Klimawandel

Mehr als die Hälfte der grossen Seen weltweit büsst Wasser ein

19. Mai 2023, 14:18 Uhr
Zahlreiche Seen weltweit sind in den letzten knapp 30 Jahren geschrumpft. Das zeigt eine Analyse von Satellitendaten zu fast 2000 Gewässern. Ein wichtiger Faktor sei die Erderwärmung, schreiben die Autoren einer aktuellen Studie.
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Forschende werteten für die Untersuchung Informationen zu 1972 grösseren Seen auf der ganzen Welt aus. 53 Prozent der untersuchten Seen enthielten 2020 im Vergleich zu 1992 weniger Wasser. Die Untersuchung wurde am Donnerstag im Fachjournal "Science" publiziert.

Die Wissenschafter um Fangfang Yao von der University of Colorado in Boulder (USA) liessen in ihre Analyse Satelliten- und Klimadaten sowie hydrologische Modelle einfliessen. Ungefähr ein Viertel der Weltbevölkerung lebt laut dem Forscherteam im Einzugsgebiet von Seen, die zurückgehen.

Quelle: CH Media Video Unit / Ramona De Cesaris

Seen bedecken insgesamt zwar lediglich rund drei Prozent der Landmasse der Erde. Sie erfüllen aber zentrale Aufgaben in den Ökosystemen der Welt, bei der Wasserversorgung von Menschen und Landwirtschaft. Zudem haben sie oft auch eine grosse wirtschaftliche Bedeutung, etwa im Tourismus.

Höhere Verdunstung und weniger Regen

Die in der Studie berücksichtigten Gewässer enthalten den Forschern zufolge rund 87 Prozent der auf der Erde verfügbaren Oberflächen-Frischwasserreserven. Durch den Klimawandel, der vielerorts eine höhere Verdunstung oder weniger verlässliche Niederschläge mit sich bringe, gerieten auch die grossen Wasserflächen zunehmend unter Druck, heisst es in der Studie. Zum Rückgang trage auch bei, dass mehr Wasser entnommen werde oder zusätzliche Staudämme gebaut würden.

Starke Wasserabnahmen verzeichneten demnach zum Beispiel das Kaspische Meer, der Aralsee in Zentralasien oder die Flusseinzugsgebiete des Euphrat und des Tigris sowie des Colorado River.

Die gespeicherte Wassermenge in den Seen ging in vielen Weltregionen zurück. Besonders ausgeprägt war der Trend im westlichen Zentralasien, im Nahen Osten, im Westen Indiens, im Osten Chinas, in Nord- und Osteuropa, in weiten Teilen Nord- und Südamerikas sowie im südlichen Afrika. Auch unter den relativ wenigen berücksichtigen Seen Mitteleuropas verzeichneten viele ein Minus.

Problem grösser als vermutet

Bei rund einem Viertel der Wasserflächen nahm die Wassermenge hingegen zu. Dies galt allerdings vor allem für Stauseen oder natürliche Seen in abgelegeneren Regionen wie Tibet oder den nördlichen Great Plains Nordamerikas, schreiben die Wissenschaftler. Insgesamt errechneten sie über alle fast 2000 untersuchten Gewässer einen jährlichen Wasserverlust im Volumen von knapp über 600 Kubikkilometer. Das entspreche dem gesamten Wasserverbrauch der USA des Jahres 2015, heisst es in der Arbeit: «Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Austrocknungstrend weltweit höher ausfällt als zuvor vermutet.»

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Dass rund zwei Milliarden Menschen im Einzugsgebiet von Seen lebten, deren Wasservolumen zurückgeht, sei auch ein Problem, weil dort die Kapazitäten zur Erzeugung von Energie aus Wasserkraft schwänden. Angesichts der Entwicklung sollte in vielen Weltgegenden deutlich mehr über Wassermanagement-Massnahmen nachgedacht werden, fordern die Forschenden.

(sda/lol)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 19. Mai 2023 14:17
aktualisiert: 19. Mai 2023 14:18