Wiki-Politik

Recherche zeigt: Politiker «bschisse» auf Wikipedia mit Zensur oder PR

21. Dezember 2021, 18:42 Uhr
Wer recherchiert, landet auf Wikipedia. Doch nicht immer sind die Einträge neutral geschrieben. Oft werden Informationen weissgewaschen, wie eine Recherche zeigt. Auch Zentralschweizer Politiker sind involviert.

Quelle: Tele 1

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Wer verfasst die Wikipedia-Artikel von Politikern und wie neutral sind die Einträge? Das Recherche-Team von «REFLEKT» hat gemeinsam mit «netzpolitik.org» 253 Einträge der Schweizer National-, Stände- und Bundesräte analysiert. Nicht alle Parlamentarierinnen und Parlamentarier würden das Grundprinzip der Neutralität respektieren, heisst es in einer Medienmitteilung.

Einige Politiker würden kritische Passagen löschen, andere hätten PR-Berater engagiert, um Eigenwerbung zu verbreiten. Die Wikipedia-Community konnte meistens den politischen Einfluss stoppen, doch einige boxten ihre Botschaften durch oder manipulierten den Text, ohne dass es auffällt.

Wikipedia versteht sich als neutrale und werbefreie Enzyklopädie. Obwohl alle reinschreiben dürfen, gehören bestimmte Richtlinien eingehalten. Problematisch sei:

  1. Schreiben in eigener Sache, besonders heikel sei bezahltes Schreiben im Auftrag von Dritten.
  2. Wer über sich schreibt müsse dies transparent machen, also Arbeitgeber, Kunden und Zugehörige offenlegen.
  3. Texte müssten neutral geschrieben sein, Themen sollten sachlich dargestellt werden. 

Zentralschweizer Politiker beschönigen und machen Werbung

Und genau diese Punkte wurden von einigen Politikern nicht eingehalten. Der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter habe für seinen Wiki-Artikel eine deutsche Kommunikationsagentur beauftragt. Auf Anfrage bestätigte er, die Agentur habe ein falsches Zitat geändert. Obwohl ein anderer Wikipedia-User eingriff, gab die Agentur nicht nach und boxte eine dritte Version durch.

Der Fall würde aufzeigen, dass mit Geld und Beharrlichkeit jeder Wiki-Eintrag auf die eigenen Vorteile abgezielt werden könne, schreibt das Recherche-Team.

«Wie aus einem Bewerbungsportfolio»

Beim Urner Ständerat Josef Dittli verwandelte ein anonymer User die sachlichen Sätze in werbende Worte. Diese seien 1:1 von der Website der FDP übernommen worden. Erst zehn Jahre später sei einem anderen User aufgefallen, dass hier gegen die Richtlinie «neutrales Schreiben» verstossen wurde. Er passte den Text an und schrieb: «Klang teilweise wie aus einem Bewerbungsportfolio»

Ähnlich werberisch lese sich ein Wikipedia-Artikel von der Schwyzer FDP-Nationalrätin Petra Gössi. Die Beschönigungen liess ein User nicht zu und kommentierte: «Bitte keine Eigenwerbung.»

(kmu)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. Dezember 2021 11:47
aktualisiert: 21. Dezember 2021 18:42