Zeit für Klartext

«Mama, ich rauche!»

Noëmi Laux, 30. Mai 2022, 16:55 Uhr
Ich komme aus einer überzeugten Nichtraucher-Familie. Trotzdem muss ich mir heute eingestehen, dass ich Raucherin bin. Am 31. Mai ist der internationale Nichtrauchertag. Zeit für Klartext. Ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter.
«Seit wann rauchst du eigentlich?» - ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter.
© Jean-Marc Felix

Noëmi*: Mama, seit wann weisst du eigentlich, dass ich rauche? Wir haben da noch nie drüber gesprochen.

Regula*: Schon lange. Das riecht man doch. Du hast dich auch nie wirklich angestrengt, das Rauchen vor mir zu verbergen. Oder denkst du, ich habe dir geglaubt, wenn du als Teenager verraucht nach Hause gekommen bist und erzählt hast, du hättest nur einen Raucher geküsst. Oder wenn du mit einem Kaugummi zwischen den Zähnen „vom Spazieren“ nach Hause kamst und deine Finger schlimmer gestunken haben, als ein Aschenbecher.

Dabei hatte ich früher schon immer Schiss, erwischt zu werden. Ich glaube, als Teenager fand ich das Rauchen aber auch gerade deshalb interessant, weil es bei uns verboten war. Woher kommt eigentlich deine krasse Raucher-Ablehnung?

Ich habe kein grundsätzliches Problem mit Rauchen, ich kann einfach nicht verstehen, warum sich Menschen abhängig machen – sei dies von anderen Menschen oder von irgendwelchen Substanzen. Ich bin aber auch absolut kein Suchtmensch, deshalb fällt mir ein solches Urteil leicht. Aber echt Noëmi, dass du rauchst, kann ich nicht verstehen. Du schaust auf deine Ernährung, machst viel Sport, lebst bewusst. Rauchen passt doch gar nicht zu dir.

Ich rauche schon gerne. Vor allem wegen dem Sozialen: Beim Arbeiten kommt man in den Raucherpausen mit allen ein bisschen ins Gespräch, wenn ich mit Freunden unterwegs bin, wir was trinken gehen, dann gehört das Rauchen eben dazu. Aber auch wenn ich gestresst bin oder nachdenken muss, geht das mit Zigarette irgendwie besser. Ich muss aber schon immer schauen, dass ich nicht zu viel rauche. Bei mir ist das so phasenweise: Mal rauche ich mehr, dann wieder längere Zeit gar nicht.

Seit wann rauchst du eigentlich?

So richtig mit dem Rauchen angefangen habe ich erst im Studium. Gerade in den Lern- und Prüfungsphasen ist das Rauchen oft zu einer Art Stressventil geworden: Wir haben gelernt und als Belohnung gabs eine Kippe. Ausserdem haben halt auch alle geraucht.

Für mich war das ein Grund, nicht damit anzufangen. Ich war stolz, Nichtraucherin zu sein, obwohl viele in meinem Umfeld geraucht haben. Bei der Erziehung von euch Kindern war uns immer wichtig, euch zu ermutigen, eigene Entscheidungen zu treffen und nicht einfach mit dem Strom zu schwimmen. Es ist immer einfacher, das zu machen, was alle machen – also mitzurauchen – statt bewusst «Nein» zu sagen.

Scheint ja gut funktioniert zu haben mit der Erziehung...

Doch, ich glaub schon, dass die meisten Grundwerte, die wir euch vermitteln wollten, bei euch angekommen sind. Aber halt nicht alle – das muss man als Eltern akzeptieren lernen. Und: Ich rede mir immer noch ein, dass das Rauchen nur eine Phase ist, du schon noch zur Vernunft kommst. Es wäre nicht leicht für mich, mir einzugestehen, dass meine Tochter Raucherin ist. Aber sag mal, rauchst du jetzt, wo wir darüber gesprochen haben, auch vor mir?

Nein, das würde sich falsch anfühlen. Für mich hat das auch mit Respekt zu tun. Trotzdem will ich mit 25 das Rauchen nicht mehr vor meiner Mutter verheimlichen; genauso, wie du dich nicht mehr dafür verantwortlich fühlen solltest.

*Regula (58)

*Noëmi (25)


Es hat sich komisch angefühlt, meiner Mutter zu offenbaren, dass ich rauche. Vielleicht deshalb, weil es auch mir selbst gegenüber ein Eingeständnis war. So wie mir geht es anderen auch. Warum raucht noch immer rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung und wo stehen wir hierzulande im Thema Rauchen? In diesem Video erfährst du mehr! 👇

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Quelle: ArgoviaToday

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 31. Mai 2022 09:24
aktualisiert: 31. Mai 2022 09:24
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