Mountainbike

Sechs Schweizer Trümpfe und noch mehr Short-Race-Punkte

8. April 2022, 06:00 Uhr
In Brasilien lancieren die Mountainbiker die neue Weltcup-Saison. Die Schweizer Perspektiven bleiben rosig, dank einem Gesamtweltcupsieger, einem Weltmeister, einem Talent und drei Olympia-Heldinnen.
Filippo Colombo, 24 Jahre alt und aus dem Tessin, klopft an die Tür zur Weltspitze
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

2021 war ein goldenes Schweizer Mountainbike-Jahr. Jolanda Neff, Sina Frei und Linda Indergand schrieben mit ihrem Dreifach-Triumph an den Olympischen Spielen in Tokio Schweizer Sportgeschichte, Mathias Flückiger gewann den Gesamtweltcup und Olympia-Silber, Nino Schurter sicherte sich seinen neunten Weltmeister-Titel. Was bringt 2022, das im Kalender neun Weltcup-Stationen, die EM in München und die WM in Les Gets im August beinhaltet?

Die Vorzeichen stehen gut, zumal diverse Athleten von Swiss Cycling in der Vorbereitung überzeugten und Filippo Colombo vehement an die Tür zur Weltspitze klopft. Der 24-jährige Tessiner, der in der letzten Saison durch einen schweren Sturz monatelang ausser Gefecht war und durch eine Reihe von Defekten zusätzlich ausgebremst wurde, trat in den letzten Wochen und Monaten überzeugend auf. Nach dem Abschluss seines Bachelor-Studiums fällt zudem die schulische Belastung weg.

Der langjährige Nationalcoach Bruno Diethelm attestiert Colombo die dafür nötige Cleverness, den Killerinstinkt und viel Selbstvertrauen. «Für mich ist er ein Podestfahrer. Auch ein Sieg würde mich nicht überraschen», sagt Diethelm.

Absalons Rekord wankt

Positive Signale gibt es auch von den arrivierten und routinierten Kräften. Nino Schurter fuhr am Cape Epic mit Lars Forster zwar nicht um den Sieg mit, dies lag aber primär an einem Sturz seines Scott-Teamkollegen. Nach dem vollen Fokus auf Tokio bündelt Schurter seine Kräfte wieder verstärkt für den Weltcup. Ein Sieg, sein 33., trennt ihn dort seit 2019 vom Rekord von Julien Absalon.

Der Gejagte ist neu Mathias Flückiger. Der 34-Jährige liess im Vorjahr seinen markigen Worten Taten folgen, reüssierte im Weltcup mehrfach und gewann Olympia- und WM-Medaillen. Zwar zehrten die Begleiterscheinungen des Erfolgs an den Kräften und musste Flückiger im Winter ungewohnte Pausen einlegen, inzwischen hat sich der Berner aber erholt.

Neffs Kantersieg

Bei den Frauen tritt Jolanda Neff gut zwei Jahre nach dem folgenschweren Trainingssturz in den USA als Olympiasiegerin an. Sina Frei steigt als Weltmeisterin im Short Race, Olympia-Zweite und WM-Dritte ins Rennen, Linda Indergand als Olympia-Dritte.

Nach dem Triumph in Tokio tankte Neff während ihrer optimalen Vorbereitung mit vorzüglichen Resultaten weiteres Selbstvertrauen. Im Beisein weiterer Top-Fahrerinnen gewann die St. Gallerin die Hauptprobe in Petropolis am letzten Wochenende mit mehr als sechs Minuten Vorsprung - so viel wie noch nie. «Der Weg stimmt, Freude und Zuversicht sind da», sagt Neff, die sich indes mehr Konstanz wünscht: «Früher war ich konstant über eine ganze Saison, konnte ich jedes Rennen gewinnen. An diesen Punkt käme ich gerne wieder. Wir dürfen aber nicht vergessen, woher ich komme.»

Der Auftakt in Petropolis, der Heimat von Henrique Avancini, mag für die Fahrer ungewohnt sein. Neuland betreten die Schweizer Top-Cracks in den üppig bewachsenen Hügeln rund 60 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro aber nicht. Am gleichen Ort hat sich das Nationalteam unter anderem 2016 auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vorbereitet. Neben Neff fand sich vor Wochenfrist auch Thomas Litscher mit den Bedingungen bestens zurecht. Der 32-jährige St. Galler setzte sich im Short Race durch und wurde im Hauptrennen Dritter.

Short Race neu gleichwertig

Apropos Short Race: Das vor vier Jahren eingeführte Kurzformat, in dem die Rennen an den Weltcup-Stationen in der Regel zwei Tage vor den Hauptrennen über die Bühne gehen, wird auf diese Saison hin zusätzlich aufgewertet. Neu gibt es die gleiche Anzahl Weltcup-Punkte wie in den Cross-Country-Prüfungen - und damit doppelt so viel wie zuvor - zu holen. Eine nicht unumstrittene Neuerung, die Fahrern wie Nino Schurter nicht in die Karten spielt. Hintergrund der Anpassung ist das Bestreben des Weltverbandes, das Format ins olympische Programm zu bringen. Auch an der EM steht das Short Race nun im Programm.

Quelle: sda
veröffentlicht: 8. April 2022 06:07
aktualisiert: 8. April 2022 06:07
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