Iranerin über Fussball-WM

«Sie sagen dem Regime danke – das ist eine Katastrophe»

Maarit Hapuoja, 21. November 2022, 13:17 Uhr
Ilnaz ist Iranerin und wohnt seit ein paar Jahren in der Schweiz. Sie arbeitet als Softwareentwicklerin bei einer grossen Firma in Zürich. Zur WM-Teilnahme ihres Heimatlandes hat sie eine klare Meinung: Sie unterstützt die iranische Mannschaft nicht – von ihr ist sie enttäuscht.
Iranische Fans an der Weltmeisterschaft 2022 in Katar.
© Imago Image
Anzeige

Ilnaz, heute spielt Iran gegen England, unterstützt du das Team?

Nein, denn ich sehe sie nicht als meine Mannschaft.

Wieso nicht?

Es gibt andere iranische Sportler, welche Solidarität für die Leute auf der Strasse gezeigt haben. An dieser Fussball-Weltmeisterschaft könnte die Chance genutzt werden, die Stimme für die Leute zu sein. Aber sie haben das nur benutzt, um dem Regime Danke zu sagen. Das ist eine Katastrophe. Wir empfinden die iranische Fussballmannschaft nicht als unser Nationalteam.

Du bist also für einen Ausschluss deines eigenen Landes?

Es ist eine grosse Chance für das Mullah-Regime, diese Weltmeisterschaft für Propaganda-Zwecke zu missbrauchen. Ich finde das nicht gut. Deswegen hatten wir im Vorfeld viele Anfragen an die Fifa gesendet und wollten diese Show stoppen. Leider waren wir nicht erfolgreich.

Jetzt sagt die Fifa aber immer, dass der Fussball keine politische Bühne sein soll...

Ich würde sagen, es ist nicht politisch. Es geht um Menschenrechte. Viele Menschen werden getötet und verhaftet.

Wovor hast du jetzt gerade am meisten Angst?

Sie haben mehr als 15'000 Leute verhaftet und gerade die Parlamentarier haben gefordert, dass diese Inhaftierten die Todesstrafe bekommen. Davor haben wir Angst.

Wenn Du ein Statement auf das Iran-Trikot schreiben könntest - was wäre es?

Woman. Life. Freedom. Oder: Keine Geschäfte mit den Mullahs und internationale Solidarität.

Wenn der Iran nicht deine Mannschaft ist, welches Team unterstützt du bei der WM?

Ich unterstütze die Schweiz und ich hoffe die Schweizerinnen und Schweizer unterstützen auch ein bisschen die Menschen im Iran.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 21. November 2022 13:18
aktualisiert: 21. November 2022 13:18