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Das «Project Willow» in Alaska – erklärt in sieben Punkten

Joe Biden bricht Versprechen

Darum könnte das Ölbohr-Projekt «Willow» zweites Lützerath werden

21.03.2023, 19:01 Uhr
· Online seit 21.03.2023, 17:08 Uhr
Es sollte eigentlich keine neuen Ölbohrungen auf US-Boden mehr geben. Und doch hat Präsident Joe Biden das Jahrzehnte-Projekt «Willow» genehmigt. Das sind die sieben wichtigsten Fragen und Antworten zur Ölbohr-Aktion im Bundesstaat Alaska.
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Was ist das «Willow Project»?

Mit dem Projekt «Willow» will der Energiekonzern Conoco Phillips im US-Bundesstaat Alaska 600 Millionen Barrel Öl fördern, ein Barrel entspricht fast 160 Litern. In den kommenden Jahrzehnten erhofft sich das Unternehmen eine Fördermenge von 180'000 Barrel Öl pro Tag. Das entspricht den Ladungen von fast Tausend Tanklastern.

Warum ist es gerade jetzt brisant?

Präsident Joe Biden hat im Wahlkampf versprochen, keine weiteren Ölbohrungen auf US-Boden zu erlauben. Trotzdem hat die Regierung Mitte März «Willow» genehmigt. Nun regt sich Widerstand gegen das Projekt – vor allem auf Social Media. Dort trendet beispielsweise auf Tiktok und Instagram #StopWillow.

Warum ist das Projekt umstritten?

Gemäss dem «Spiegel» ist die Gengeration Z in Aufruhr wegen der Folgen für die Umwelt. Nachdem Endverbraucherinnen und -verbraucher das Öl aus dem Projekt verbrannt haben, seien 280 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Das entspricht über einem Drittel des jährlichen CO2-Austosses im Passagierluftverkehr. Ausgangswert sind die jährlichen Emissionen im Passagierluftverkehr von 2019 gemäss «International Council on Clean Transportation» (ICCT).

Was heisst das nun für die Umwelt?

Laut Medienberichten würden die Folgen dieses Projekts nicht nur in Amerika spürbar sein. Die Community kritisiert zudem hiesige Medien, weil sie das Thema zu wenig behandeln würden. Wie einst das Braunkohlekraftwerk im deutschen Lützerath soll auch «Willow» zum Symbol gegen den Klimaprotest werden. Die Erdölbohrungen sollen dem Klima und der Umweltschaden. Die Verantwortlichen rechnen mit Klagen.

Welches Ziel haben die Gegner?

Ebenfalls wie in Lützerath rufen verschiedene Organisation auf Social Media zum Protest auf. Ziel wäre, den Bau und somit das gesamte Projekt aufzuheben. Jugendliche hätten teils Angst, in Zukunft gebe es die Erde nicht mehr. Laut Wissenschaftlerin Alaina Wood sei die hohe Anzahl Social-Media-Posts zum Thema ein Zeichen für «Klimaangst». Wood erklärt auf Tiktok zudem, dass der Klimawandel auch nach «Willow» nicht unumkehrbar sei.

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Wie denken die Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Region?

Alaska gilt als Öl-freundlich, die Ablehnung in dem Gebiet östlich von Kanada ist nicht so klar. Viele Einheimische würden «Willow» deshalb unterstützen und sehen es als Chance: Das Projekt soll Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Aufschwung schaffen. Staat und Region erhoffen sich Milliarden-Einnahmen durch Steuern und Lizenzgebühren.

Warum wurde «Willow» trotz Joe Bidens Versprechen genehmigt?

Obwohl Joe Biden versprach, keine Ölbohrungen mehr auf US-Boden zu genehmigen, soll das Projekt stattfinden. Das Problem bei «Willow»: Es wurde vor Biden, unter der Amtszeit von Donald Trump, bewilligt. Wegen einer fehlerhaften Studie hob ein Bundesrichter die Entscheidung 2021 jedoch auf. Nun werde «Willow» auch als Kompromiss gesehen. Dies, weil die Regierung in Washington am Vortag der Entscheidung zur Bewilligung die Öl- und Gasbohrungen im Arktischen Ozean eingeschränkte.

veröffentlicht: 21. März 2023 17:08
aktualisiert: 21. März 2023 19:01
Quelle: Today-Zentralredaktion

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