Das «Jahrhundertbegräbnis»

«Die Queen ist wie der Bundesrat, der Papst und Roger Federer zusammen»

19. September 2022, 12:32 Uhr
Heute findet die Trauerfeier von Queen Elizabeth II. statt. Tausende geladene Gäste und Milliarden Zuschauer werden erwartet. Was dieser Mega-Event für London bedeutet und was die Briten mit der Monarchin verlieren, weiss die ehemalige SRF-Korrespondentin in London, Henriette Engbersen.

Quelle: CH Media Video Unit / Katja Jeggli

2000 wichtige Gäste – was bedeutet das für London?

Henriette Engbersen: Die Beerdigung ist eine Beerdigung der Superlative. Die Rede ist von einem «Jahrhundertbegräbnis». Unter den 2000 Gästen kommen 185 Staatsoberhäupter aus verschiedenen Ländern zusammen. Man sagt, dass gab es zuletzt, wenn überhaupt, bei der Beerdigung von Nelson Mandela. Entsprechend hoch ist das Polizeiaufgebot von über 10'000 Polizisten, die im Einsatz sein werden. Es heisst, dass das Sicherheitsaufgebot in London noch nie so hoch war. Zudem wird erwartet, dass weltweit drei Milliarden Menschen das Begräbnis im TV live mitverfolgen werden. So endet die Ära der Queen nochmals mit einer Superlative. Was auch speziell ist: Viele dieser Staatsoberhäupter sind sich gewohnt, alleine in einer Limousine herumchauffiert zu werden, aber da es jetzt so viele sind, ist das nicht möglich und sie werden alle zusammen mit Car und Bus zur Kirche gefahren.

Wie ist die Queen Beerdigung im Vergleich zu der von Lady Diana 1997?

Die Beerdigung wird ganz anders als die von Lady Diana. Ihr Tod kam sehr unerwartet, deshalb hatten sie nicht viel Vorbereitungszeit. Der Schock war damals grösser als jetzt bei der Queen. Dafür ist die Trauer beim Tod der Queen nochmals mehr da, weil sie so eine grosse Identifikationsperson für viele Menschen war und das über Jahrzehnte. Viele haben «being british» mit ihr verbunden.

Sogar Charlotte und George, die Kinder von Prinz William, sind dabei – was bedeutet das?

Dass die Kinder von Prinz William mitlaufen werden, also die Urenkel der Queen, wurde wahrscheinlich lange nicht publik gemacht, da man sicher sein wollte, dass die Kinder das auch können. Es ist ein Teil der Inszenierung der Monarchie, denn so ist die nächste Generation sichtbar.

Wann hat die Planung für diesen Riesenevent angefangen?

Die Beerdigung wurde eigentlich bereits 1952 geplant, als der Vater von der damals 26-jährigen Elizabeth starb. Denn jene, die die Beerdigung vorbereitet haben, realisierten, dass sie beim Tod der Queen womöglich nicht mehr leben werden. Deshalb haben sie alles genau aufgeschrieben und protokolliert, wie so ein Staatbegräbnis ablaufen soll.

Was ist der nächste Anlass nach der Beerdigung?

Der nächste grosse Event ist, wenn Charles gekrönt wird. König ist er schon, aber die Körnung war noch nicht.

Was verliert die Monarchie mit dem Tod der Queen?

Sie verliert ihr beliebtestes Mitglied. Sie war beliebter als die Monarchie selber. Sie war die meist fotografierte Frau der Welt. Die Monarchie verliert eine Grossmutter der Nation, jemand, der immer da war. Wenn ich den Leuten in der Schweiz die Queen versuchte zu erklären, dann sagte ich, dass sie wie der Bundesrat, der Papst und Roger Federer zusammen ist.

Haben Monarchien noch Zukunft?

Mit dem Tod der Queen wird die Monarchie kleiner werden, weil vermutlich das Commonwealth kleiner wird. Das Commonwealth besteht aus 50 Ländern, die in irgendeiner Form miteinander verbunden sind, wobei grösstenteils die Queen ihr Staatsoberhaupt war. Diese überlegen sich nun eine Abstimmung abzuhalten, ob sie sich von der britischen Monarchie lösen sollen. Die britische Monarchie hat klar Zukunft. Briten werden ihre Monarchie nicht abschaffen, weil gerade eine Königin oder ein König für sie eine wichtige Identifikation ist. Zudem lieben die Briten Tradition.

(joe)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 19. September 2022 12:34
aktualisiert: 19. September 2022 12:34
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