Omikron

Reisebeschränkungen bringen nichts – sind die Reichen schuld?

1. Dezember 2021, 10:29 Uhr
Südafrikas Präsident kritisiert die Reisebeschränkungen gegen sein Land und fordert mehr Solidarität. Solange reiche Länder Impfstoffe horten, wird es immer wieder zu neuen Mutationen kommen.
Die neue Mutation aus dem südlichen Afrika trifft uns alle und sie hätte durch eine gerechte Impfstoffverteilung verhindert werden können.
© Keystone

Die neue Virusvariante «Omikron», die ihren Ursprung wohl in südlichen Gebieten Afrikas hat, wurde letzte Woche von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als «besorgniserregend» eingestuft. Seitdem verhängt ein Land nach dem anderen Reisebeschränkungen gegen Südafrika. Der Bund hat bereits am Freitag direkte Flüge aus der Region des südlichen Afrikas verboten. Ausserdem wurden Südafrika, Hongkong, Israel und Belgien auf die Quarantäne-Liste gesetzt. Am Samstag wurde die Liste mit Grossbritannien, den Niederlanden, Tschechien, Ägypten und Malawi erweitert.

Reiseverbote fragwürdig

Trotz der ernsten Lage hatte die WHO gleichzeitig davor gewarnt, «mit Reiseverboten die neue Variante zu bekämpfen». Die Afrika-Direktorin der WHO, Matshidiso Moeti, sagte am Sonntag: «Da die Omikron-Variante jetzt in mehreren Regionen der Welt entdeckt wurde, greift die Einführung von Reiseverboten, die auf Afrika abzielen, die globale Solidarität an.»

Zu Recht meldete sich darauf der Präsident Südafrikas Cyril Ramaphosa in einer öffentlichen Ansprache zu Wort und forderte, solche «Entscheidungen dringend rückgängig zu machen», bevor den Volkswirtschaften weiterer Schaden zugefügt werde. Es gebe keine wissenschaftliche Grundlage für die Reiseverbote und das südliche Afrika sei Opfer unfairer Diskriminierung, begründete er seine Forderung.

Eine gerechte Impfstoffverteilung

Dass sich Omikron bilden und so schnell verbreiten konnte, liegt an der Unsolidarität reicher Länder, die Impfstoffe horten. Solange wir keine gerechte, globale Impfstoffverteilung haben, drehen wir uns im Kreis, schreibt der Historiker Lutz van Dijk in der taz.

Zusammengefasst sagt er: «Wenn nicht alle Menschen weltweit Impfschutz erhalten, wird sich das Virus nicht nur im globalen Süden unkontrolliert ausbreiten, sondern es wird zu Mutationen kommen, die dann auch mehrfach geimpfte Menschen in den reichen Ländern treffen werden. Genau an diesem Punkt sind wir jetzt.»

(noë)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 1. Dezember 2021 11:39
aktualisiert: 1. Dezember 2021 11:39
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