Olympische Winterspiele

Wie entsteht eigentlich Kunstschnee?

4. Februar 2022, 17:37 Uhr
In Peking, vor den Toren der Wüste Gobi, finden im Moment die Olympischen Winterspiele statt. Im Winter wird es in der Gegend zwar bis zu minus 20 Grad kalt, Niederschlag fällt allerdings kaum. Der Schnee muss daher zu 100 Prozent künstlich hergestellt werden. Wie geht das eigentlich?
Für den Kunstschnee bei den Olympischen Winterspielen werden rund 186 Millionen Liter Wasser gebraucht.
© Keystone

Künstlich bezieht sich bei Kunstschnee nicht auf das Material. Wie Naturschnee besteht Kunstschnee aus gefrorenem Wasser. Dass aus Wasser am Ende Schnee wird, ist aber gar nicht so einfach.

Das Wasser wird dabei mit viel Druck aus den Lanzen oder den Kanonen gepresst und in feine Tröpfchen zerstäubt. Gleichzeitig wird auch Luft mit viel Druck durch Schneemaschinen gepresst. Diese Luft dehnt sich schlagartig aus, sobald sie aus der Kanone oder Lanze austritt. Und wenn sich Luft ausdehnt, kühlt sie ab. Durch die kalte Luft gefrieren die kleinen Wassertröpfchen.

Voraussetzung dafür ist, dass die Umgebungsluft nicht zu warm ist. Um Kunstschnee bei höheren Temperaturen erzeugen zu können, kann man dem Wasser aber Zusatzstoffe beimischen, sogenannte «Snow-Inducer», die von Bakterien erzeugt werden. Diese unterstützen das schnellere Gefrieren der Wassertropfen, sodass auch bei Plus-Graden Schnee entsteht.

Eiskristall ist nicht gleich Eiskristall

Trotzdem ist Kunstschnee nicht gleich wie das Original. Die Eigenschaften hängen nämlich mit der genauen Form und Struktur der Eiskristalle zusammen. Beim Kunstschnee gefrieren die Eiskristalle etwa 20-mal schneller als bei der Entstehung von Schneeflocken. Das verändert die Struktur der Schneeflocken. Bei natürlichem Schnee sind die Schneeflocken sechseckig, bei Kunstschnee viel runder. Ausserdem liegen die Schneeflocken beim Kunstschnee viel enger aneinander, das gleiche Volumen hat also mehr Gewicht. Deshalb schmilzt Kunstschnee auch langsamer. Das hat auch einen Einfluss auf das Ski- oder Snowboardfahren. Kunstschnee fühlt sich eisiger an als normaler Schnee.

Früher wurde Schnee aus Cornflakes gemacht

Zur Geschichte des Kunstschnees gibt es übrigens zwei verschiedene Theorien. Die erste besagt, dass der erste Schnee in den 1940er Jahren per Zufall entdeckt wurde. Eigentlich wollten Forscher aus den USA die Vereisung von Flugzeugturbinen untersuchen. Dabei spritzten sie Wasser in den Windkanal. Dabei erzeugten sie unerwartet Schnee.

Die zweite Theorie schreibt die Erfindung des Kunstschnees Hollywood zu. Bis zum Jahr 1934 sei Schnee für Filme mit Cornflakes gefakt worden. Für den Film «As the Earth Turns» habe der technische Direktor Louis Geib aber die erste Schneemaschine erfunden. Sie bestand aus drei rotierenden Messern, die Eis von einem Block abrasieren, und einem Ventilator, der das Eis in die Luft blies.

(cel)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 4. Februar 2022 17:49
aktualisiert: 4. Februar 2022 17:49
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