Literatur

Schweizer Grand Prix Literatur geht an Reto Hänny

10. Februar 2022, 10:14 Uhr
Reto Hänny ist Träger des vom Bundesamt für Kultur (BAK) verliehenen Schweizer Grand Prix Literatur 2022. Er sei ein Autor, «der den Miststock auseinandernimmt, nicht bloss hübsch zöpfelt».
Der Schweizer Schriftsteller Reto Hänny erhält den Schweizer Grand Prix Literatur 2022 für sein Gesamtwerk.
© Keystone/GIAN EHRENZELLER
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Schon in den 1990er Jahren habe der gebürtige Bündner, der in seinen Werken seine eigene und die Geschichte seiner Zeit verarbeitet, von «ungeahnten Verschiebungen, Ereignissen, für die es keine historischen Erfahrungen gibt, von Flutkatastrophen, Taifunen und Hungersnöten, die man in der Zeitung überlesen hat» geschrieben, hiess es in der am Donnerstag veröffentlichten Laudatio. Seine Sprachkraft habe bleibende Breschen geschlagen.

Reto Hänny ist für Bücher wie «Flug» (1985), «Sturz» (2020) oder «Blooms Schatten» (2014) bekannt. Mit seinem Text «Guai» gewann er bei den Klagenfurter Tagen der deutschsprachigen Literatur 1994 den Ingeborg-Bachmann-Preis, eine von zahlreichen weiteren Auszeichnungen. Der Grand Prix Literatur für sein Gesamtwerk ist mit 40'000 Franken dotiert.

Spezialpreis für Maurizia Balmelli

Der mit weiteren 40'000 Franken dotierte Spezialpreis Übersetzung geht an Maurizia Balmelli. Die in Paris lebende Tessinerin hat unter anderem Werke von Sally Rooney, Ian McEwan oder Fred Vargas auf Italienisch übersetzt. Sie gelte zu den wichtigsten Übersetzerinnen ins Italienische aus den zwei grossen Kultursprachen Englisch und Französisch, hiess es in der Laudatio. Es sei ihr gelungen «starke Brücken zwischen den Literaturen zu bauen». Der Spezialpreis Übersetzung wird alle zwei Jahre alternierend mit dem Spezialpreis Vermittlung verliehen.

25'000 Franken, um Werke bekannt zu machen

Die Trägerinnen und Träger der Schweizer Literaturpreise für im vergangenen Jahr erschienene literarische Werke gehen dieses Jahr an Rebecca Gisler («D'oncle»), Yari Bernasconi («La casa vuota»), Dana Grigorcea («Die nicht sterben»), Ariane Koch («Die Aufdrängung»), Christian Kracht («Eurotrash»), Isabelle Sbrissa («tout tient tout») und Fabienne Radi («Émail diamant»). Alle sieben erhalten vom BAK 25'000 Franken, um ihre Werke in der Schweiz und im Ausland bekannt zu machen.

Die offizielle Übergabe aller Preise findet am 25. Mai 2022 zur Voreröffnung der Solothurner Literaturtage statt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 10. Februar 2022 10:14
aktualisiert: 10. Februar 2022 10:14