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Griechenland

Ärzte lassen sich von Impfbetrügern bestechen – und impfen sie trotzdem

22. November 2021, 18:31 Uhr
Bizarrer doppelter Betrug in Griechenland: Impfgegner bezahlten dort Ärzte, um Ihnen eine Kochsalzlösung zu injizieren. So wollten Sie, ohne tatsächlich geimpft zu sein, an Zertifikate gelangen. Was sie nicht wussten: Sie bekam die Zertifikate zu Recht.
Statt Kochsalz gab es Impfstoff. Kosten: 400 Euro. (Symbolbild)
© imago

Dieser Betrug geht unter die Haut: Griechische Medien berichten über einen riesigen Betrug, in den rund 100'000 Impfgegnerinnen und -gegner und mehrere hundert Ärztinnen und Ärzte verwickelt sein sollen. Um an ein Zertifikat zu kommen, bestachen die Impfgegner die Ärzte. Diese sollten ihnen statt des Vakzins eine Kochsalzlösung spritzen.

Vermeintlich. Denn die Ärzte liessen sich sehr wohl bestechen, wie die NZZ schreibt. Das heisst, sie nahmen das Bestechungsgeld an – statt Kochsalzlösung landete aber trotzdem eine Impfung in den Spritzen und Oberarmen der Impfunwilligen.

Moralisch korrekte Korruption?

Statt sich gratis impfen zu lassen, zahlten hunderttausende Personen rund 400 Euro für die Dosis. Vermeintlich ungeimpft konnten sie sich frei bewegen und gingen davon aus, das System ausgetrickst zu haben. Trotzdem litten sie zum Teil natürlich unter den bekannten Nebenwirkungen.

Das Verhalten der griechischen Ärzte ist erstaunlich und moralisch fragwürdig. Sie haben sich zum einen an tausenden Impfskeptikern bereichert – und die Betrüger betrogen. Gleichzeitig haben sie ihren Teil zur Bekämpfung der Pandemie in Griechenland geleistet und den Schutz der Gesellschaft gewährleistet.

Man könnte argumentieren, dass der Betrug an den Betrügern aufgeflogen wäre, hätten die Ärzte des Bestechungsgeld nicht angenommen.

Strenge Regeln in Griechenland

Die Position der Ärzte ist aber gar nicht so schlecht: Schliesslich müssten sich betrogene Impfgegner selbst als Betrüger outen, um die Ärzte anzuzeigen. Ob nun echt oder falsch, eines ist klar: Ohne Zertifikat geht in Griechenland so gut wie gar nichts mehr.

Ungeimpfte dürfen öffentliche Einrichtungen nur noch mit einem negativen Test besuchen – nur Supermärkte und Apotheken sind davon ausgenommen. Arbeitnehmer müssen pro Woche zwei Tests machen, falls sie nicht geimpft sind.

Das Regime ist streng, und so wird es auch durchgesetzt. Athen hat tausende zusätzliche Polizisten zur Durchsetzung abgestellt, Zuwiderhandlungen resultieren in relativ hohen Geldstrafen von 300 Euro.

(thc)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. November 2021 18:19
aktualisiert: 22. November 2021 18:31