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Italien

Mit dem neuen und alten Trainer läuft bei Juventus Turin nichts

1. November 2021, 10:55 Uhr
Mit der Rückkehr von Trainer Max Allegri sollte bei Juventus Turin alles wieder besser werden. Das Gegenteil ist der Fall: Der Rekordmeister und steckt in einer monumentalen Krise.
Max Allegri hat Juventus nicht in die Erfolgsspur gebracht
© KEYSTONE/EPA/ALESSANDRO DI MARCO

Eine alte Weisheit der Indianer besagt: Steige nie zwei Mal in den gleichen Fluss, denn er ist nie der gleiche. Um dasselbe auszudrücken, sagen die Italiener: Wärme die Suppe nicht nochmals auf, sie schmeckt nie mehr gleich gut. Egal, welches Sprachbild und welche Redensart man verwendet: Trainer Max Allegri von Juventus Turin hat sich nicht daran gehalten, als er im Sommer nach zwei Jahren Unterbruch zum italienischen Rekordmeister zurückgekehrt ist.

Nun kann man es sich aussuchen - ja nach Sprichwort - ob man Allegri dabei zusieht, wie er im Fluss ertrinkt oder wie er sich an der Suppe verschluckt. Tatsache jedenfalls ist, dass der Erfolgstrainer, der Juventus in seiner ersten Ära zwischen 2014 und 2019 zu fünf Meistertiteln und zwei Mal in den Final der Champions League geführt hat, mit dem Klub gerade von Negativrekord zu Negativrekord eilt. 15 Gegentore in 11 Spielen? Nie mehr erlebt seit 1961. 16 Punkte Rückstand auf Platz 1 nach 11 Spielen? Nie erlebt - seit immer.

Dabei hatten im Sommer nicht wenige gedacht, Juventus wäre mit und dank Allegri der erste Herausforderer von Meister Inter Mailand, wenn nicht sogar der Top-Favorit auf den Titel. Doch Allegri hat seit seinem Amtsantritt im Juli so ziemlich alles falsch gemacht, was man als Trainer hat falsch machen können. Das fing schon an der ersten Medienkonferenz an. Auf die Frage, was er in den zwei Sabbatjahren getan habe, antwortete Allegri: «Ich kann sagen, was ich nicht getan habe: Ich habe mir keine Fussballspiele angeschaut!»

Es war im Scherz gemeint. Doch das Lachen ist den Juventini vergangen. Allegris Team spielt so ideenlos und ohne Rhythmus, dass man das Gefühl hat, Allegri habe sich tatsächlich während zwei Jahren vom Fussball abgewandt. Er scheint die Entwicklung der letzten 24 Monate verpasst zu haben. In dieser Saison verlor er Spiele gegen Empoli, Sassuolo oder wie am Samstag gegen Hellas Verona. Allegri wurde «ausgecoacht» von Aurelio Andreazzoli (Empoli), Alessio Dionisi (Sassuolo) und Igor Tudor (Verona). Einer (Andreazzoli) ist vor allem bekannt als ewiges Staff-Mitglied der AS Roma, das sich in der Serie A noch nie länger als ein paar Monate gehalten hat. Ein anderer (Dionisi) hat vor zwei Jahren noch in der Serie C trainiert, und der Dritte (Tudor) war letzte Saison bei Juventus zweiter Assistent von Allegris Vorgänger Andrea Pirlo.

Es fehlen Ronaldos Tore

Apropos Pirlo: Er wurde im Frühling freundlich aus dem Vertrag entlassen, weil er «nur» Platz 4 erreicht hatte. Dass Allegri Juventus in dieser Saison auf einen Champions-League-Platz führt, darauf würden im Moment nur noch wenige wetten.

Alleine schuld an der Krise ist Allegri freilich nicht. In einem Jahr, in dem alle Spitzenklubs der Serie A zumindest auf dem Papier schwächer besetzt sind als zuletzt (Corona...), hat Juventus den wohl grössten Substanzverlust erlitten. In Turin haben sie in der Enttäuschung über den 4. Platz und das frühe Ausscheiden in der Champions League nämlich den Wert von Cristiano Ronaldo unterschätzt. Der Portugiese ging zu Manchester United, etwas beleidigt auch, weil seine Zeit als Superstar bald abgelaufen sei, wie Präsident Andrea Agnelli im Sommer orakelt hat.

Das mag sein, doch Ronaldo hat für Juventus in drei Saisons in der Serie A 81 Tore erzielt. Auch 2020/21 waren es nochmals 29 Treffer. Eine Zahl, auf die weder Alvaro Morata noch Paulo Dybala oder Enrico Chiesa je kommen werden.

Rekordverlust von 210 Mio Euro

Ohnehin hat Ronaldo mehr mit der aktuellen Krise von Juventus zu tun als jeder andere. Sein dreijähriges Engagement kostete insgesamt fast 300 Millionen Euro. Auch deshalb wies Juventus im September einen für italienische Vereine Rekord-Verlust von 210 Millionen Euro aus. Mit diesen tiefroten Zahlen konnten die Transferwünsche des alten und neuen Trainers nicht erfüllt werden.

Als Allegri vor sieben Jahren erstmals Trainer von Juventus wurde, führte er eine Mannschaft mit Gigi Buffon, Leonardo Bonucci, Giorgio Chiellini, Stephan Lichtsteiner, Andrea Pirlo, Paul Pogba, Arturo Vidal oder Carlos Tevez in den Final der Champions League. Wer aus diesem Team geblieben ist, ist um Jahre gealtert; wer neu kam, genügt den Ansprüchen meist nicht. Allegri hat einen Fluss vorgefunden, der tatsächlich nicht mehr der gleiche ist; auch weil die Geldströme nicht mehr fliessen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 1. November 2021 10:55
aktualisiert: 1. November 2021 10:55