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Heftiges Nachbeben der Stärke 7,5 erschüttert Südosttürkei

Türkei und Syrien

Heftiges Nachbeben der Stärke 7,5 erschüttert Südosttürkei

06.02.2023, 17:10 Uhr
· Online seit 06.02.2023, 05:48 Uhr
Bei Erdbeben in der Südosttürkei und in Syrien sind am Montag mehrere tausend Menschen ums Leben gekommen. Es werden etliche weitere verschüttete Menschen unter den Trümmern vermutet.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

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Am frühen Montagmorgen haben zwei Beben der Stärke 7,4 und 7,9 nacheinander den Südosten der Türkei erschüttert. Der türkische Katastrophendienst Afad korrigierte am Mittag die Stärke des Hauptbebens von 7,4 auf 7,7. Das Epizentrum lag nach Angaben des Geoforschungszentrums Potsdam in beiden Fällen nahe der Stadt Gaziantep unweit der Grenze zu Syrien. Demnach ereigneten sich die Beben gegen 4.17 Uhr (Ortszeit/2.17 Uhr MEZ) und 4.28 Uhr (Ortszeit/2.28 Uhr MEZ) in einer Tiefe von 10 Kilometern.

Am Montagmittag erschütterte ein weiteres Erdbeben der Stärke 7,5 die Südosttürkei. Das Epizentrum habe in der Provinz Kahramanmaras gelegen, meldete die Erdbebenwarte Kandilli in Istanbul am Montag.

Quelle: CH Media Video Unit / Schweres Erdbeben in der Türkei und Syrien / 6.2.23

Keine Informationen über Schweizer Opfer

In der Türkei und in Syrien sind infolge der starken Erdbeben mindestens 2300 Menschen getötet worden. Der türkische Katastrophenschutz gab am Montagabend bekannt, dass im Südosten des Landes bisher 1498 Menschen Opfer des Erdbebens geworden seien. In Syrien stieg die Zahl der Toten auf mehr als 850, wie das Gesundheitsministerium sowie die Rettungsorganisation Weisshelme mitteilten. In dem Bürgerkriegsland seien bei der Katastrophe mehr als 2300 Menschen verletzt worden. In der Türkei sind bisherigen Erkenntnissen zufolge 8533 Menschen verletzt worden.

Es werden etliche weitere verschüttete Menschen unter den Trümmern vermutet. Den Menschen in den Katastrophenregionen steht laut Wetterbericht eine kalte Nacht, teilweise mit Minusgraden, bevor.

In Syrien seien zudem auch von Rebellen kontrollierte Gebiete betroffen. Eine Hilfsorganisation meldete dort über 100 weitere Todesopfer.

Laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gebe es derzeit keine Informationen über Schweizer Opfer. Die Behörden stünden demnach im Austausch und klären ab, ob Schweizerinnen oder Schweizer im Gebiet betroffen sind. Dies bestätigte das EDA gegenüber «20 Minuten».

Stärkstes Beben seit fast 30 Jahren

Ersten Augenzeugenberichten in sozialen Medien zufolge war der Nordwesten Syriens stark betroffen. Demnach stürzten im Grenzgebiet Gebäude ein, Menschen wurden unter Trümmern begraben. In der Türkei seien über 1700 Gebäude eingestürzt, neben Wohnhäusern auch ein Krankenhaus und eine historische Burg.

Der Leiter des Nationalen Erdbebenzentrums Raed Ahmed sagte laut Sana, dies sei das stärkste Beben in Syrien seit 1995.

Die Rettungsorganisation Weisshelme sprach ihrerseits von Dutzenden Toten. «Wir reagieren mit allem, was wir können, um diejenigen zu retten, die unter den Trümmer liegen», sagte der Leiter der Gruppe, Raed Al Saleh. «Die Lage ist sehr tragisch», sagte ein Mitglied der Gruppe.

In der Türkei sind nach Angaben des Innenministers mehrere Provinzen betroffen. Gebäude seien eingestürzt. Rettungsteams aus dem ganzen Land würden zusammengezogen. Man habe zudem die Alarmstufe vier ausgerufen und damit auch um internationale Hilfe gebeten. Es sei zu insgesamt 22 teils starken Nachbeben gekommen.

Türkei lebt in ständiger Erdbebengefahr

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb auf Twitter, «wir hoffen, dass wir diese Katastrophe gemeinsam in kürzester Zeit und mit möglichst geringem Schaden überstehen.»

Die Türkei ist immer wieder von schweren Erdbeben betroffen. Dort grenzen zwei der grössten Kontinentalplatten aneinander: die afrikanische und die eurasische. Der grösste Teil der türkischen Bevölkerung lebt faktisch in ständiger Erdbebengefahr.

Bei einem der folgenschwersten Beben der vergangenen Jahre kamen im Oktober 2020 in Izmir mehr als 100 Menschen ums Leben. Im Jahr 1999 war die Türkei von einer der schwersten Naturkatastrophen in ihrer Geschichte getroffen worden: Ein Beben der Stärke 7,4 in der Region um die nordwestliche Industriestadt Izmit kostete mehr als 17'000 Menschen das Leben. Für die grösste türkische Stadt Istanbul erwarten Experten in naher Zukunft ebenfalls ein starkes Beben.

Tiefer Riss in einer Landebahn am Flughafen

Die Wetterbedingungen erschwerten die Rettungsarbeiten, sagte Erdogan. In den betroffenen Provinzen herrschen zurzeit Minusgrade, in einigen Gegenden schneit es. Das Erdbeben mit Epizentrum im südtürkischen Kahramanmaras hatte die Südosttürkei am Montagmorgen erschüttert. Der türkische Katastrophendienst Afad korrigierte am Mittag die Stärke des Hauptbebens von 7,4 auf 7,7.

Mehrere Flughäfen in besonders von dem Erdbeben betroffen Regionen der Türkei blieben vorerst für zivile Flüge geschlossen. Dabei gehe es um die Flughäfen in Hatay, Kahramanmaras und Gaziantep, sagte Vizepräsident Fuat Oktay am Montagmorgen. Der Sender CNN Türk zeigte Bilder von einem tiefen Riss in einer Landebahn am Flughafen Hatay.

Hilfsorganisationen und Gemeinden in den betroffenen Regionen riefen neben Blutspenden auch zu Sachspenden auf und baten etwa um Decken, Heizer, Winterkleidung, Essenspakete und Babynahrung.

(sda/rag/log/bza)

veröffentlicht: 6. Februar 2023 05:48
aktualisiert: 6. Februar 2023 17:10
Quelle: Today-Zentralredaktion

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