Nosferatu wird 100

«Twilight» oder «Dracula»: Die besten und schlechtesten Vampirfilme aller Zeiten

Lothar Lechner Bazzanella, 4. März 2022, 15:45 Uhr
Am 4. März feiert der Filmklassiker «Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens» seinen 100. Geburtstag. Grund genug, um unsere Lieblings-Vampirfilme rauszusuchen. Aber auch um nachzufragen, welche Werke über bluthungrige Wesen so gar nicht zu empfehlen sind. Spoiler: «Twilight» ist in einer der beiden Listen mit dabei.
Der bleiche Vampir wird 100 Jahre alt.
© Keystone

Der Stummfilm «Nosferatu» erzählt die Geschichte des Vampirs Orlok, der sich in die schöne Ellen verliebt und deren Heimatstadt in Angst und Schrecken versetzt. Das Werk von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1922 gilt als eines der wichtigsten Kinowerke der Weimarer Republik und hat das Filmgenre «Horror» geprägt, wenn nicht gar erfunden. Zu seinem 100. Geburtstag haben wir die beliebtesten – und die schlechtesten – Vampirfilme aller Zeiten rausgesucht.

Die schlechtesten Vampirfilme

Platz 5: Twilight: New Moon (2009)

Jüngere Fans denken bei Vampirfilmen natürlich sofort schwärmerisch an die «Twilight»-Saga mit Robert Pattinson und Kristen Stewart. Vor Kritiken blieb die Liebesstory leider nicht verschont. Vor allem «New Moon» wurde hier ziemlich gescholten und erhielt auf der Filmkritiker-Plattform Rotten Tomatoes schwache 29 Prozent der Punkte. Der Spiegel schrieb: «Manchmal ist der magische Mond halt doch nur ein grosser, runder Käse. Und stinkt ziemlich.» Da der Film dennoch knapp 700 Millionen US-Dollar einspielte, begnügen wir uns mit dem fünften Platz.

Platz 4: Vampire in Brooklyn (1995)

Hollywood-Star Eddie Murphy kennt man sonst vor allem von lustigen Rollen in allerlei Blockbustern. Gar nicht komisch fanden die Zuschauer des Films «Vampire in Brooklyn» seine Verwandlung in einen gruseligen Vampir, der durch die Strassen New Yorks geistert. Auf Rotten Tomatoes erhielt der Film magere 12 Prozent der Punkte. Zu den vernichtenden Kritiken äusserte sich Murphy damals in einem Interview wie folgt: «Ausschlaggebend war die komische Perücke. Die Leute sehen mich mit langen Haaren und sagen: Hau ab, was zum Teufel ist das?»

Platz 3: Beilight – Bis(s) zum Abendbrot (2010)

«Beilight» (oder «Vampire Suck» in der US-Fassung) ist eine Parodie der «Twilight»-Saga aus dem Jahr 2010. Obwohl die Kritik an «Twilight» wohl mancherorts berechtigt war, ging dieser Versuch, die Filme aufs Korn zu nehmen, gehörig nach hinten los. Auf Rotten Tomatoes erhielt «Beilight» vernichtende 4 Prozent der Punkte. Auch finanziell war die Komödie ein kompletter Misserfolg. «Cinema» kam zu folgendem Fazit: «Bei so viel infantilem Witz lädt die Parodie eher zum Fremdschämen als zum Lachen ein.»

Platz 2: Abraham Lincoln: Vampire Hunter (2012)

US-Präsident Abraham Lincoln im Kampf gegen blutrünstige Vampire. Klingt komisch? Ist es auch. Der Versuch, geschichtliche Ereignisse, Befreiung der Sklaven und Sezessionskrieg mit allerlei übel gelaunten Monstern mit spitzen Zähnen zu verbinden, war ein grandioser Misserfolg. Die alberne Hauptprämisse hinterlässt beim Zuschauer laut Rotten Tomatoes eine unbefriedigende Mischung aus ganz und gar widersprüchlichen Zutaten. Dafür winkt unser Platz 2 der schlechtesten Vampirfilme.

Platz 1: Blood Rayne (2005)

Den ersten Platz unserer weniger rühmlichen Liste erzielt der amerikanisch-deutsche Horrorfilm «Blood Rayne» von 2005. Das Skript selbst beruht auf einem Videospiel und erstaunlicherweise spielen Hollywoodgrössen wie Michael Madsen und Ben Kingsley mit. Dies hat aber nicht ausgereicht, um ihn vor den vernichtenden Kritiken zu bewahren. Auf Rotten Tomatoes gab es für den Film bittere 4 Prozent der Stimmen. Ein Kritiker schreibt hier: «Als ob die langweilige und konfuse Story nicht schon hanebüchen genug wäre, sind die Dialoge an Abgedroschenheit kaum mehr zu überbieten. Auf der handwerklichen Seite sieht es nicht besser aus: Die Kameraperspektiven wurden höchst unästhetisch gewählt, die Sets wirken steril, der Schnitt ist grausig, die Kostüme sowie Requisiten sehen billig aus und der Kampf-Choreografie fehlt jegliche Dynamik.»

In beeindruckenden sechs Kategorien wurde «Blood Rayne» sogar für die Goldene Himbeere – einem Negativ-Filmpreis – nominiert. Ausserdem erzielte «Blood Rayne» einen Nettoverlust von knapp 23 Millionen Dollar. Mies genug für Platz 1 unserer Liste der schlechtesten Vampirfilme aller Zeiten.

Die besten Vampirfilme

Platz 5: Nosferatu – Phantom der Nacht (1979)

Der Film ist eine Hommage an den Klassiker aus dem Jahre 1922 und sorgte für nicht wenig Erfolg in den Kinos. Ein überragender Klaus Kinski spielt die Hauptrolle des Films, in dem sich eine hochspannende Jagd auf den Grafen Dracula entwickelt. Auf dem Filmkritiker-Portal Rotten Tomatoes erhält Nosferatu starke 95 Prozent der Punkte. Vor allem die Meisterleistung von Kinski mache die Neuverfilmung von Nosferatu zu einem eigenständigen Horrorklassiker.

Zwei Filmgrössen unter sich: Klaus Kinski und Bruno Ganz anlässlich der Nosferatu-Filmpremiere 1979 in Zürich.

© Keystone

Platz 4: Dracula (1931)

«Dracula» ist ein in Schwarzweiss gedrehter US-amerikanischer Horrorfilm aus dem Jahre 1931. Er war die erste offiziell zugelassene Verfilmung des gleichnamigen Romans von Bram Stroker. Die Titelrolle spielte Bela Lugosi, der damit zum Star wurde. Vor allem seine zeitlose Darstellung des Dracula im Gruselfilm hat seither den Standard für grosse Vampirrollen gesetzt. PS. Ein gleichnamiger Film aus demselben Jahr schafft es in unserer Liste sogar noch weiter nach vorne.

Platz 3: 5 Zimmer Küche Sarg (2014)

Der Film ist eine neuseeländische Horrorkomödie über eine Wohngemeinschaft, in der mehrere männliche Vampire unterschiedlichen Alters zusammenleben. Das Werk aus dem Jahre 2014 folgt einem Kamerateam, welches das Leben der Vampir-WG filmt und begleitet. Die Süddeutsche Zeitung sieht im Film ein «wunderbar subversives Gegenmittel zu den goldbestäubten Vampiren der Mainstream-Kinos». Auf Rotten Tomatoes erzielt «5 Zimmer Küche Sarg» seltene 96 Prozent der Punkte. Dort heisst es: Der Film ist intelligenter, frischer und witziger als es ein moderner Vampirfilm sein darf und macht verdammt viel Spass.

Platz 2: Vampyr – Der Traum des Allan Gray (1932)

«Vampyr» ist ein deutsch-französischer Horrorfilm des dänischen Filmregisseurs Carl Theodor Dreyer aus dem Jahre 1932. Lange waren die Kritiken des Films eher ernüchternd, auch an den Kinokassen war Vampyr ein Misserfolg. Inzwischen gilt der Film jedoch als ein Meisterwerk und als einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Auf dem Filmkritiker-Portal Rotten Tomatoes erhält der Film 95 Prozent der Punkte.

Platz 1: Dracula (1931)

Wie bereits angedeutet, landet auf Platz unserer Liste ein Film, der den gleichen Titel trägt wie Dracula mit Bela Lugosi. Mehr noch: Der Film wurde sogar im selben Jahr gedreht, nämlich 1931. Kurioser Hintergrund: Da es zur Entstehungszeit dieses spanischen Dracula-Films noch keine Synchronisationstechnik gab, drehte man einfach zwei Filme gleichzeitig. Einmal englisch und einmal spanisch. Hierfür verwendete man dieselben Kulissen, tagsüber wurde auf Englisch gedreht und nachts auf Spanisch.

Carlos Villarías spielte Graf Dracula.
© twitter.com

Dabei basieren beide Filme auf demselben Skript, jedoch dauerte die spanische Version rund eine halbe Stunde länger, da man hier nicht dem amerikanischen Sittenkodex unterworfen war und so einige Elemente stärker betont werden konnten als im englischen Pendent. Die Stimmung der Nachtdreharbeiten, die Möglichkeit, auch eine gewisse Erotik im Film zu verankern, verleihen dem Werk eine besondere Atmosphäre.

Der Film galt lange Zeit sogar als verschollen, bis ihn ein Filmhistoriker Anfang der 90er Jahre in Kuba wiederentdeckte und restaurierte. Auf Rotten Tomatoes hat der spanische Dracula unfassbare 100 Prozent der Punkte erzielt. Dadurch und mit der unglaublichen Geschichte dahinter, hat es der Film auf unseren Platz 1 geschafft.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 4. März 2022 06:34
aktualisiert: 4. März 2022 15:45
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