Selbstversuch

So ist mein Leben ohne Social Media

Leonie Projer, 25. Januar 2022, 17:39 Uhr
Instagram, Tiktok und Youtube: Auf diesen drei Plattformen verschwendet unsere Redaktorin täglich mehrere Stunden. Deshalb hat sie sich die Challenge gesetzt, für zwei Wochen komplett darauf zu verzichten.
Auf Instagram konnte ich vor meinem Social Media Entzug mehrere Stunden vergeuden.
© Keystone/dpa/Rolf Vennenbernd

Es gibt unzählige Studien, die sich den negativen Effekten widmen, die Soziale Netzwerke auf die Psyche haben. So kann Social Media beispielsweise zu Depressionen, Angstzuständen oder schlechtem Schlaf führen. Deshalb tut es gut, sich mal eine Pause davon zu gönnen.

Warum verzichte ich auf Social Media?

Ich selbst spürte die negativen Auswirkungen, die Social Media auf meine mentale Gesundheit hatte. Nach einer Stunde, die ich auf Tiktok verbracht hatte, fühlte ich mich nie besser als vorher. Erstens war ich sauer, weil ich so viel Zeit vergeudet hatte und zweitens kam mir mein eigenes Leben ziemlich unspektakulär vor, weil ich eine Stunde damit verbracht hatte, das scheinbar perfekte Leben anderer Leute zu betrachten. Ich hatte meinen Social-Media-Konsum nicht mehr im Griff. Ohne gross nachzudenken scrollte ich auf Instagram und Co., einfach weil mir gerade langweilig war.

Ich merkte, wie schwer es mir fiel, im Moment mental anwesend zu sein. Ständig war ich abgelenkt, weil ich nebenbei noch eine Story am Posten oder ein Bild am Liken war. Beim Abendessen mit meinem Freund kommen wir auf das Thema Social-Media-Sucht und fassen kurzerhand den Entschluss, dass wir beide einen zweiwöchigen Entzug machen. Zusammen ist man ja bekanntlich stärker. Ich bin zudem überzeugt, dass ich den Entzug nur durchziehe, wenn mir jemand dabei auf die Finger schaut.

Wie ist das Leben ohne Social Media?

Nun habe ich die ersten Tage ohne Social Media hinter mir und es war sehr ungewohnt. Ich habe gemerkt, wie unbewusst und automatisiert mein Social-Media-Konsum ist. Es ist krass, wie oft ich auf die Wetter-App geklickt habe, die an meinem Telefon jetzt dort ist, wo zuvor die Instagram-App war. Beim Spazieren mit meinem Freund zückte ich das Telefon, um eine Instagram-Story zu machen. Erst nachdem ich das Foto geschossen hatte, stellte ich ernüchtert fest, dass das ja nicht geht.

Ich war auch einige Male kurz davor, den Entzug zu brechen, einfach weil ich unbedingt den Instagram-Channel des neuen deutschen Bachelors checken wollte oder um zu kontrollieren, ob Kylie Jenner den Namen ihres Babys verkündet hat. Ich fragte mich aber jeweils: Ist das für mein Leben wirklich essenziell? Und hielt durch. Was aber blieb, war das Gefühl, etwas zu verpassen. Ich hatte vor allem Angst, den Draht zu meinen Freundinnen und Freunden zu verlieren. Was, wenn mich jemand auf Instagram markiert hat oder mir ein lustiges Tiktok geschickt hat? Das Gefühl wird aber von Tag zu Tag schwächer.

Fazit

Bis jetzt spüre ich die positiven Effekte des Entzugs noch nicht wirklich. Ich fühle mich eher schlechter, weil ich merke, wie viel ich vorher auf Social Media war und wie sehr ich es vermisse. Es macht mir halt auch ein bisschen Spass, auf Instagram und Tiktok aktiv zu sein. Zu dieser Erkenntnis wäre ich aber ohne Social-Media-Abstinenz nicht gekommen. Positiv ist zudem, dass ich plötzlich sehr viel Zeit habe, die ich in sinnvolle Aktivitäten stecken kann. Ich habe endlich das Buch fertig gelesen, das seit zwei Wochen auf meinem Nachttisch liegt. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich nach vier Tagen schon von meiner Social-Media-Sucht geheilt bin. Das Bedürfnis, in gewissen Situationen (am Abend auf dem Sofa, im Zug, vor dem Schlafen) nach dem Telefon zu greifen, ist immer noch sehr gross. Das motiviert mich, die Social-Media-Pause weiterzumachen.

Welche Tipps mir eine Fachperson gibt, um den Entzug leichter zu machen, und wie es mir nach meinen zwei Wochen ergeht, erfährst du in ein paar Tagen auf ArgoviaToday.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 26. Januar 2022 06:37
aktualisiert: 26. Januar 2022 06:37
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