Goldau

Nach Angriff im Tierpark: «Bärin war nach Kampf praktisch tot»

22. April 2022, 18:12 Uhr
Im Tierpark Goldau kam es Donnerstag zu einem tragischen Vorfall: Wegen eines offenen Tores kam es zu einem Kampf zwischen zwei Bären. Die Bärin Laila wurde dadurch so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden musste.
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Quelle: Tele 1

Die Bären im Tierpark Goldau leben voneinander getrennt in verschiedenen Abteilen in der Gemeinschaftsanlage für Bär und Wolf. Jeweils am Nachmittag werden sie gemäss Martin Wehrle, Tierarzt im Tierpark Goldau, in den Stall geholt, damit in der Anlage Futter verteilt werden kann.

Bären konnten nicht getrennt werden

«Die Bären müssen dabei die gleichen Gänge benutzen, tun dies aber zeitlich versetzt. Dabei ist ein Schieber zur Box der Bärin offengeblieben. Dadurch trafen der 14-jährige männliche syrische Braunbär Takis und die 31-jährige Bärin Laila aufeinander. Alle Versuche, die beiden Bären voneinander zu trennen, scheiterten», sagt Wehrle. Die Bärin Laila sei nach diesem Kampf «praktisch tot» gewesen und musste erlöst werden.

Gestern ereignete sich in unserer Bärenanlage ein Zwischenfall, aufgrund dessen unsere Bärin Laila eingeschläfert werden...

Posted by Natur- und Tierpark Goldau on Friday, April 22, 2022

Wie kann so etwas passieren? «Es war wohl ein kurzes Blackout. Es sind jeden Tag dieselben Vorgänge, die von verschiedenen Leuten ausgeführt werden, damit keine Routine entsteht», so der Tierarzt. «Eine hundertprozentige Sicherheit hat man aber nie. Ein kurzer Augenblick kann zu einem verheerenden Unfall führen.»

Den verantwortlichen Mitarbeiter habe der Vorfall schwer getroffen und er habe sich grosse Vorwürfe gemacht. «Ich musste ihn stützen. Wo gearbeitet wird, gibt es Fehler.» Gemäss Wehrle wird der Vorfall mit dem Team aufgearbeitet. «Wir schauen, was wir verbessern können und ob es Sicherheitslücken gibt. Es ist aber wichtig, dass wir jetzt vorwärtsschauen.

Die Bärin Laila musste nach dem Kampf eingeschläfert werden.

© Keystone/ALEXANDRA WEY

Verhalten ist natürlich für Bären

Für Menschen habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden. «Die Bären werden nicht direkt durch die Tierpfleger betreut. Das wäre zu gefährlich. Da hat es immer entweder ein Gitter oder eine Wand.» Auch die Besucherinnen und Besucher des Tierparks hätten den Vorfall nicht mitbekommen. «Der Vorfall ereignete sich hinter den Kulissen und war somit nicht für die Tierpark-Besuchenden sichtbar.»

In der freien Wildbahn sei ein solches Verhalten eines Bären natürlich, sagt Wehrle weiter. «Denn in der Natur wird eine alte Bärin, die nicht mehr fortpflanzungsfähig ist und damit der Arterhaltung nicht mehr dient, von ihren Artgenossen angegriffen, um jüngeren Tieren Platz zu machen.» Laila sei mit ihren 31 Jahren bereits sehr alt gewesen und musste vergangenen Herbst aufgrund eines Tumors operiert werden.

Keine Konsequenzen für Takis

Für den angreifenden Bären Takis wird das Verhalten keine Konsequenzen haben. Die tote Braunbärin werde pathologisch untersucht, um Erkenntnisse zu ihrem allgemeinen Gesundheitszustand zu erhalten. «Der Natur- und Tierpark Goldau bedauert diesen unglücklichen Vorfall.»

Auch der Bär selbst sei einen Tag nach dem Vorfall verändert: «Man merkt dem Männchen an, dass es nervös wirkt.» Möglichst bald möchte der Tierpark Goldau einen neuen syrischen Braunbären aufnehmen. «Das war schon lange der Plan, da wir wussten, dass Laila gesundheitliche Probleme hatte, die irgendwann zum Tod führen werden.»

Das ist eines der letzten Videos von Laila, als sie noch lebte

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Quelle: PilatusToday

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 22. April 2022 10:52
aktualisiert: 22. April 2022 18:12
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