiert. Die Corona-Pandemie sei fast überwunden, sagte Infantino. «Was passiert jetzt? Krieg – und die Angst vor einem globalen Konflikt.» Es gebe aber auch schreckliche Kriege und Konflikte in anderen Teilen der Welt. «Orte, wo hilflose Menschen leiden und sterben.»

Im Saal sassen Vertreter des russischen Verbands, die sich nicht äusserten, aber niemand aus der Ukraine. Das eingespielte Video mit dem ukrainischen Verbandspräsidenten Andrej Pawelko auf einem Platz, auf dem Helfer gerade ein Denkmal mit Sandsäcken schützten, wurde von den Delegierten ohne grosse Regung zur Kenntnis genommen. Pawelko sprach in Schutzweste vom «Horror des Kriegs».

Die Ukraine wurde als «anwesend» verkündet, da eine Teilnahme auch online möglich war. Infantino forderte Politiker aus aller Welt auf, «Konflikte und Kriege» zu beenden. «Für unsere Kinder, für unsere Zukunft. Bitte, geht in den Dialog – auch mit dem schlimmsten Feind.» Er glaube an «die Kraft des Fussballs, Menschen zusammenzubringen und kulturelle Grenzen zu überwinden». Der Krieg in der Ukraine lasse ihn «mit schwerem Herzen» zurück, sagte der Schweizer und verwies auf seine letzte Europameisterschaft als UEFA-Generalsekretär im Jahr 2012 in Polen und der Ukraine.

WM im Zwei-Jahres-Rhythmus wohl vorerst vom Tisch

Am Rande wurde auch über Fussball gesprochen. Infantino gab sich bezüglich Pläne für eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre skeptisch. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass es machbar wäre. Aber natürlich gibt es viel Widerstand.» Vor allem aus Europa und Südamerika kommt massive Opposition für die Verkürzung des WM-Rhythmus von vier auf zwei Jahre. Bereits im vergangenen Oktober hatte Infantino über mögliche Kompromisslösungen gesprochen.

Während des Kongresses behauptete der FIFA-Präsident: «Die FIFA hat nie eine WM alle zwei Jahre vorgeschlagen.» Saudi-Arabien hatte den Weltverband zu einer Machbarkeitsstudie aufgefordert. Allerdings liess die FIFA keine Gelegenheit aus, um dieses Thema zu befeuern. Vorerst scheint dieses nun aber vom Tisch zu sein. «Wir müssen schauen, was für die Entwicklung des Fussballs am besten ist», so Infantino.

Quelle: sda
veröffentlicht: 31. März 2022 16:48
aktualisiert: 31. März 2022 16:48
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