«Für Kinder ists gefährlich»

Auf einem Spielplatz in Hottingen sammeln sich Abfall, Zigistummel und Scherben

Maurus Held, 2. Juli 2022, 06:39 Uhr
Der Sonnenberg-Spielplatz in Zürich-Hottingen erfreut sich bei Kindern und deren Eltern grosser Beliebtheit. Nun scheinen auch Jugendliche auf den Geschmack gekommen zu sein – allerdings aus ganz anderen Gründen. Ihr Verhalten erhitzt die Gemüter. Die Stadt hat bereits Massnahmen erlassen.

Im gesamten Kies des Spielplatzes Sonnenberg in Hottingen würden Glasscherben liegen, erzählt eine besorgte Anwohnerin und Mutter zweier junger Kinder gegenüber ZüriToday. «Für die Kinder, die hier spielen, ist das gefährlich. Sie könnten sich schneiden.» Die Scherben, aber auch der Abfall, Zigaretten- oder Joint-Stummel, die herumliegen, sowie der Lärm hätten in den letzten paar Monaten zugenommen – genauso wie Graffitis und Sachbeschädigungen. «Es wird mehr und mehr.»

Für diesen Trend hat die Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, eine leise Vermutung: «Vorher waren sicherlich auch andere Plätze in der Gegend bei Jugendlichen beliebt, um rumzuhängen. Gut möglich, dass sie dort vertrieben wurden, weil sie ähnliche Dinge machten.» Und so hätten sie dann eben den Sonnenberg-Spielplatz für sich entdeckt – sehr zur Missgunst der Anwohnenden. «Ich weiss von anderen Müttern, aber auch von älteren Anwohnenden, dass sie sich Sorgen machen.»

«Ich käme nicht mehr nach»

Viele würden die Meinung teilen, dass sich die Situation in letzter Zeit verschärft habe – und dass etwas dagegen unternommen werden muss. «Ich habe mich an den Quartierverein Hottingen oder auch an die zuständige Stadträtin (Simone Brander, d. Red.) gewandt», erzählt die Anwohnerin. «Sie waren alle sehr zuvorkommend und haben mir versichert, dass sie sich um die Angelegenheit kümmern werden.»

Und doch: Der Polizei etwa seien grösstenteils die Hände gebunden – um eine Anzeige machen zu können, müsste man die Jungen in flagranti erwischen. «Dies gelingt nur selten.» Deshalb nimmt die Anwohnerin die Zügel selbst in die Hand: «Ich habe immer mal wieder die Scherben zusammengekratzt und entsorgt.» Doch sie könne den Spielplatz Sonnenberg nicht ständig aufräumen, dafür fehle die Zeit – «und es wäre schlicht zu viel Müll und Scherben. Ich käme nicht mehr nach.»

Sogar an den Wochenenden wird gereinigt

Dass gar die Spielzeuganlagen und anderes Inventar auf dem Spielplatz demoliert wird, stimmt die Anwohnerin traurig. «Hier spielen viele Kinder, ganz in der Nähe hat es eine Kita. Wieso müssen sie die Leidtragenden von jugendlichem Rowdytum sein?» Dass junge Menschen Dampf ablassen wollen oder müssen, könne sie absolut nachvollziehen. «Aber doch nicht auf einem Spielplatz.» Da müsse man ihnen die Grenzen klar aufzeigen. «Dann bleibt unser Platz sicher und benutzbar.»

Damit dies tatsächlich gelingt, hat Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) für den Sonnenberg-Spielplatz seit Frühling dieses Jahres gar das Reinigungsintervall erhöht. So finden die Reinigungstouren nun sogar samstags und sonntags statt, wie Mediensprecher Tobias Nussbaum auf Anfrage sagt.  «Es stimmt, die Verschmutzung des Spielplatzes ist schon länger ein Thema.»

«Eigentlich sind wir immer zu spät»

Eine weitere Konsequenz sei das Aufstellen zusätzlicher Abfallbehälter gewesen. ERZ habe zudem weitere beteiligte Dienststellen auf die Problematik aufmerksam gemacht. Nussbaum kann sich vorstellen, dass der Trend der Verschmutzung auf dem Spielplatz mit Corona zusammenhängt: «Die Clubs oder Bars waren länger geschlossen, viele Menschen sind deshalb auf öffentliche Plätze ausgewichen.»

Dies habe sich so eingebürgert – das Problem bleibe so fortbestehen. Entsorgung + Recycling Zürich tue alles Mögliche, um Sauberkeit zu garantieren. «Aber dem Wesen unserer Arbeit nach sind wir eigentlich immer zu spät», so Nussbaum. «Wir können Verschmutzungen nicht im Voraus beseitigen.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 1. Juli 2022 17:32
aktualisiert: 2. Juli 2022 06:39
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