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Wissen

Das solltest du über Afghanistan wissen

21. August 2021, 16:06 Uhr
Chaotische Zustände am Flughafen in Kabul nach der Machtergreifung der Taliban. Das Volk versucht vor der drohenden Schreckensherrschaft zu fliehen. Doch was weisst du eigentlich über Afghanistan? Wir haben dir ein paar Antworten auf grundlegende Fragen zu Afghanistan zusammengestellt.

Wer lebt in Afghanistan?

Die afghanische Bevölkerung besteht aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen, wie Paschtunen, Tadschicken, Hazsara, Usbeken und verschiedenen anderen; neben Persisch, Paschto und Englisch werden verschiedene Regionalsprachen gesprochen.

Wie sieht die Wirtschaft aus?

Ein grosser Teil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, obwohl nur ein kleiner Teil des gebirgigen Landes überhaupt bewirtschaftet werden kann. Afghanistan gehört zudem zu den weltweit grössten Opiumproduzenten. Der Tourismus ist seit langem zum Erliegen gekommen, weil das Reisen zu gefährlich ist. Zudem wurden wichtige Kulturstätten wie die Buddha-Statuen von Bamiyan von den Taliban zerstört.

Welche Erdschätze gibt es?

Neben Erdöl und Erdgas werden diverse Bodenschätze wie Kupfererze und Mineralien sowie Edelsteine abgebaut. Die Sowjetunion zog 1967 eine Gaspipeline ins eigene Land und zog bis zu 90 Prozent des Erdgases ab. Die USA schätzten im Jahr 2010, dass das Land über ein riesiges Erdöl- und Lithiumvorkommen verfügt, das bei Förderung einen Wert von mehreren Billionen Dollar hätte. China baut derzeit im grossen Stil Kupfer ab.

Wann wurde Afghanistan gegründet?

Das Land hat eine lange und bewegte Geschichte. Nach 60 Jahren britischer Vorherrschaft wurde Afghanistan im Jahr 1919 als souveräner Staat erstmals anerkannt, dabei verlor es allerdings Gebiete an Grossbritannien und Pakistan. Ab 1933 führte Mohammed Zahir Schah das Königreich, während seiner Zeit fand eine gewisse Modernisierung nach westlichem Vorbild  statt, auch Frauen erhielten mehr Rechte.

Seit wann herrscht in Afghanistan Krieg?

Seit rund 40 Jahren. 1973 stürzten sowjetunionfreundliche Kräfte das Königshaus des Schahs und riefen die Republik aus, 1978 übernahmen kommunistische Kräfte die Macht mit dem Ziel einer gesellschaftlichen Umgestaltung des Landes. Unter anderem sollte die Landbevölkerung alphabetisiert werden, unterstützt wurde diese Regierung von der Sowjetunion. Doch einige Regionen wehrten sich militärisch und damit begann der lang andauernde Bürgerkriegszustand.

Was hat die Sowjetunion mit Afghanistan zu tun?

1979 marschierten sowjetische Truppen ein, die vielfältige Interessen im Land hatten. Dies führte zu einem zehnjährigen Stellvertreterkrieg, weil sich auch die Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien, Pakistan und islamische Guerillas (Mudschahedin) einmischten. 1989 zog die Sowjetunion ihre Truppen mit rund 100'000 Soldaten ab.

Wie sah die Regierung nach der sowjetischen Intervention aus?

Auch nach Abzug der Sowjets kehrte keine Ruhe ein. Die von den Sowjets unterstütze Regierung hielt sich bis 1992, als die Mudschahedins in Kabul einmarschierten und die Macht übernahmen. Ungefähr 1998 marschierten dann die Taliban in Kabul ein und übernahmen die Vorherrschaft, sie versprachen dem Volk Frieden und führten die Scharia (die islamische Rechtssprechung) ein, Frauen wurden praktisch unter Hausarrest gesetzt. Der Bürgerkrieg lief weiter.

Warum marschierten die USA nach dem 11. September in Afghanistan ein?

Ungefähr in den 90er Jahren formierte sich die Terrororganisation al-Kaida unter der Führung von Osama Bin Laden. Dieser wurde von den USA in Afghanistan vermutet. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001, die der al-Kaida zugeschrieben werden, intervenierte US-Präsident Georg W. Bush. Mit internationaler Hilfe liess er Ziele bombardieren, wo al-Kaida und die Taliban vermutet wurden. Diese hatten sich zuvor geweigert, Bin Laden auszuliefern. Bereits im Oktober marschieren die ersten Nato-Truppen ein – die ISAF, die internationale Afghanistan-Schutztruppe.

Was änderte sich nach der Intervention der Nato?

2004 wurde Hamid Karzei, der von den USA unterstützt wurde, Präsident. Doch die Taliban liessen nicht locker, zwischenzeitlich erfolgten massive Angriffe der Taliban und der Al Kaida. Die ISAF musste zwischenzeitlich aufgestockt werden. Im Jahr 2014 endet der Einsatz der ISAF-Truppen und auch die US-Bevölkerung verlangte einen Rückzug ihrer Truppen. Eine Folgemission der USA diente der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte. Die USA kündigten im Frühling den definitiven Abzug ihrer Truppen auf 1. Mai an, auch die Nato zog ihre Einsatzkräfte ab.

Und der Rest ist Gegenwart – wir halten dich mit unserem Afghanistan-Ticker auf dem Laufenden.

(agm)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. August 2021 13:16
aktualisiert: 21. August 2021 16:06