Keine Auslieferung

Amnesty fordert Freilassung von Julian Assange

26. Oktober 2021, 06:09 Uhr
Vor einer Anhörung im Fall Julian Assange hat Amnesty International erneut die Freilassung des inhaftierten Wikileaks-Gründers gefordert.
Julian Assange soll in den USA der Prozess gemacht werden.
© Keystone/PA Wire/Dominic Lipinski

Die US-Justiz müsse ihre Vorwürfe gegen den Australier fallenlassen und die britischen Behörden ihn umgehend aus der Haft entlassen, teilte die Menschenrechtsorganisation am Dienstag mit. Am Mittwoch soll in London das Berufungsverfahren um Assanges Auslieferung an die USA beginnen.

Bis zu 175 Jahre Haft

Die US-Justiz will Assange wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Ihm drohen in den USA bis zu 175 Jahre Haft. Eine Richterin in London hatte das Auslieferungsbegehren im Januar mit Hinblick auf Assanges angegriffene psychische Gesundheit und die zu erwartenden Haftbedingungen in den USA abgelehnt.

Amnesty verwies auf Berichte, die nahelegen, dass die USA geplant haben sollen, Assange zu entführen oder zu töten, als er sich in der ecuadorianischen Botschaft in London aufhielt. «Damit werden die diplomatischen Zusicherungen der US-Behörden, wonach Assange in den USA eine gute Behandlung erwartet, noch weniger glaubhaft», hiess es. Noch immer sei niemand für US-Kriegsverbrechen in Afghanistan oder dem Irak zur Verantwortung gezogen worden, sagte Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard. Doch demjenigen, der diese Verbrechen aufgedeckt habe, drohe ein Leben hinter Gittern.

Viel Rückendeckung für Assange 

Vorgeworfen wird Assange, mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht zu haben. Er habe damit US-Informanten in Gefahr gebracht. Seine Unterstützer sehen in ihm einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht brachte.

Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte US-Präsident Joe Biden auf, das Verfahren zu stoppen. Die USA wollten sich auf der Weltbühne wieder für Menschenrechte einsetzen, sagte die Londoner Vertreterin der Organisation, Rebecca Vincent, in London. «Aber dies wird immer ein grosser Stachel im Fleisch bleiben. Das muss aufhören.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. Oktober 2021 06:09
aktualisiert: 26. Oktober 2021 06:09
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