Band «Dus»

Mit rätoromanischen Songs zu mehr Toleranz und Respekt

Janina Schenker, 9. Februar 2022, 17:47 Uhr
Gino Carigiet und David Friedli machen als Band «Dus» seit fünf Jahren Musik auf Rätoromanisch. Bei unserem Studiobesuch im Oberaargau verraten die beiden, warum sie die vierte Landessprache bekannter machen und was sie mit ihrer Musik bewirken wollen.

Quelle: ArgoviaToday / Leonie Projer

Seit fünf Jahren machen Sänger Gino Carigiet und Gitarrist David Friedli als Duo «Dus» Lieder auf rätoromanisch. Dabei covern sie Mundarthits wie «079» von Lo und Leduc oder Evergreens wie «Teenage Dirtbag» von Wheatus, deren Cover sie erst vor zwei Wochen veröffentlicht haben (siehe unten). ArgoviaToday hat die beiden in ihrem Studio im Oberaargau besucht, wo sie bereits an den nächsten Songs – dieses Mal ausschliesslich Eigenkreationen – tüfteln.

Rätoromanisch bekannter machen

Obschon Gitarrist David Friedli mit der kleinsten Landessprache der Schweiz nicht gross auftrumpfen kann, war für die Band von Anfang an klar, dass sie auf Rätoromanisch musizieren würde. In Ginos Muttersprache zu singen, sei nicht nur am authentischsten, sondern habe für den Sänger auch einen emotionalen Wert.

Bei unserem Besuch im Studio macht der Bündner, der seit viereinhalb Jahren in Solothurn wohnt, einen Vergleich mit dem Wort «Baum». Wenn Gino «Baum» auf Deutsch sagen würde, dann habe das für ihn eine Bedeutung. Wenn er «tree» sagen würde, bedeute ihm auch das etwas, sei jedoch weniger von Belang. "Aber wenn ich ‹Planta› sage, dann ist dies das Wort, welches ich mit fünf Jahren gelernt habe. Das hat eine viel tiefere Bedeutung als Sänger. Ich habe das Gefühl, dass ich weniger nachdenken muss, wenn ich rätoromanisch singe.» Die beiden hoffen, dass sie durch ihre Musik das Rätoromanisch bekannter machen können. «Wir würden uns wünschen, dass sich durch unsere Lieder mehr Leute für unsere vierte Landessprache interessieren und sie vielleicht auch lernen. Unsere Songs würden sie dabei unterstützen», so der 28-Jährige.

Festgefahrene Muster durchbrechen

Auch die Themen, die «Dus» anspricht, liegt dem Duo am Herzen. «Was sich durch unser gesamtes Schaffen durchzieht, sind Toleranz, Akzeptanz, Respekt, Freundschaft und Gleichstellung. Mit unserem Kinderbuch ‹Giugiu & Roro›, unserer letzten Single ‹Giuven Grischuner› und mit unserem nächsten Album setzten wir uns für diese Themen ein, weil uns das wahnsinnig wichtig ist», so der 26-jährige Gitarrist. So sei beispielsweise beim Cover von «Teenage Dirtbag» nicht klar, ob sich der Unisex-Name «Noël(le)» im Song nun auf eine Frau oder einen Mann beziehe.

Es sei spannend, gewesen, dies bewusst offenzulassen. «Es geht gar nicht darum, ob sich nun eine Frau in einen Mann oder ein Mann in einen Mann verliebt. Die Leute sollen ihre Gedanken fliessen lassen und selber entscheiden, was für sie stimmt», schliesst Carigiet.

Mit unkonventionellem Sound auf die grossen Festivalbühnen

Gino und David wollen noch viel gemeinsam erreichen. «Es wäre schön, wenn auch Bands wie wir, die Lieder nur mit Gesang, Gitarre und allenfalls Streichinstrumenten machen, auf Festivals auftreten können», sagt Sänger Gino. Leider müsse in der Schweiz aktuell vieles gleich klingen, damit es bei Festivalgängern Anklang finde. Daher erhofft sich das Duo in der Zukunft mehr Offenheit. Auch wenn «Dus» bisher vor allem für die rätoromanischen Coversongs bekannt ist, will die Band in ihrem neusten Album auf eigene Lieder setzen. Dieses soll im Frühling 2023 erscheinen.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 13. Februar 2022 13:07
aktualisiert: 13. Februar 2022 13:07
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