Tabuthema

Nach Fehlgeburt: «Gefühle sollen nicht verdrängt werden»

Vanessa Zemp, 2. April 2022, 09:44 Uhr
Letzten Sonntag hat «Bachelor»-Star Mia Madisson ihre prophezeite Fehlgeburt veröffentlicht. Eine Nachricht, die bei den Leserinnen und Lesern unterschiedliche Reaktionen auslöste. Für Fachpersonen ist klar: Es ist wichtig, darüber zu sprechen.
Gemäss Experten lohnt es sich, früh über das Thema Fehlgeburt zu sprechen.

Mindestens 20'000 Frauen pro Jahr erleben in der Schweiz eine Fehlgeburt, also etwa jede fünfte Schwangere. Nimmt man auch die Frauen dazu, die gar nicht wissen, dass sie schwanger sind, ist der Anteil der Fehlgeburten noch höher. Fehlgeburten sind also keine Seltenheit und doch sind sie in unserer Gesellschaft ein Tabuthema.

«Gefühle sollten nicht verdrängt werden»

Eine Schwangerschaft macht viel mit dem Körper der Frau, er bereitet sich auf ein Kind vor, Hormone spielen verrückt. Besonders die ersten Monate seien intensiv. Deshalb kämen viele Frauen nach einer Fehlgeburt mit den eigenen Gefühlen nicht klar. «Diese Gefühle sollten nicht verdrängt werden, früh darüber zu sprechen, helfe auch, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich auf das vorzubereiten, was folgt», sagt Anna-Margareta Neff, Leiterin der Fachstelle kindsverlust.ch. Auch das Umfeld sei somit sensibilisiert und kann Emotionen mit den Betroffenen austauschen.

Zwar werde in der Öffentlichkeit immer öfter über Fehlgeburten berichtet, seien es Promis, die ihre Geschichte der Öffentlichkeit offenbaren wie zum Beispiel Mia Madisson diese Woche oder Journalisten, die über das Thema aufklären. Im privaten Leben spreche man jedoch immer noch selten und ungern darüber, sagt die Leiterin der Fachstelle kindsverlust.ch.

Was tun, wenn man selbst betroffen ist

Über Trauer zu sprechen helfe, mit dem Erlebten umzugehen und dieses ins Leben zu integrieren. Falls es zu schwierig ist, mit einer nahestehenden Person über das Thema zu sprechen, gibt es verschiedene Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Psychologen, die Frau und Partner angehen können. Auch Bewegung, um den Körper wieder zu spüren, tue gut. Das kann ein Spaziergang, ein Kinobesuch oder eine Massage mit einer Person sein, die einem nahe steht.

Gründe für eine Fehlgeburt

«In den meisten Fällen hängt eine Fehlgeburt damit zusammen, dass der Embryo sich nicht richtig entwickelt», erklärt Frau Dr. Inge Ruhe der Frauenpraxis Luzern. Das könne vorkommen und in den meisten Fällen gibt es keinen spezifischen Grund. Es können genetische Probleme auftreten oder es läuft etwas schief, wenn der Embryo an das Gefässsystem der Mutter andockt, um von ihr versorgt zu werden. Dieses System sei sehr komplex, besonders in der Anfangsphase könne einiges schiefgehen. Solche Störungen passieren häufig zufällig.

Nach einer ersten Fehlgeburt werde meistens auf Untersuchungen verzichtet, weil häufig keine Ursache zu finden ist. Dass sich eine Fehlgeburt wiederholt, sei eher selten.

Das Risiko ist in der Anfangsphase am höchsten

In den ersten zwölf Wochen sei das Risiko einer Fehlgeburt am höchsten. Deshalb sprechen viele Paare in dieser Zeit noch nicht über eine Schwangerschaft. Trotzdem empfiehlt Anna-Margareta Neff von kindsverlust.ch, bereits früh darüber zu sprechen. Zumindest mit den Menschen, die einem nahe stehen. «Wer nämlich eine Schwangerschaft verschweigt, spricht schlussendlich auch nicht über eine Fehlgeburt.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. April 2022 20:46
aktualisiert: 2. April 2022 09:44
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