«Stink-Molekül»

Geschmacksverstimmung nach Corona? Das ist der Übeltäter

26. Mai 2022, 10:50 Uhr
Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, leiden häufig noch sehr lange unter dem vollständigen Verlust des Geschmackssinns oder einer Geschmacksveränderung. Für den übel riechenden Geschmack ist ein ganz bestimmtes Molekül verantwortlich, das haben Forschende jetzt herausgefunden.
Wenn der Kaffee plötzlich nicht mehr gut schmeckt.
© Keystone

Eine der häufigsten Nebenwirkungen einer Corona-Erkrankung ist ein veränderter Geschmackssinn. Was vorher noch angenehm war, riecht danach plötzlich schlecht.

Jetzt konnten Forschende der Universität Reading das «Trigger-Molekül» für diesen unangenehmen Geruch ausfindig machen: 2-furanmethanethiol.

Hinter dem umständlichen Namen steckt ein Molekül, das zum Beispiel im Kaffee gefunden werden kann. Menschen, die «normal» schmecken, bezeichnen den Geschmack des Moleküls als «kaffee- oder popcornmässig», Personen mit verändertem Geschmackssinn als «abstossend, faulig oder dreckig».

Kaffee schmeckt plötzlich «scheusslich»

Um das herauszufinden, haben die Forschenden zwei Gruppen verschiedene Kaffee-Komponenten testen lassen. In der ersten Gruppe waren alles Personen ohne Geschmacksveränderung, in der zweiten Gruppe solche mit einer sogenannten Parosmie, einem veränderten Geschmackssinn. Fast alle der zweiten Gruppe empfanden 2-furanmethanethiol als «scheusslich».

Die menschliche Nase kann über 400 verschiedene Gerüche unterscheiden. 2-furanmethanethiol ist besonders penetrant und gehört so zu einem der ersten Geschmäcker, den man wahrnimmt. Das Hirn ordnet den Geschmack des Moleküls offenbar falsch ein.

Geschmackssinn könnte zurückkehren

Die Forschung macht weiter Hoffnung, dass der Geschmacksverlust oder die Geschmacksveränderung nach einer Corona-Erkrankung wieder rückgängig gemacht werden kann. Die Geschmacksrezeptoren in der Nase wachsen sehr langsam nach oder regenerieren sich. Wäre der Defekt im Hirn, könnten die Schäden eher bleibend sein.

Zu einem ähnlichen Schluss kam bereits eine frühere Studie, an der auch die Universität Zürich beteiligt war. Damals wurde bei Corona-Erkranken eine schwere Entzündung der Riechschleimhaut beobachtet. «Für Covid-19-Patientinnen und -Patienten, deren Geruchssinn nicht wieder eingesetzt hat, bedeutet die Untersuchung, dass die Schädigung nur die Riechschleimhaut und nicht das Gehirn betrifft und sie deshalb von der Rückkehr ihres Riechsinns ausgehen können – auch wenn dies lange dauern kann», hiess es.

(rr)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 26. Mai 2022 10:50
aktualisiert: 26. Mai 2022 10:50
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